sf
01.06.13 / 12:00
Heft 11/2013 Zahnmedizin
„Kita mit Biss“

Frühkindlicher Kariesvorbeugen

Gesunde Zähne sind wichtig – klar. Der Weg dorthin aber ist lang, man muss ein Leben lang viel dafür tun, von Anfang an. Ein Baustein zum Erfolg ist die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe im Setting Kita. Aus dem Land Brandenburg stammt ein Präventionsprogramm zur Qualitätssicherung in Kitas.




Im Rahmen der Gruppenprophylaxe werden Kinder zu zahngesundem Verhalten motiviert, das Zähneputzen in der Gruppe wird zum Erlebnis und auch erste Erfahrungen beim Untersuchen der eigenen Zähne werden gemacht. Frühstücksaktionen, thematische Projekte und die Arbeit mit Eltern, Pädagogen und Partnern zeigen, wie vielschichtig die Gruppenprophylaxe inzwischen geworden ist.

Im Rahmen seiner Betreuung diagnostizierte das Team des Zahnärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes Frankfurt (Oder) Jahr für Jahr einen hohen Anteil von Kindern mit frühkindlicher Karies. Ein Fakt, der 2003 zum Anlass genommen wurde, präventive Strategien zu entwickeln, die zur Förderung der Mundgesundheit und zur Vermeidung der frühkindlichen Karies sowie zur Entwicklung eines mundgesundheitsförderlichen Umfelds in Kindertagesstätten in Zusammenarbeit mit Erzieher-Teams und Eltern beitragen.

Am Ende dieses Prozesses stand die Einführung eines Aufklärungs- und Ernährungsprogramms mit praktikablen Handlungsleitlinien für Kindertagesstätten, die unter dem Motto „Kita mit Biss“ umgesetzt werden. Der Zahnärztliche Dienst stellte den Kita-Leitern/innen und Kita-Trägern die Handlungsleitlinien vor und motivierte zur Teilnahme an diesem Programm. Hatte sich eine Kindertagesstätte entschlossen, eine „Kita mit Biss“ zu werden, erklärte sie schriftlich ihren Beitritt und bekam als Bestätigung ein Zertifikat mit dem Logo des Programms. Das Motiv ist das Ergebnis eines Schülerwettbewerbs (Foto). Im Eingangsbereich der Einrichtung angebracht, trägt es zur Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit bei und belegt, dass das Kita-Team diesen Qualitätsstandard umsetzt.

Das Team des Zahnärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes Frankfurt (Oder) begleitet seit 2003/04 inzwischen 29 von 30 Frankfurter Kindertagesstätten bei der Umsetzung der Handlungsleitlinien und bei der Elternarbeit. Um die Wirksamkeit nachvollziehen zu können, wurde im Schuljahr 2006/07 die erste Evaluation unter Verwendung des Fragebogens „Kita mit Biss – macht unsere Kita noch mit?“ durchgeführt. Die Auswertung zeigte, dass eine positive Veränderung in der Lebenswelt der Kinder erreicht werden konnte.

Nuckelflaschenverzicht so früh wie möglich

Im Schuljahr 2010/11 erfolgte die zweite Evaluation mit einer interviewbasierten Befragung der Kita-Leiter/innen teilnehmender Kindertagesstätten. Die Auswertung zeigte Folgendes:

• Eine konsequente Ablehnung der Verabreichung von Nuckelfläschchen bei Kindern, die aus der Tasse trinken können, und Elterninformationen zu dieser Thematik erfolgen in allen Kitas.

• In 97 Prozent der Kitas wird zahngesund gefrühstückt.

• Alle Kitas bieten kauintensive Obst- und Gemüsezwischenmahlzeiten an.

• In 93 Prozent der Kitas werden zuckerfreie Getränke gereicht.

• In allen Kitas wird das tägliche Zähneputzen durch die Erzieher/innen unterstützt und begleitet.

• In 15 Kitas werden die Zähne nach dem Frühstück und nach dem Mittagessen geputzt, in 13 Einrichtungen erfolgt die Zahnpflege nach dem Mittagessen und in einer Kita wird nach dem Frühstück geputzt.

• 80 Prozent der Kitas haben in den vorangegangenen zwei Schuljahren Elterninformationsveranstaltungen zur Kariesprophylaxe durchgeführt. Damit ist die Prävention der frühkindlichen Karies ein Schwerpunkt der Elternarbeit.

• Der Anteil der Kleinkinder mit kariesfreien Gebissen ist gestiegen und das Auftreten der frühkindlichen Karies wurde reduziert.

• Die Kita-Erzieher/innen haben den Bedarf für Aufklärungsmaterial für Eltern gesehen und wiesen darauf hin, dass aus ihrer Sicht ein Angebot für Eltern, deren Kinder noch keine Kindertagesstätte besuchen, fehlt.

Dieser Zielgruppe ein Beratungsangebot zu geben, gelingt mit dem „Zähnchentreff im Gesundheitsamt“, einem gemeinsamen Angebot des Babybesuchsdienstes und des Zahnärztlichen Dienstes.

Präventionsprogramm ist wissenschaftlich bestätigt

Die „Kita mit Biss“ hat eine hohe Akzeptanz und wurde zum intersektoralen Präventionsprogramm entwickelt. Das Programm ist inzwischen fester Bestandteil der kontinuierlichen gruppenprophylaktischen Betreuung.

Die Kindertagesstätten identifizieren sich mit dem Programm und erweitern dadurch ihr Profil. „Kita mit Biss“ ist ein inhaltlicher Schwerpunkt der Kita-Konzepte. Wissenschaftliche Bestätigung hat das Programm aktuell mit der Studie „Frühkindliche Karies und assoziierte Risikofaktoren bei Klein- kindern im Land Brandenburg“, veröffentlicht im Bundesgesundheitsblatt Heft 11/12 2012, erfahren. Das Team des Zahnärztlichen Dienstes in Frankfurt (Oder) hat über seine Erfahrungen und Ergebnisse in Fortbildungsveranstaltungen und Presseartikeln berichtet und diese unter www.frankfurt-oder.de veröffentlicht. Dadurch wurde auch in anderen Regionen Interesse zur Umsetzung des Präventionsprogramms geweckt.

Wiedereinstiegsmotivation für nicht putzende Kitas

In Cottbus startete „Kita mit Biss“ im Schuljahr 2009/10. Die Einführung erfolgte als Antwort auf die Tatsache, dass in einzelnen Kindertagesstätten die Zähne der Kinder nicht mehr geputzt wurden. Erreicht werden konnte, dass das tägliche Zähneputzen inzwischen wieder in allen Kindertagesstätten Standard ist und dass 50 der 52 Kindertagesstätten am Programm teilnehmen. Die Entwicklung der Mundgesundheit wurde anhand des Anteils behandlungsbedürftiger Kinder und des Anteils der Kinder mit kariesfreiem Gebiss ausgewertet und mit den Durchschnittswerten aller Cottbuser Kitas verglichen. Der positive Entwicklungstrend wurde mit den Kita- Leitern/innen besprochen.

In der Stadt Brandenburg an der Havel wird das Präventionsprogramm seit 2012 umgesetzt, dort liegt der Hauptschwerpunkt auf der intensiven Elternarbeit. Erfolgreich startete „Kita mit Biss“ auch im Landkreis Spree-Neiße. In den Landkreisen Teltow-Fläming, Uckermark und Prignitz haben die Zahnärztlichen Dienste ebenfalls die Umsetzung des Präventionsprogramms initiiert. Darüber hinaus haben Regionen in Nordrhein-Westfalen dieses Präventionsprogramm in ihre Betreuungskonzepte aufgenommen. Der Anregung der Erzieherinnen aus Frankfurt (Oder) folgend, wurde ein Eltern-Flyer entwickelt. Die Materialien zur „Kita mit Biss“ sind so konzipiert, dass Interessenten sie nutzen und die regionalen Kontakt- angaben eingefügt werden können. Ansprechpartnerin hierfür ist Bettina Bels im Büro der zahnärztlichen Gruppenprophylaxe des Landes Brandenburg unter Tel. 0331/88762011 oder per Mail an bels@gesundheitbb.de .

Dr. Petra Haak
Zahnärztlicher Dienst des Gesundheitsamtes Frankfurt (Oder)
Petra.Haak@frankfurt-oder.de

Dr. Gudrun Rojas
Zahnärztlicher Dienst Brandenburg an der Havel
Gudrun.Rojas@stadt-brandenburg.de



Mehr zum Thema


Anzeige
Werblicher Inhalt