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16.02.14 / 00:01
Heft 04/2014 Politik
8. Zahnärztetag Hamburg

Ganz im Zeichen der älteren Patienten

450 Zahnärztinnen und Zahnärzte, dazu noch Praxismitarbeiterinnen und Techniker mit eigenen Programmen, trafen sich auf dem völlig ausgebuchten achten Zahnärztetag in Hamburg zum Thema „Ältere Patienten – Herausforderungen und Chance“. Man sieht, auch die Alterszahnheilkunde zieht.




Präsident Prof. Dr. Wolfgang Sprekels zeigte sich hocherfreut über den großen Zuspruch der fortbildungswilligen Zahnärzte aus der Region. „Ich freue mich, dass diese Veranstaltung zu einer Erfolgsstory geworden ist.“ In seiner Begrüßungsrede bekundete er humorvoll auch seine eigene „Betroffenheit“ zum Thema, denn auch er würde schließlich älter.

Sprekels zeichnete zwei Hamburger Zahnärzte mit der Ehrennadel der Deutschen Zahnärzteschaft und eine Kollegin mit dem Hamburger Fortbildungszertifikat für ihren ehrenamtlichen Einsatz aus.

Auch die Präsidentin der DGZMK, Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke, lobte in ihrem Grußwort das Engagement der Zuhörer: „Das Thema der Tagung bewegt die Zahnärzte; wir müssen uns auf diese Patientengruppe noch besser einstellen und der Gesundheitspolitik Konzepte zur Betreuung auf- zeigen.“ Dr. Horst Schulz, Vorsitzende des Fortbildungsausschusses der Kammer, hatte eine Reihe interessanter Referenten eingeladen und spannende Themen zusammengestellt.

„Alt werden taugt nichts für Feiglinge“, zitierte Dr. Ann-Kathrin Meyer, Chefärztin der Geriatrie der Asklepios-Klinik in Hamburg-Wandsbek, einen ihrer gebrechlich gewordenen Patienten. Sie verdeutlichte den Zuhörern, welche Alterungsprozesse sich abspielen, wie die Kompetenz zur Bewältigung des Alltags gemessen werden kann und wie manche Menschen von „Go-Gos“ über „Slow-Gos“ zu „No-Gos“ werden.

Alt werden taugt nichts für Feiglinge

Prof. Dr. Frauke Müller, Genf, schilderte anhand eines alten Films am Röntgen-Durchleuchtungs-Schirm, welche „artistische Übung es verlangt, eine Vollprothese im Ober- und Unterkiefer beim Kauen von Nahrung zwischen Wangen- und Zungenmuskulatur zu dirigieren“. Je älter die Patienten werden, desto schwieriger sei die Adaptation. Aber auch die Erforschung des Alterns, also die Gerontologie, war ein Thema in Hamburg. So zeigte Dr. Stefanie Brassen, Institut für systemische Neurowissenschaften am UKE, den heutigen Stand der Erforschung des erfolgreichen Alterns auf. So gibt es eine statistische U-Form der Lebenszufriedenheit; vom Jugendlichen entwickelt sich dieses Gefühl abwärts bis zum Tal der „Midlife-crisis“ und dann stetig wieder aufwärts – bis kurz vor dem Tod. „Depressive Alte verhalten sich den Untersuchungen nach wie Jugendliche – glückliche Alte lernen mit verpassten Chancen umzugehen und hadern nicht.“ BZÄK-Vize Prof. Dr. Christoph Benz, München, lockte mit provokanten Thesen: „Über Zahnerhalt für Best Ager soll ich zu Ihnen sprechen. Ich mag diese Werbesprache nicht,“ sagte er klar und deutlich. Dafür forderte er eine flächendeckende Prävention, eine altersgerechte PZR und angemessene Honorare von der Gesundheitspolitik. Er wünschte sich die PZR als Delegationsauftrag unter Aufsicht des Zahnarztes, weil sonst das präventive Mundhygienemanagement bei der Pflegedienstleitung der Heime landen würde. Dr. Lutz Laurisch, Korschenbroich, stellte sein Praxiskonzept vor. Sein Fazit: Im Mittelpunkt steht das Patientengespräch, nur so funktioniere Motivation zur Verhaltensänderung. Ergänzungen hierzu liefert eine Fortbildung am 24. Mai.: Die „aufsuchende mobile zahnmedizinische Betreuung“ von Pflegebedürftigen (Infos: http://bit.ly/1aXcgEJ).

Dr. Thomas Einfeldt
Mühlendamm 92
22087 Hamburg



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