pr
01.03.07 / 00:14
Heft 05/2007 Politik
Präventionsbericht der Krankenkassen

Gesund leben lernen

Die Gesetzliche Krankenversicherung hat ihre Präventionsaktivitäten deutlich ausgeweitet. Das geht aus der neuen Dokumentation für das Jahr 2005 hervor, den die GKV-Spitzenverbände und der Medizinische Dienst jetzt vorgelegt haben. Das Fazit: 3,8 Millionen Menschen sind mit Maßnahmen der Primärprävention und der Betrieblichen Gesundheitsförderung erreicht worden - gegenüber 2004 ein Zuwachs um knapp zwölf Prozent.




Seit 2001 legen die Gesetzlichen Krankenkassen eine Dokumentation über die von ihr erbrachten Leistungen in der primären Prävention und Betrieblichen Gesundheitsförderung vor (Basis: § 20 Absatz 1 und 2 SGB V). Ergebnis: Das Engagement ist stetig gewachsen. Von 2000 bis 2005 sind die Gesamtausgaben der GKV für diese beiden Bereiche mit einer durchschnittlichen jährlichen Steigerungsrate von 34 Prozent von 43,1 Millionen Euro auf 179,1 Millionen Euro ausgeweitet worden. Damit sei, so betonen die GKV-Spitzenverbände und der Medizinische Dienst der Spitzenverbände (MDS) bei der Vorlage der neuen Dokumentation für das Jahr 2005, das für 2005 empfohlene Ausgabensoll von 2,70 Euro pro Versichertem nahezu ausgeschöpft. Die Leistungen der Kassen lassen sich nach drei Ansätzen gliedern:

• Setting-Ansatz: Dabei geht es um die direkten Lebensumfeldern der Versicherten (wie etwa Schulen, Berufsschulen, Vereine, Familien, Gemeinden oder Kindergärten). Hier lassen sich Menschen erreichen, die aus sich heraus keine präventiven Angebote nutzen würden, zum Beispiel sozial benachteiligte Personen mit geringem Einkommen oder niedriger Schulbildung.

• Individueller Ansatz: Es handelt sich um Kurs- und Seminarangebote, die auf das Gesundheitsverhalten ausgerichtet sind.

• Betriebliche Gesundheitsförderung: Die Ausrichtung erfolgt speziell auf die Besonderheiten im Betrieb. Die Zahl der gemeldeten Aktivitäten und Projekte in betrieblichen und nichtbetrieblichen Lebenswelten von Versicherten ist seit 2001 um über 250 Prozent auf zusammen 3 390 Projekte in 2005 gestiegen. Über Interventionen nach diesen beiden Ansätzen ließen sich in 2005 den Schätzzahlen zufolge insgesamt etwa 2,6 Mio. Menschen in 24 680 Einrichtungen und Betrieben erreichen. Rechnet man die 1,2 Millionen Versicherten hinzu, die primärpräventive Kurs- und Seminarangebote in Anspruch genommen haben, so lag die Gesamtsumme der über Präventionsleistungen erreichten Personen bei nahezu 3,8 Millionen.

Die GKV strebt eine Stärkung von Wohlbefinden, Lebensqualität, Selbstbestimmung sowie Beschäftigungsfähigkeit in der Bevölkerung an. Besonderes Augenmerk liegt auf gesundheitlicher Chancengleichheit in der Bevölkerung. Es ist festgelegt, dass sich die Aktivitäten auf bewährte Handlungsfelder "Bewegung", "Ernährung", "Stressbewältigung" und "Umgang mit Genuss-/Suchtmitteln" ausrichten. Die Zahl der rückgemeldeten Dokumentationsbögen mit Angaben zu Settingaktivitäten ist laut der GKV-Dokumentation 2005 gegenüber 2001 um das Fünffache angestiegen. Allein im Vergleich zu 2004 war eine Zunahme der gemeldeten Fallzahl von 622 um 38 Prozent auf 859 Dokumentationsbögen zu verzeichnen. In 2005 wurden diese gemeldeten Maßnahmen und Projekte in 18 300 Einrichtungen durchgeführt. Das sind 1 600 Einrichtungen mehr als in 2004.

Mehr Kursteilnehmer

Seit Beginn der Erhebungen zum Individuellen Ansatz im Jahr 2002 ist die Zahl der Kursteilnahmen kontinuierlich angestiegen: Haben anfangs noch 353 000 Versicherte individuelle Angebote aufgegriffen, so waren es in 2005 bereits knapp 1,2 Millionen Kursteilnehmer. Allein gegenüber 2004 war in 2005 ein Anstieg von 45 Prozent zu verzeichnen. Entsprechend haben die Krankenkassen ihre Leistungen zum Individuellen Ansatz ausgebaut: Der Schwerpunkt liegt dabei - wie in den Jahren zuvor - auf Angeboten zur Bewegung. In 2005 griffen sie erstmals häufiger Kurse zur "Stressreduktion/Entspannung" auf als zu ernährungsspezifischen Themen. Wie auch in den Vorjahren griffen vorzugsweise Frauen und Versicherte im Alter zwischen 30 und 60 Jahren individuelle Kursangebote auf. Diese werden nach wie vor nur unterproportional von Männern sowie von jüngeren und älteren Versicherten genutzt. Rund 606 000 Arbeitnehmer nahmen 2005 an Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung teil, die die Kassen zusammen mit Unternehmen durchführten. Dabei ging es schwerpunktmäßig darum, körperliche Belastungen zu vermeiden oder zu reduzieren. Wichtige Aspekte waren auch gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung, Stressmanagement und Interventionen, die psychosoziale Aspekte ansprechen. Wie schon in den Vorjahren waren Unternehmen aus dem "verarbeitenden Gewerbe" mit 45 Prozent besonders häufig vertreten.

Gesunde Schule - Beispiel für einen Setting-Ansatz

"Gesunde Schule" heißt ein Pilotprojekt im Land Brandenburg, das parallel zum Bundesprojekt "gesund leben lernen" initiiert wurde. Es ist darauf ausgerichtet, sozial bedingte Ungleichheiten zu vermindern und findet an zwei Förder- und einer Gesamtschule statt. Steuerkreise sind ins Leben gerufen worden, in die Lehrer, Eltern, Schüler und Sozialarbeiter eingebunden sind. Nach Aufnahme des Ist-Zustandes wurden Ziele für Verbesserungsmaßnahmen formuliert. Schwerpunktthemen sind vornehmlich Ernährung und Bewegung, dann Stressreduktion und Entspannung und der Umgang mit Konfliktsituationen. Die Schulen schafften beispielsweise neue Sportgeräte an, die Pausenhöfe wurden bewegungsfreundlicher gestaltet und zusätzliche Sportangebote gibt es nun in Pausen und in der Freizeit. Trendsportarten richten sich besonders an Bewegungsmuffel, Wandertage und Crossläufe an alle Interessierten. Eine Förderschule führte dauerhaft ein gesundes Frühstück von Schülern für Schüler ein. Entspannung und Stressbewältigung bei Schülern sind Gegenstand von Lehrerfortbildung. Für Schüler wurde ein Raum der Stille als Rückzugsmöglichkeit eingerichtet. Sozialarbeiter geben Schulungen zur gewaltfreien Konfliktbewältigung. Mittels eines Selbstfindungstrainings können Schüler selbst die ersten Streits schlichten. Es erfolgen Maßnahmen zum Impfschutz und zur Zahngesundheit. Gesundheitsorientierte Themen sind Gegenstand vieler Unterrichtsfächer und Projektwochen.



Mehr zum Thema


Anzeige