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16.12.07 / 00:11
Heft 24/2007 Politik
Zahnmedizin im Sanitätsdienst der Bundeswehr

Gesundheit schützen, erhalten und wiederherstellen

Auch wenn der Auslandseinsatz deutscher Soldaten von Politikern kontrovers diskutiert wird: Für den zahnmedizinischen Sanitätsdienst der Bundeswehr ist er seit Jahren fester Bestandteil des beruflichen Alltags. Allerdings erfordert der Einsatz auf See und in fremden Ländern – neben der Betreuung der Soldaten in Deutschland – immer wieder organisatorische und logistische Höchstleistungen. Trotz Parallelitäten und enger Anbindung an die zivile zahnärztliche Welt hat der Sanitätsdienst damit ein besonderes Aufgabenspektrum. Ein Besuch beim Sanitätsdienst der Bundeswehr im Marinestützpunkt Wilhelmshaven bot Einblick in diesen zahnärztlichen „Mikrokosmos“ eigener Art.




Es gibt sie zuhauf, die Ansätze, um die Kammern und KZVen den Alltagsbetrieb des zahnärztlichen Sanitätsdienstes der Bundeswehr durchaus beneiden könnten: Zwar erfordert auch die medizinische Betreuung der rund 251 000 deutschen Soldaten die Ausrichtung nach den Geboten der Wirtschaftlichkeit. Aber die Maxime, jedem Soldaten bei Erkrankung, Unfall oder Verwundung – egal, in welchem Teil der Welt er sich befindet – die medizinische Versorgung zuteil werden zu lassen, „die im Ergebnis dem fachlichen Standard in Deutschland entspricht“, birgt natürlich auch Chancen, die in der zivilen, immer mehr vom restriktiven Sparzwang bestimmten Versorgung oft genug an unwillkommene Grenzen stoßen.

Admiralarzt Dr. Wolfgang Barth, Inspizient Zahnmedizin in der Bundeswehr, hat dafür eine eigentlich auf der Hand liegende Erklärung: „Die Einsatzfähigkeit, somit auch die medizinische Betreuung für eine optimale Gesundheit der Soldaten in Luftwaffe, Heer, Marine, Streitkräftebasis und Sanitätsdienst ist erstes Ziel – zuhause wie auch auf internationaler Ebene. Prävention hat deshalb bei uns eine ganz besondere Bedeutung.“ Klar definierter Auftrag ist es, „die Gesundheit der Soldaten der Bundeswehr zu schützen, zu erhalten und wiederherzustellen“. Kernaufgabe ist die sanitätsdienstliche Versorgung der Soldaten im Einsatz. Aufgrund dieser Maßgabe habe der Sanitätsdienst der Bundeswehr einen Standard erreicht, so Barth, „wie ihn keine Armee der Welt hat“. Die Bundeswehr verfüge über den besten und effektivsten Sanitätsdienst, „zumindest im Einsatz“. Gerade in dieser Frage hat sich für die deutschen Streitkräfte in den letzten 15 Jahren wegen der internationalen Entwicklung und des damit verbundenen Wandels der Bundeswehr Grundlegendes getan: „Subsidiär zu leistende Aufgaben, wie die internationale Konfliktvermeidung und Risikobewältigung einschließlich internationaler Terrorismusbekämpfung, aber auch die Unterstützung der Bündnispartner, der Schutz Deutschlands und seiner Bevölkerung, die Rettung und Evakuierung von Deutschen im Ausland wie auch Hilfeleistungen bei Katastrophen und Unglücksfällen, gehören zum Aufgabenspektrum der Bundeswehr“, umschreibt Barth, ranghöchster Zahnarzt der Bundeswehr, das bis heute wachsende Tätigkeitsfeld der Soldaten.

Das bedingt für die zurzeit rund 19 000 Beschäftigten im Sanitätsdienst neben der Aufrechterhaltung des Grundbetriebs in Deutschland eine entsprechende Logistik, um die nötigen Mittel vorzuhalten, die zur Vorbereitung und Begleitung von Auslandseinsätzen erforderlich sind. Es bedeutet selbstverständlich, dass an Bord von Schiffen, aber auch an den jeweiligen Stützpunkten vor Ort, Zahnärzte, Chirurgen und Anästhesisten, geeignete Gerätschaften und medizinisches Material zur Verfügung stehen müssen – und das nicht gerade in kleinen Dimensionen. Die Flexibilität und Schnelligkeit, mit der der Sanitätsdienst für Auslandseinsätze zur Verfügung stehen muss, bleibt aber auch für die heimatliche Versorgung der Soldaten nicht ohne Konsequenzen. Flottenarzt Dr. Dirk Möllmann, Leiter des 135 Mitarbeiter starken Fachsanitätszentrums der Bundeswehr in Wilhelmshaven, nimmt dieses Handikap für die Arbeit zuhause als Herausforderung: „Angesichts der zunehmenden Aufgaben müssen wir eben mit einer Braut auf mehreren Hochzeiten tanzen. Beim Einsatz nach der Tsunami-Katastrophe in 2004 waren sechs Tage später alle unterwegs – mit entsprechenden Folgen für unsere eigentliche Arbeit.“ Der Koordinationsbedarf im Sanitätsdienst ist entsprechend groß.

Eine zahn-/ärztliche Karriere als Berufssoldat

Insgesamt arbeiten in der Bundeswehr zurzeit 3 150 Sanitätsoffiziere, davon 2 400 als Ärzte, 430 als Zahnärzte, 240 als Apotheker und 80 als Veterinäre. In der Zahnmedizin selbst stehen weitere 800 Kräfte als Assistenten zur Verfügung.

Und die Bundeswehr bildet in diesem Bereich auch aus: Rund 330 Azubis erlernen im zahnmedizinischen Sanitätssektor ihren Beruf. Es ist unverkennbar eine Welt, die den Vergleich mit dem zivilen Heilberuflern in der Tat nicht scheuen muss.

Und all das – trotz vielleicht denkbarer Klischees – auch in anderer Hinsicht nicht: Der Sanitätsdienst der Bundeswehr ist schon lange keine „Männerwelt“ mehr. Barth: „65 Prozent unserer Stabsärzte sind Frauen.“ Insgesamt liegt der Anteil des weiblichen Personals bei 50 Prozent. Eine Situation, die schon heute die Strukturen aufweist, die auf die private Zahnärzteschaft in den nächsten Jahren erst noch zukommen wird. Das sind Erfahrungen, die die Versorgungsstruktur der Bundeswehr der zivilen Welt voraus hat. Die Motive, die einen angehenden Zahn-/Mediziner zu einer beruflichen Laufbahn in der Bundeswehr bringen, sind dabei durchaus nachvollziehbar. Die Risiken, hohe Investitionen für die private Selbständigkeit als Zahnarzt durchzuführen, noch dazu in einem nicht gerade durch gesundheitspolitische Sicherheit geprägten System, werden in die Waagschale zu dem auf andere Art gesicherten Einstieg in den zahn-/ärztlichen Beruf via Bundeswehrlaufbahn gelegt und vielfach für gut befunden.

Denn die Perspektiven sind klar umrissen: Zuerst werden die obligatorischen drei Monate militärische Grundausbildung als Soldat absolviert, dann beginnt das ordentliche Studium an einer zivilen Universität. Nach Abschluss geht es zurück in den Sanitätsdienst. Es folgt eine sechsmonatige Grundeinweisung in eine größere Zahnarztgruppe, danach arbeitet man 24 Monate als Truppenzahnarzt.

Der weitere Einsatz richtet sich, so Barth, „nach Eignung und Leistung“. Nur drei Zahnärzte pro Jahr, also etwa zehn Prozent der auf Zeit angestellten Zahnmediziner, werden als Berufssoldaten übernommen. Die weit überwiegende Zahl geht somit nach Ableistung der Dienstzeit zurück in den zivilen Bereich. Und hier liegt, so der Admiralarzt, auch einer der Gründe für die seit Jahren praktizierte gute Zusammenarbeit zwischen dem zahnärztlichen Sanitätsdienst und den Zahnärztekammern: „Neben unserer Mitarbeit in Ausschüssen, zum Beispiel im Bereich Röntgen, Praxis- und Qualitätsmanagement und anderem mehr, dient die Zusammenarbeit natürlich auch der Vorbereitung unserer Zahnärzte auf eine spätere private Tätigkeit.“

Die Bundeswehr verfügt derzeit über 138 Zahnarztgruppen, 39 Zahnarzttrupps sowie sechs zahnärztliche Behandlungseinrichtungen in den Bundeswehrkrankenhäusern und den Instituten von Marine und Luftwaffe mit insgesamt etwa 390 Behandlungsplätzen. Die Behandlungsspektren im Rahmen der für die Soldaten übrigens unentgeltlich erfolgenden truppenärztlichen Versorgung umfassen zahnärztliche Prävention, die systematische Behandlung von Parodontopathien, zahnärztlich-chirurgische, konservierende sowie prothetische Behandlungen, Funktionsanalyse und -therapie, KFO, Implantologie und auch chirurgische Dysgnathiebehandlungen.

Ein Feld, das dem in der zivilen zahnärztlichen Welt weitestgehend gleich kommt.

Qualität wird ganz groß geschrieben

Aber es gibt darüber hinaus auch noch andere Querverbindungen zur zivilen Zahnarztwelt: Obwohl der Sanitätsdienst der Bundeswehr fast alle Leistungsbereiche der zahnmedizinischen Betreuung der Soldaten übernimmt, gab es im Jahr 2006 rund 45000 Überweisungen in die zivile Versorgung. Beispiele hierfür sind notwendige KFO-Behandlungen oder auch kapazitätsbezogene Überweisungen.

Anders sieht es hingegen im Bereich Implantologie aus: Hier wird laut Auskunft von Barth nicht in den privaten Bereich überwiesen. Allerdings sei die Vorgehensweise in diesem besonderen Bereich nach wie vor verhältnismäßig rigide: Durften früher ausschließlich Oralchirurgen der Bundeswehr implantieren, wird diese Therapieform heute zwar auch von Sanitätsoffizieren durchgeführt, bleibt aber bisher auf diese Gruppe beschränkt. Das ist eine durchaus besondere Art des Umgangs mit Implantatversorgungen. Die sorgfältige Vorgehensweise vermittelt allerdings auch die Vorstellung einer eigenen Form von Qualitätsmanagement im zahnmedizinischen Sektor, der jährlich insgesamt rund 604 000 Patientenkontakte aufweist. Der zahnärztliche Sanitätsdienst hat übrigens ein eigenes QMHandbuch und ein internes zahnärztliches QM-System (auf Basis einer Auditcheckliste) entwickelt. In QM geschult werden die Zahnärzte der Bundeswehr über Lehrgänge nach Curriculum der Bayerischen Ärztekammer und in regionalen Sanitätseinrichtungen.

Rigide ist auch der Umgang in Sachen Dokumentation. „Bei bis zu 40 Jahren Betreuung eines Soldaten muss im Bereich der schon zur Musterung angelegten Patientenkarten ein entsprechender Aufwand betrieben werden“, erklärt Admiralarzt Barth. Bis zu 30 Jahre nach Entlassung werden die Akten der Soldaten im Institut für Wehrmedizinalstatistik in Andernach aufbewahrt. Qualitätssicherung ist im Sanitätsdienst Maxime für den gesamten Bereich der zahnärztlichen Fortbildung: Grundlage dafür ist ein eigenes System, das 150 Fortbildungspunkte in drei Jahren abfordert. Das Angebot umfasst in Eigenregie durchgeführte Fortbildungen in Form interner fachlicher Lehrgänge – zum Beispiel in Prävention, Parodontologie sowie Funktionsanalyse und -therapie (beide in Verbindung mit regionalen Landeszahnärztekammern oder Fachgesellschaften), in Notfallmedizin, zahnärztlicher Chirurgie, Qualitätsmanagement, aber auch im Bereich zahnärztlicher Identifizierung, oder künftig zum Thema Endodontologie. „Wir arbeiten hier im Verbund mit Landeszahnärztekammern“, ergänzt Barth das Procedere in dem den Zahnärzten zur Verfügung gestellten Fortbildungsangebot.

Im Gegensatz zum zivilen Bereich müssen die Zahnmediziner der Bundeswehr auch die für ihre Aufgabe typischen Bereiche abdecken. Dazu zählt die einsatzvorbereitende Ausbildung und die spezifisch sanitätsdienstliche Ausbildung genauso wie die Ausbildung der Zahnärzte in Notfallmedizin und zahnärztlicher Chirurgie. Oralchirurgen erhalten darüber hinaus für vier Wochen im Jahr zusätzliche Fortbildungen in den Bereichen Notfallmedizin und Traumatologie.

Alles das sind Maßnahmen, die für die Herausforderungen im Einsatz unerlässlich sind. Zum Beispiel für das Fachgebiet der zahnärztlichen Identifikation: Nach der Tsunami-Katastrophe in Südasien im Dezember 2004 waren innerhalb kurzer Frist 15 Sanitätsoffiziere vor Ort, um die erforderliche Facharbeit zu leisten (die zm berichteten).

Aber das ist nur ein Einsatzbereich des Sanitätsdienstes im Ausland. Die Liste der seit 1960 vollzogenen Maßnahmen ist lang und umfasst Einsätze in Ländern wie Marokko, Türkei, Italien, Iran, Kambodscha, Somalia, Georgien, dem früheren Jugoslawien, Mosambik, Kuwait, Djibouti, Afghanistan, dem Sudan, Indonesien, dem Libanon oder im Kongo.

Zurzeit sind laut Bundeswehr 7 500 deutsche Soldaten an unterschiedlichen Orten in unterschiedlichen militärischen Verbünden (KFOR, UNOMIG, UNIFIL, UNMIS, UNMEE und ISAF) im internationalen Einsatz. Und mit ihnen Ärzte und Zahnärzte der Bundeswehr (insgesamt 618 Angehörige des Sanitätsdienstes). Ob im Marine-Einsatz Rettungszentrum (MERZ) der UNIFIL, an Bord von Fregatten oder in einem auf der Welt einzigartigen Flugzeug, das übrigens die intensiv-pflichtige Behandlung von gleichzeitig bis zu acht Personen erlaubt, ob in mobil-modularen luftverlegbaren oder containerbasierten Sanitätseinrichtungen oder – bei über zwölfmonatigen Einsätzen – in festen Gebäuden: Der Sanitätsdienst, auch der der Zahnärzte, ist genau für diese Art der medizinischen Versorgung gerüstet.

Im zahnmedizinischen Bereich reicht das von rein druckluftbetriebenen Dentaleinheiten für den Einsatz im Feld über mobile Behandlungseinrichtungen bis zur kompletten Praxiseinrichtung im zahnärztlichen Behandlungscontainer oder in komplett ausgestatteten Zahntechnik/Röntgen-Containern, die auf Schiffen stationiert oder in die Einsatzgebiete transportiert werden können.

Verständlich ist, dass für die zum Teil schwierigen Bedingungen vor Ort in der Regel nicht auf handelsübliches Gerät zurückgegriffen werden kann: Schiffsvibrationen und Seegang, eine zwecks erforderlicher Mobilität platzsparende Verstauung, oftmals schwierige hygienische Verhältnisse vor Ort und eine vielfach schwierige Nachschubsituation erfordern eine spezialisierte Ausrüstung, die zum Teil in Absprache mit Herstellern, zum Teil durch Anpassung an die Gegebenheiten modifiziert wurde.

Eine wichtige Aufgabe: winning hearts and minds

Diese schwierigen Ausgangsbedingungen kennt Oberfeldarzt Dr. Andrea Gottlieb, Leiterin der Zahnarztgruppe Husum, aus eigener Erfahrung. Die Zahnärztin hat bisher drei Auslandseinsätze erlebt – im Kosovo und in Afghanistan. Sie weiß, dass das, was vor Ort an Anforderungen besteht, mit der Arbeit in einer Zahnarztpraxis Westeuropas nicht viel zu tun hat. Und das nicht nur in Sachen Ausstattung, sondern ebenso bei den Arbeitsbedingungen im Einsatz: „Wir müssen mit einer hohen Fluktuation unserer Helfer zurecht kommen. Die Soldaten sind nicht über den gesamten Einsatz da, wir arbeiten also nicht als eingespielte Teams. Da muss manchmal auch jeder Arbeitsschritt angesagt werden.“

Auf Grund der langen Lieferzeiten von Materialien ist Flexibilität, gute Vorratshaltung und oft eine besondere Art von Kreativität gefragt: „Da werden auch schon mal Wattekugeln selbst gerollt.“ Vor Ort sind Gottliebs Patienten nicht nur deutsche Soldaten und Angehörige anderer Bundesressorts, sondern auch Soldaten verbündeter Streitkräfte sowie, im Rahmen humanitärer Hilfe, auch Menschen aus der örtlichen Bevölkerung. Gerade diese Behandlung von Patienten aus der Bevölkerung trägt dazu bei, dass die schwierige Aufgabe der Bundeswehr dort besser akzeptiert wird. „Insofern kommt es durchaus zur Zusammenarbeit zwischen Militärs und der Zivilbevölkerung, beispielsweise in Form von Aufklärung zur Mundhygiene oder auch in Form von Weitergabe nicht mehr für eigene Zwecke benötigten Materials.“

Es ist die humanitäre Hilfe, die sicherlich zur guten Akzeptanz der Bundeswehr im Auslandseinsatz beiträgt. Nicht zuletzt dieses bekannte „winning hearts and minds“ macht die Arbeit des Sanitätsdienstes der Bundeswehr im internationalen Gefüge so bedeutend.

Und die Hilfe bewahrt Leben: Zum Beispiel durch die im Jahr 2006 mögliche Rettung von zwölf Schiffbrüchigen eines brennenden syrischen Handelsschiffes oder die Abwehr von Piraterie vor der Ostküste Afrikas, zum Beispiel durch die Behandlung von Patienten, die in den Folgewochen nach der Tsunami-Katastrophe erkrankten. Die im Rahmen von Auslandseinsätzen kolportierten Ereignisse sind nur Ausschnitte der tatsächlichen Leistungen, die ein Bild vom Einsatz der Bundeswehr ergeben. In der politischen Diskussion findet es kaum Erwähnung.

Letztlich sind es aber – so deutlich sind die Aussagen der von Auslandseinsätzen berichtenden Ärzte und Zahnärzte – gerade diese persönlichen Erfahrungen, das Gefühl, als Arzt in schwierigen Situationen helfen zu können, in Extremsituationen Leiden mindern und Leben retten zu können, die verständlich machen, warum ausgebildete Ärzte es in Kauf nehmen, sich in regelmäßigen Abständen beim Einsatz in Krisengebieten zu engagieren.

INFO

Harte Arbeit, keine Kreuzfahrt

Ein Besuch auf der Fregatte Karlsruhe. Von Land geht es auf das Achterdeck des Schiffes, das normalerweise rund 220 Soldaten an Bord hat, zurzeit aber am Pier seines Heimathafens in Wilhelmshaven liegt.

Begrüßung auf dem Achterdeck, obligatorischer Blick zur Bundesflagge, dann ein erstes Willkommen in der Offiziersmesse: Auf Einladung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr erhalten die Vorstandsmitglieder der Bundeszahnärztekammer Gelegenheit, sich eine Vorstellung über die Arbeit der Mediziner und Zahnmediziner in der Bundeswehr, auch unter den ungewöhnlichen Bedingungen des Einsatzes auf See oder im Ausland, machen zu können.

Das 130 Meter lange, unter Vollausrüstung 3 600 Tonnen schwere Schiff des Typs F-122, dessen Schwesterschiff „Augsburg“ einen Tag vorher den Hafen für einen Einsatz am Horn von Afrika verlassen hat, verfügt nicht nur über die Logistik und Ausrüstung für die vielfältigen militärischen Aufgaben des internationalen Einsatzes, sondern selbstverständlich ebenso über die notwendigen Geräte und Materialien für die medizinische und zahnmedizinische Betreuung der Soldaten an Bord.

Eingestellt ist man auf die Schmerz- und Notfallbehandlung, auf Sofortmaßnahmen und kurzfristiges Behandeln. Vorbereitet und oralgesund gehen die Soldaten, vor dem Einsatz betreut in ihren jeweiligen Fachsanitätszentren, in den Auslandseinsatz.

Oberste Maxime für die beengten Platzverhältnisse an Bord ist, dass Material, Instrumente und die Behandlungseinheit, eine speziell für die Situation an Bord entwickelte, modifizierte Geräteeinheit, den Bedürfnissen der extremen Alltagslage auf hoher See und den unzureichenden Verhältnissen in Krisen- und Katastrophengebieten angepasst sind. Ausschlaggebend für das Geschehen an Bord und vor Ort im Ausland sind deutsche Gesetze und Verordnungen, ganz egal, ob in Sachen Umweltschutz bezüglich Abfallent- und Trinkwasserversorgung oder im Bereich der medizinischen und zahnmedizinischen Versorgung. Dennoch sind gerade die Verhältnisse an Bord, so erläutert Flotillen-Arzt Dr. Stephan Mohr bei Vorstellung der zahnmedizinischen Ausstattung auf der Fregatte, nicht leicht zu bewerkstelligen: „Heute arbeiten wir mit handelsüblichen Geräten, die allerdings auf unsere Bedürfnisse adaptiert sind.“ Zum Beispiel werden andere Winkelstücke eingesetzt. Wichtig ist auch die Transportlogistik: Die Behandlungseinheit Amadeus 1070 ist beispielsweise inklusive Instrumenten und Verbrauchsmaterial in drei Tageskisten unterzubringen. „Für Schiffsverhältnisse ist das viel Aufwand, das Gewicht von etwa 300 Kilogramm ist schiffstechnisch durchaus problemrelevant.“

Im Behandlungsraum an Bord des gefechtstauglichen Schiffes herrscht außerdem eine Enge, die – noch dazu verbunden mit Seegang und Schiffsvibrationen – ganz andere Arbeitsvoraussetzungen schafft als an Land. Schiffsärzte erhalten deshalb auch ein speziell auf die an Bord abgestimmten Voraussetzungen abgestelltes Training, damit sie zahnärztliche Notfälle oder Schmerzbehandlungen vornehmen können. Die Arbeitsgrundlagen werden übrigens fortlaufend verbessert. Mohr: „Die ständige Anpassung des Materials an die Bedürfnisse ist für uns Pflicht.“

Die Mitglieder des BZÄK-Vorstandes konnten als fachkundige Gäste die kommentierende Bemerkung von Admiralarzt Barth nachvollziehen: „Dieses ist keine Kreuzfahrt, sondern eine hohe Belastung.“ Die Replik des BZÄK-Präsident Dr. Jürgen Weitkamp: „Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen und der Aufgaben innerhalb Deutschlands ist es wichtig, dass sich der Bereich der Zahnmedizin im Sanitätsdienst der Bundeswehr als eigenständige Institution behauptet.“



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