sg
16.06.09 / 00:15
Heft 12/2009 Praxis
Praxisgestaltung mit einfachen Mitteln

Gezielter Eingriff

Welcher Zahnarzt denkt nicht öfter darüber nach, wie er seine Praxisräume angenehmer und freundlicher gestalten könnte. Viele der Ideen scheitern jedoch an den oftmals hohen Kosten für einen Umbau. Dabei gibt es auch zahlreiche einfache Möglichkeiten wie eine harmonische Farbgestaltung, eine intelligente Beleuchtung oder Kunstwerke an den Wänden.




Oder der Zahnarzt entschließt sich dazu, ein Aquarium in seiner Praxis aufzustellen. Gezielt eingesetzt werten solche Details das Praxisambiente ohne großen Kostenaufwand deutlich auf. Und das schon auf den ersten Blick.

Eine gute fachliche Qualifikation und eine zeitgemäße medizinische Ausstattung setzen die meisten Patienten inzwischen als selbstverständlich bei ihrem Zahnarzt voraus. Darüber hinaus möchten sie aber auch ein positives „Wohlfühl-Ambiente“ vorfinden, das ihnen ihre häufig vorhandene Angst oder Aufregung vor der Behandlung nimmt. Um eine solche angenehme Atmosphäre in seinen Räumlichkeiten zu schaffen, braucht der Zahnarzt nicht gleich an einen aufwändigen Praxisumbau oder eine teure neue Möblierung zu denken. Auch mit vergleichsweise einfachen und kostengünstigen Mitteln und Umgestaltungen lässt sich in den meisten Fällen viel erreichen.

Farbe und Licht im Zusammenspiel

Wer einmal darauf achtet, warum er sich in manchen Räumen wohl fühlt und in anderen nicht, der stellt fest, dass es häufig am Einsatz von Farbe und Licht liegt. Denn beide Faktoren wirken unmittelbar auf unser Unterbewusstsein und haben daher großen Einfluss auf unsere Stimmung und unser Wohlbefinden. Und so ist es kaum verwunderlich, dass sich der Eindruck von Räumen durch das Zusammenspiel von Farbe und Licht ganz gezielt lenken und verändern lässt. Doch aufgepasst: Was im Wartebereich richtig sein kann, das muss nicht zwangsläufig auch für den Empfangsbereich und schon gar nicht für die Behandlungszimmer gelten. Um ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Praxis zu entwickeln, muss daher die Funktion der jeweiligen Räume berücksichtigt werden.

Grundsätzlich gilt, dass der Einsatz von Farbe und Licht geplant werden soll. Denn nur so lassen sie sich optimal ergänzen und können gezielt in den jeweiligen Räumen der Praxis eingesetzt werden. Eine große Rolle spielt dabei zunächst die Unterscheidung in warme Farben wie Rot, Orange oder Gelb und kalte Farben wie Weiß oder Blau. Grün und Violett können beide Eigenschaften haben: Bei einem hohen Blauanteil wirken beide eher kühl, bei geringerem Blauanteil können sie aber auch einen warmen Eindruck verbreiten.

Um die Raumfarben optimal zur Geltung zu bringen, muss parallel dazu die so genannte „Lichtfarbe“ der eingesetzten Leuchten beachtet werden. Denn die Lichtfarbe sorgt nicht nur dafür, dass wir Räume als angenehm oder als unangenehm erleben, sondern beeinflusst auch unsere Wahrnehmung von Farben. Warme Farben verlangen zum Beispiel eher warmes Licht, um sich in ihrer Wirkung entfalten zu können. Bei weißen Wänden kann warmes Licht von Glühlampen dagegen schnell dazu führen, dass die Wände leicht vergilbt und daher wenig frisch wirken. Leuchtstoffröhren verbreiten dagegen ein eher kaltes, bläuliches Licht. Rot-Töne werden auf diese Weise in Richtung Violett verändert, Gelb-Töne verlieren ihre Brillanz und wirken leicht grünlich.

Ähnlich wie warme Farben hat auch warmes Licht eine völlig andere Wirkung als kaltes Licht: Warmes Licht mit einem Wert unter 3 000 Kelvin wirkt eher entspannend und ausgleichend, während eine neutralweiße oder tageslichtweiße Beleuchtung über 4 500 Kelvin eher die Leistungsbereitschaft und Konzentration fördert. Ganz allgemein gilt: Je mehr Licht dabei vorhanden ist, desto länger bleibt die Konzentration erhalten und desto weniger Fehler werden gemacht, was natürlich insbesondere in den Behandlungsräumen von Bedeutung ist. Und das hat vor allem biologische Ursachen: Denn in wissenschaftlichen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass ab einem Wert von etwa 2 500 Lux die Bildung des Schlafhormons Melatonin unterdrückt wird, so dass der Körper also weniger schnell ermüdet.

Neben diesen direkten psychologischen und physiologischen Faktoren hat Licht auch einen entscheidenden Einfluss auf unser Raumgefühl. Für kleine Zimmer sind helle Farben für Decken und Wände die richtige Wahl, denn sie lassen einen Raum größer erscheinen, als er tatsächlich ist. Große, luftige Räume vertragen hingegen auch kräftige Volltonfarben. Hier ist es durchaus möglich, eine einzelne Wand in intensivem Grün zu gestalten. Bei niedrigen Räumen ist es andererseits sinnvoll, wenn die Decken heller als die Wände sind, um den Raum nach oben zu öffnen. Als Beleuchtungslösungen eignen sich in diesem Fall insbesondere Deckenfluter oder Wandleuchten, die ihr Licht auf den oberen Bereich einer Wand strahlen und den Raum so optisch höher wirken lassen.

Darüber hinaus ist bei der Raumgestaltung mit Farbe und Licht auf die Verwendung von Hell-Dunkel-Kontrasten zu achten. Denn gleichmäßig ausgeleuchtete Räume wirken schnell langweilig und ungemütlich. Optimal ist es dagegen, wenn unterschiedliche „Seh-Ebenen“ mit Helligkeitskontrasten, schattigeren Bereichen und indirekt reflektiertem Licht vorhanden sind. So lassen sich unterschiedliche Zonierungen schaffen und der Raum erhält mehr Tiefe. Dies hat zur Folge, dass dann die Orientierung leichter fällt und die Patienten sich deutlich wohler fühlen.

Wie die Praxis für Patienten einladend wirkt

Im Eingangs- und Empfangsbereich ist es wichtig, die Patienten zunächst willkommen zu heißen. Dazu bieten sich in erster Linie freundliche und heitere Farbtöne an. Ideal sind zum Beispiel die Farben Grün, Gelb oder auch Orange: Grün verbindet uns bewusst oder unbewusst mit der Natur und hat dementsprechend eine beruhigende und entspannende, aber auch angenehm belebende Wirkung. Gelb wirkt auf die meisten Menschen hell, offen, warm und heiter und steigert damit ihre Motivation und Konzentrationsfähigkeit. Und Orange strahlt dezent eingesetzt Energie, Wärme, Lebendigkeit, Freundlichkeit, Optimismus und Offenheit aus. Als neutraler Gegenpol zu farbigen Flächen ist Weiß geeignet. Blau schafft andererseits eine eher kalte Raumatmosphäre und sollte daher ganz gezielt durch warme Töne kontrastiert werden. Weniger empfehlenswert für Zahnarztpraxen ist dagegen die Farbe Rot, die insbesondere bei ängstlichen Patienten und bei gestressten Mitarbeitern zu Nervosität oder sogar zu Aggressionen führen kann.

Betonen lässt sich die angenehme Atmosphäre durch eine freundliche und offene Beleuchtungslösung, die Vertrauen schafft und Berührungsängste nimmt. Ideal im Empfangsbereich ist zum Beispiel eine stufenlos dimmbare und nicht blendende Lichtdecke, mit der sich je nach Bedarf unterschiedliche Helligkeiten erzeugen lassen – je nachdem, ob die Beleuchtung gerade für die Bildschirmarbeit benötigt wird oder ob gerade ein Patientengespräch stattfindet. Alternativ eignet sich auch eine Kombination aus funktionalen Deckeneinbauleuchten und einzelnen Leuchten als Akzent- oder Arbeitsbeleuchtung. Je nach Persönlichkeit, sonstiger Gestaltung und individuellem Budget sind dabei die unterschiedlichsten Lösungen möglich – von der stilgerechten Bauhauslampe bis hin zur optimal ausgerichteten Theaterleuchte.

Als weitere Details zur optischen und funktionalen Aufwertung des Eingangsbereiches bieten sich Garderoben oder Spiegel an. Letztere sorgen dafür, dass der Raum größer und luftiger erscheint. Darüber hinaus bieten Spiegel dem Patienten die Möglichkeit, sich vor der Behandlung noch einmal kurz zu betrachten, was psychologisch in den meisten Fällen eine entspannende Wirkung hat.

Behaglichkeit durch Farbe und Licht im Wartebereich

Im Wartebereich kommt es darauf an, dem Patienten die Zeit bis zur Behandlung so angenehm wie möglich zu gestalten. Neben einem guten Sortiment an Zeitschriften und Illustrierten und bequemen Sesseln können dabei auch Farbe und Licht einen wichtigen Beitrag leisten, um eine positive Atmosphäre zu schaffen. Ideal sind hier zum Beispiel Braun- oder Beige-Töne, die sich harmonisch mit Grün oder Orange kombinieren lassen, um Akzente zu setzen und einen monotonen Eindruck zu vermeiden. Je wärmer die Farben der Wände gewählt werden, desto leichter ist es anschließend, diese zu verstärken und so eine positive Stimmung zu schaffen. Darüber hinaus empfiehlt sich eine ausgleichende, warme und beruhigende Atmosphäre mit warmem und blendfreiem Licht. Ideal ist unaufdringliches indirektes Licht, das über die Wände reflektiert wird. Es kann akzentuierend eingesetzt werden oder vollständig die Allgemeinbeleuchtung übernehmen. Alternativ oder zusätzlich können auch farbige Tapeten oder Vorhänge gewählt werden. Als Ergänzung eignen sich dekorative Tischleuchten, die den Patienten ein direktes Licht zum Lesen bieten. Werden Stehleuchten zum Lesen verwendet, empfiehlt es sich, einen zu starken Kontrast zwischen Lese- und Raumlicht zu vermeiden.

Betonen lässt sich die angenehme und bewusst Angst abbauende Atmosphäre im Wartezimmer durch ruhige Musik. Ähnlich gut geeignet zur Entspannung und zur Ablenkung vor der Behandlung ist der Einsatz von Aromen, die gleichzeitig dazu beitragen, dem typischen und bei den meisten Patienten negativ besetzten Praxisgeruch entgegen zu wirken. Besonders gut einsetzbar ist aufgrund seiner beruhigenden Wirkung Orangenöl. Daneben sind aber auch Lavendel, Melisse, Vanille, Zitrus, Bergamotte, Rosmarin, Kamille oder Ylang Ylang prinzipiell zur Verwendung in Zahnarztpraxen geeignet. Alle diese unterschiedlichen Düfte wirken tendenziell ausgleichend und beruhigend und können daher bereits im Empfangsbereich zur Entspannung beitragen. Doch Vorsicht: In höheren Dosen können ätherische Öle sogar toxisch wirken. Sie sollten daher auf keinen Fall mit den Schleimhäuten in Kontakt kommen. Und bei empfindlichen Patienten können ätherische Öle gelegentlich auch Allergien auslösen.

Im Behandlungsbereich steht anders als im Empfangs- und Wartebereich zunächst eine funktionale Raumgestaltung im Vordergrund. Dennoch können auch hier ganz gezielt einige Farbakzente eingesetzt werden, um eine angenehme und freundliche Atmosphäre zu schaffen und gleichzeitig Ermüdungserscheinungen der Mitarbeiter vorzubeugen. Gut geeignet sind etwa helle und freundliche Grün- oder Gelb-Töne. Gewiss müssen bei der Beleuchtung ebenfalls vorrangig funktionale Aspekte beachtet werden, um eine optimale Arbeitsbeleuchtung zu erhalten. Beispielsweise durch kleinere Leuchten ist gleichwohl eine abwechslungsreiche Lichtgestaltung möglich.

Bilder und Kunstwerke zur Beruhigung

Neben Licht und Farbe gibt es weitere Strategien, die Praxis mit einfachen Mitteln umzugestalten. Ideal ist zum Beispiel der Einsatz von Kunstwerken. Wer Zeit, Lust und gewisse Grundkenntnisse hat, um geeignete Arbeiten und Künstler auszuwählen, für den können Wechselausstellungen eine interessante Möglichkeit sein, Hobby und Beruf sinnvoll zu ergänzen. Wer will, kann die Ausstellungen sogar durch offizielle Vernissagen eröffnen, die sich in Zusammenarbeit mit den jeweils ausgestellten Künstlern realisieren lassen. Eine andere gute Möglichkeit, um an geeignete Arbeiten heranzukommen, ist das Ausleihen von künstlerischen Arbeiten, die dann nach einer gewissen Zeit gegen andere Arbeiten ausgetauscht werden können. Als Anlaufstation dafür gibt es in den meisten größeren Städten Artotheken, die ähnlich wie Bibliotheken originale Werke bildender Kunst gegen eine geringe Gebühr für eine bestimmte Frist verleihen. Sind solche aufwändigen Wechselausstellungen organisatorisch nicht möglich oder ist das notwendige Know-how nicht vorhanden, dann kann der Zahnarzt zumindest darüber nachdenken, eine „feste Ausstellung“ mit interessanten Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Fotografien oder Objekten in seinen Räumlichkeiten zu etablieren. Oder er greift stattdessen auf hochwertige Drucke bekannter Künstler zurück, die ebenfalls relativ preisgünstig zu haben sind. Welcher Künstler ausgewählt wird, hängt in erster Linie vom eigenen Geschmack ab. Grundsätzlich gilt jedoch, dass die Arbeiten tendenziell einen eher heiteren und erbaulichen Charakter haben sollten. Wer sich hier in die Perspektive seiner Patienten versetzt, der wird sicher die richtige Wahl treffen. Darüber hinaus sollten die Arbeiten aber auch einigermaßen den Geschmack der Mitarbeiter treffen, die die Kunstwerke ja tagtäglich ansehen werden.

Als Ort für die Kunst sind letztlich sämtliche Räume der Praxis geeignet. Im Empfangsbereich können die Arbeiten einen markanten Blickfang schaffen, der auf den ersten Blick einen positiven Gesamteindruck vermittelt. Im Wartebereich können sie zur Erbauung beitragen und dabei helfen, den Patienten auf andere Gedanken zu bringen. In den Behandlungsräumen bietet es sich dagegen an, einzelne Kunstwerke direkt oberhalb der Patientenliege unter der Decke anzubringen. So können die Patienten sie während der Behandlung betrachten und als Ausgangspunkt für eine Phantasiereise nutzen.

Aquarien: Faszinierende Unterwasserwelt

Eine weitere Möglichkeit, um den Eingangsbereich oder das Wartezimmer der Praxis relativ kostengünstig aufzuwerten, ist das Aufstellen eines Aquariums. Ein schön eingerichtetes Becken ist nicht nur ein toller Blickfang, sondern kann auch für Ruhe und Entspannung sorgen. Hat der Zahnarzt keinerlei Erfahrung oder nur wenig Zeit, sich um die Fische zu kümmern, dann kann er zur Gestaltung, zur Auswahl von Fischen und Pflanzen sowie zur Pflege auf spezielle Aquaristik-Dienstleister zurückgreifen. Generell empfiehlt es sich, kein zu kleines Becken mit weniger als 80 Litern zu wählen, da diese schwieriger zu pflegen sind als größere Becken. Darüber hinaus muss der Zahnarzt entscheiden, ob er lieber ein Süßwasser- oder ein Salzwasseraquarium aufstellen möchte. Dabei gilt grundsätzlich, dass Salzwasseraquarien aufgrund der hohen Anforderungen an die Wasserqualität und den Salzgehalt nicht für Anfänger, sondern nur für erfahrene Aquarianer geeignet sind. Deutlich einfacher und nach eingehender Anleitung durch einen Zoofachhändler oder anhand von Fachliteratur prinzipiell auch für Anfänger geeignet sind Süßwasseraquarien. Doch auch hier empfiehlt es sich, beim ersten Besatz einen kundigen Aquarianer dabei zu haben und sich genau beraten zu lassen, welche Arten zusammen passen. Die Fische sollten immer erst eingesetzt werden, wenn das Becken bereits einige Tage in Betrieb ist und sich die Wasserqualität stabilisiert hat. Für Anfänger sind vor allem leicht zu haltende Arten wie Guppys, Zebrabärblinge oder Neons zu empfehlen. Wer dann noch daran denkt, die Fische einmal täglich zu füttern und regelmäßig den Filter zu reinigen, bei dem steht der lebendigen Unterwasserwelt nichts mehr im Wege. Insbesondere für Kinder kann der Besuch beim Zahnarzt dann zum spannenden Erlebnis werden.

Robert Uhde
Grenadierweg 39
26129 Oldenburg
robertuhde@aol.com



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