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16.02.03 / 00:07
Heft 04/2003 Zahnmedizin
Zum großen Gebissmodell und seinem Einsatz im Kindergarten

Großer Spielwert – kleiner Lehrwert

Das große Gebissmodell hat im Kindergarten einen hohen Spielwert. Um in diesem Alter den Kindern aber allein durch Zeigen am Modell die Zahnputzsystematik beizubringen, ist es – so betont die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH) – denkbar ungeeignet. Die Fähigkeiten zur Umsetzung sind noch nicht genügend ausgebildet.




„Zum Lehren und Lernen der Zahnputztechnik im Kindergarten ist das große Gebissmodell denkbar ungeeignet“, erklärt Dr. Andrea Thumeyer, die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege (LAGH) in Hessen. Kindergartenkinder könnten das Zähneputzen nicht durch Zeigen am Modell lernen, weil sich die dazu notwendigen Fähigkeiten in diesem Alter noch nicht entwickelt haben. Die LAGH rät deshalb: Ab in den Müll mit dem Demo-Gebiss.

Die Begründung der LAGH: Das Zeigen und Erklären des Zähneputzens am Modell entspricht der Lernebene älterer Kinder. Die Konzentration bei Kindergarten- und Vorschulkindern lässt rasch nach und die Kinder reagieren gelangweilt und unruhig. Aufgrund ihrer intellektuellen Entwicklung in dieser Altersstufe können sie das am Modell vorgeführte Zähneputzen noch nicht im eigenen Mund umsetzen. Diese Fähigkeit entwickelt sich erst im Schulalter, ab etwa acht Jahren. Den Jüngeren fehlt noch der Bezug zum eigenen Körper. Sie verstehen nur intellektuell das, was sie sehen, nämlich, wie man ein Gebissmodell putzt.

Learning by doing

Die LAGH empfiehlt deswegen beim Besuch des Patenschaftszahnarztes im Kindergarten die Methode des „Learning by doing“. Hier werden die für dieses Alter erfolgreichen Lernprinzipien berücksichtigt:

• Lernen durch Nachahmen der Bezugsperson

• Lernen durch Selbst-Tun

• Lernen durch Wiederholung: Fühlen der Zähne mit dem Finger, Trockenputzen mit der „Fingerzahnbürste“,

Trockenputzen im Stuhlkreis, Putzen mit der Kleingruppe im Waschraum.

Doch auf das große Demo-Gebiss muss man nicht verzichten. Es hat einen hohen Spielwert, weckt die Neugierde und das Interesse für Zähne. Es hilft, Berührungsängste abbauen. Beim Warten auf den Zahnarzt in der Praxis oder beim Warten auf die Zahnputzübungen im Gruppenraum des Kindergartens leistet es gute Dienste.

 



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