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01.10.10 / 00:10
Heft 19/2010 Politik
Zahnärztinnen in Hamburg

Großes Interesse an Kammer-Umfrage

Der Anteil der Frauen unter den Zahnärzten wird immer größer. Und damit treten die besonderen Umstände, unter denen sie ihren Beruf ausüben, immer mehr in den Blickpunkt der Standespolitik. Die Zahnärztekammer Hamburg hat auf Initiative ihrer Vorstandsreferentin für Zahnärztinnen, Dr. Anja Seltmann, eine Umfrage durchgeführt, mit der erste Daten über die Situation der Zahnärztinnen im Stadtstaat gesammelt wurden.




Mit einem Thema, das immer mehr in den Blickpunkt der beruflichen Standesvertretung tritt, befasste sich die ZÄK-Hamburg auf ihrer Wochend-Klausur in Warnemünde: der wachsende Anteil der Frauen unter den Zahnärzten. Die schon vor Monaten zur Vorstandsreferentin für Zahnärztinnen ernannte Hamburger Zahnärztin Dr. Anja Seltmann hatte eine schriftliche Umfrage initiiert, mit der erste Daten über die berufliche und private Situation der Zahnärztinnen in der Hansestadt gesammelt werden konnten. Mit einer Quote von 44 Prozent lag der Rücklauf der insgesamt 744 Fragebögen beachtlich hoch. Nicht zuletzt die vielen Bemerkungen auf den sorgfältig auszufüllenden Fragebögen zeigen, dass die Kammer hier ein Fass geöffnet hatte, das unter Überdruck stand. Viele Zahnärztinnen teilten schriftlich ihre Freude darüber mit, „dass endlich mal jemand Notiz von ihnen nimmt“.

Die strukturellen Merkmale der Zahnärztinnen vorab: Interessiert waren Frauen zwischen 24 und 68 Jahren. Unter ihnen arbeitet mit 26,2 Prozent ein relativ hoher Anteil als Angestellte. Dies dürfte ein Trend sein, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird. Mehr als ein Drittel der selbstständig tätigen Zahnärztinnen arbeitet in einer Einzelpraxis, 25,6 Prozent in einer Gemeinschaftspraxis und 13,1 Prozent in einer Praxisgemeinschaft. Bemerkenswert: ein nicht unbeträchtlicher Anteil (38 Prozent) der derzeit angestellt Tätigen plant die Selbstständigkeit.

Fragt man Zahnärztinnen nach ihren Tätigkeitsschwerpunkten, wird oft die Kinderzahnheilkunde als „Spitzenreiter“ vermutet. Weit gefehlt, jedenfalls in Hamburg: Die Befragten beschäftigen sich zwar mit Kindern (37 Prozent), aber eben auch mit Implantologie (39 Prozent), Pardodontologie (38 Prozent) und Endodontie (39 Prozent, Mehrfachnennungen waren möglich). Ästhetik mit 22 Prozent sowie Naturheilkunde und Funktionsdiagnostik mit jeweils elf Prozent fielen bei den Nennungen dagegen ab. Der Schwerpunkt Angstpatienten wurde gar nur von vier Prozent der Befragten angekreuzt, immerhin doppelt so viele Zahnärztinnen nannten Prophylaxe als Schwerpunkt.

Besser organisiert

Ein weitere Hypothese: „Frauen interessieren sich nicht für die Standespolitik“? Das Umfrage-Ergebnis bot hier keine Über- raschung. Nur fünf Prozent der Zahnärztinnen sind in der Berufspolitik aktiv. Die Absicht, sich zu engagieren, signalisieren 7,1 Prozent der Befragten, grundsätzliches Interesse an der Standespolitik bekunden sogar 61,5 Prozent. Hier ist noch gewaltiges Potential abrufbar. 16,3 Prozent der Zahnärztinnen sind übrigens bereits neben dem Beruf in Kirche, Schule und Fachverbänden engagiert.

Zahnärztinnen ohne Kinder haben in der Regel kein Problem, die Fortbildung in den Alltag einzubeziehen. Zahnärztinnen mit Kindern dagegen tun sich oft schwer. Sie äußerten eine Reihe von zeitlichen Alternativen, an denen Fortbildung aus ihrer Sicht besser organisiert wäre. Frauen sind Netzwerker – die befragten Zahnärztinnen wünschen sich dies auch im beruflichen Kontext. Knapp jede dritte Zahnärztin vermisst so ein regionales Netz, in dem berufliche und auch mal nicht-berufliche Themen besprochen werden können.

Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg

Jede zweite Befragte ist Mutter von einem oder mehreren Kindern. 30 Prozent der Zahnärztinnen mit Kindern klagen laut der Untersuchung darüber, Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in den Beruf erlebt zu haben. Die Sorgenpalette ist lang: finanzielle Einbußen, Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung, mangelndes Verständnis von Chefs und Kollegen sowie unflexible Arbeitszeiten werden immer wieder genannt. Dazu zählt auch, dass in den meisten Fällen der ehemalige Patientenstamm nicht mehr vorhanden ist. Die berufstätigen Mütter klagten durchgängig insbesondere in den freien Antworten, dass die Unterbringung der Kinder schwierig ist. Es wundert nicht, dass die Mütter unter den Zahnärztinnen ihre Belastung durch Beruf und Familie als „groß“ oder „sehr groß“ bewerten. Mütter arbeiten offenbar eher weniger Stunden, wenn sie wieder in die Praxis kommen. So gaben 73 Prozent der befragten Zahnärztinnen ein geringeres Einkommen nach der Geburt der Kinder an.

Gerd Eisentraut
Zahnärztekammer Hamburg



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