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16.02.07 / 00:04
Heft 04/2007 Zahnmedizin
Fluoridiertes Speisesalz

Gut für die Zähne

Für die breit angelegte, wirksame Kariesprävention ist fluoridiertes Speisesalz unerlässlich. Seit mehr als 15 Jahren wird es in Deutschland vertrieben. Allerdings nur für den Hausgebrauch. Experten wünschen sich, dass es auch in Großküchen in den Kochtopf kommt.



Fluoridiertes Speisesalz bringt die Kariesprävention voran. Experten wünschen sich deshalb, dass es häufiger in Kantinen und Restaurants eingesetzt wird. Foto: MEV

Zu Beginn, im Jahr 1991, war fluoridiertes Speisesalz in Deutschland lediglich als Importprodukt aus Frankreich und der Schweiz erhältlich. Hiesiges Recht verbot die Herstellung – allerdings nur für kurze Zeit. Per Ausnahmegenehmigung durfte es schon im Dezember 1992 auch bei uns produziert werden. Erheblichen Auftrieb erhielt die Verbreitung von Jodsalz mit Fluorid 1998 und 1999, als die Discounter-Ketten Aldi und Lidl ihr Angebot komplett darauf umstellten. Auch aus diesem Grund liegt sein Marktanteil nach Angaben des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ) aktuell bei 68,5 Prozent. Damit ist der Konsum von Jodsalz mit Fluorid im Vergleich zum Vorjahr – trotz allgemein rückläufigem Hausspeisesalzabsatz – um 1,6 Prozent gestiegen.

Kantinen und Restaurants

Im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums der Informationsstelle für Kariesprophylaxe wurde im Herbst 2006 die Bedeutung der Speisesalzfluoridierung in der zahnmedizinischen Prävention hervorgehoben.

Durch seine lokale Applikation – in Form von unter anderem Speisesalz, Gel oder Zahnpasta – ist die Kariesanfälligkeit in der Bevölkerung nachweislich zurückgegangen.

Fluoridiertes Speisesalz – das betont auch die Bundeszahnärztekammer – ist vor allen Dingen als präventive Maßnahme für Risikogruppen von großer Bedeutung. Um das Potenzial von fluoridiertem Speisesalz für die Gruppenprophylaxe noch besser auszuschöpfen, plädiert der DAZ dafür, es auch für die Gemeinschaftsverpflegung in Kantinen und Restaurants einzusetzen. Rechtlich ist das seit dem Jahr 1998 möglich. Voraussetzung ist allerdings eine Sondergenehmigung. Bisher machen nur wenige Großküchen von dieser Option Gebrauch. Eine Studie an der Universität Heidelberg – in deren Kantinen fluoridiertes Jodsalz verwendet wird – zeigte aber, dass der Einsatz toxikologisch und logistisch ohne Probleme möglich ist und gute Erfolge erzielt (siehe Beitrag Prof. Andreas Schulte, zm 11/2003).

EU für Fluoridierung

Das EU-Parlament hat in zweiter Lesung am 16. Mai 2006 die Verordnung zum freiwilligen Zusatz von Vitaminen und Mineralstoffen zu Lebensmitteln verabschiedet. Sie erlaubt den Zusatz von Fluorid zu Lebensmitteln. Innerhalb der kommenden zwei Jahre sollen nun Höchstmengen und Einschränkungen der Anreicherung festgelegt werden.

Die Informationsstelle für Kariesprophylaxe begrüßt die Entscheidung der EU zu Fluoriden. Allerdings soll ihrer Meinung nach der Zusatz von Fluorid und Jod weiterhin nur im Speisesalz erlaubt sein, weil sonst keine Kontrolle der Zufuhrmenge gewährleistet ist.

Für die Regulierung der Fluoridaufnahme spielt die Fluoridanamnese beim Zahnarzt eine wichtige Rolle. Bei einer Unterversorgung kann er den Patienten darauf hinweisen, seine Zähne durch die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz besser zu schützen. Bei einer Überversorgung kann er auf der anderen Seite raten, den Konsum zu reduzieren. Welche Richtwerte für Fluoridsupplemente bei Kindern angemessen sind, hat die DGZMK in ihren Empfehlungen zur Kariesprophylaxe 2002 festgehalten (siehe Tabelle).


Richtwerte für Fluoridsupplemente (mg Fluorid/Tag)
Alter Fluoridkonzentration im Trinkwasser(Mineralwasser), mg / l
0,3 0,3-0,7 0,7
0 – 6 Monate
6 – 12 Monate 0,25
ab 1 – unter 3 Jahre 0,25
ab 3 – unter 6 Jahre 0,5 0,25
> 6 Jahre 1,0 0,5



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