sg
16.05.10 / 00:13
Heft 10/2010 Gesellschaft
Die richtige Vorsorge für den Urlaub

Gute Reise

Neben Unterkunft und Flug gehören auch Maßnahmen wie eine Auslandskrankenversicherung und eventuell ein Rücktrittsschutz mit zur Buchung des Urlaubs. Aber Vorsicht: Häufig preisen Versicherungen ganze Schutzpakete an, die kein Urlauber wirklich braucht. Gedanken sollte man sich über seine Reisekasse machen, wenn man die schönste Zeit des Jahres außerhalb von Euroland verbringen will.




Gewiss – bei der Planung des Urlaubs spielen der Strand, das Wetter, die Lage des Hotels und die günstige Flugverbindung eine größere Rolle als die Sorge um die Gesundheit. Doch um Sonne und Strand in Ruhe genießen zu können, gehört die Vorsorge dazu. Eine Krankenversicherung für den Urlaub kostet nicht viel. Für Edda Castello, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg, ist sie jedenfalls ein Muss: „Für mich ist es die einzige Versicherung für den Urlaub, die Sinn macht – auch für privat Versicherte.“

Besonders für gesetzlich Versicherte sollte der Abschluss einer Reisekrankenversicherung selbstverständlich sein. Sie wird von den Kassen dringend empfohlen und zwar für alle Reiseziele außerhalb Deutschlands. Denn sie übernimmt alle Kosten für Heilbehandlungen, die von den gesetzlichen Kassen nicht gedeckt sind. Wer in einem Land, mit dem Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen geschlossen hat, einen Arzt aufsuchen muss, dem ersetzt seine Kasse alle Leistungen, die in diesem Land ebenfalls üblicherweise ersetzt werden. Hier gilt die European Health Insurance Card (EHIC). Die notwendigen Daten befinden sich auf der Rückseite der meisten Krankenversicherungskarten. Zu den Partnern zählen alle EU-Staaten und noch einige mehr. In allen anderen Ländern müssen gesetzlich Versicherte für ihre Arztrechnungen und Medikamente selbst aufkommen. Das kann besonders in Ländern wie den USA zu hohen Ausgaben führen. Der Beitrag für eine Auslandskrankenversicherung lohnt sich also.

Rücktransport aus dem Ausland

Eine private Zusatzversicherung bezahlt zum Beispiel ambulante ärztliche Behandlungen, Röntgendiagnostik und Operationen, ärztlich verordnete Arznei-, Verbandund Heilmittel, schmerzstillende Zahnbehandlungen, einfache Füllungen sowie Reparaturen von Zahnersatz und vieles mehr. Der wichtigste Service aber ist der Rücktransport nach Deutschland im Krankheitsfall. Hier kommen leicht 10 000 Euro und mehr zusammen. Deshalb ist es besonders wichtig bei der Wahl des Anbieters darauf zu achten, dass es dafür keine Begrenzung gibt. Ein Rücktransport aus den USA kann bis zu 60 000 Euro kosten.

Die gesetzlichen Kassen zahlen den Rücktransport grundsätzlich nicht. Aber auch so manche private Krankenversicherung schließt den Rücktransport eines erkrankten Versicherten in die Heimat aus. Privat versichert hat er Anspruch auf einen EU-weiten und zeitlich unbegrenzten Schutz. Außerhalb der EU gilt die private Krankenversicherung generell einen Monat, manche Tarife bieten drei Monate Absicherung. Selbst wenn der im Tarif enthaltene Schutz ausreicht, kann sich eine Zusatzversicherung lohnen. Verzichten privat Versicherte im Urlaub auf die Leistungen ihrer privaten Krankenversicherung, behalten sie ihren Anspruch auf eine mögliche Beitragsrückerstattung. Einen weiteren Tipp hält Jens Wegner vom Verband der privaten Krankenversicherer für Schüler und Studenten bereit, die über ein Programm einige Zeit im Ausland verbringen: „Während des organisierten Aufenthalts sind die Teilnehmer über das Programm versichert. Wollen sie aber im Anschluss daran das Land bereisen, müssen sie eine zusätzliche Krankenversicherung haben. Die sollte unbedingt vor Reiseantritt abgeschlossen werden. Im Nachhinein geht es meistens nicht mehr.“

Mehrere Varianten von Versicherungen

Die Versicherer bieten zwei Varianten für eine Reisekrankenversicherung an: Als einmalige Police schließen Urlauber eine Versicherung nur für eine Reise ab oder sie bevorzugen einen Jahresvertrag, der sich automatisch um ein weiteres Jahr verlängert, wenn er nicht drei Monate vor Ablauf gekündigt wird. Die Kosten dafür beginnen bei sechs Euro pro Jahr. Die Versicherten können damit zwar beliebig oft pro Jahr in Urlaub fahren, allerdings reicht der Schutz immer nur für die ersten 42 Tage, bei der Debeka bis zu 70 Tage pro Reise.

Neben dieser sehr sinnvollen Zusatzversicherung bieten die Gesellschaften aber noch etliche weitere Produkte an, die einen sorgenfreien Urlaub garantieren sollen. So zum Beispiel die Reiserücktrittsversicherung. Sie lohnt sich nur dann, wenn zum Beispiel eine Familie eine lange und teure Reise plant. Da kommen schnell 10 000 Euro und mehr zusammen. Wird dann ein Familienmitglied krank oder droht die Arbeitslosigkeit des Haupternährers, bedeutet die Versicherung einen wirksamen Schutz. Wer sich im vergangenen Jahr von der Schweinegrippe hatte abschrecken lassen, musste oft feststellen, dass die Versicherung bei einer Pandemie nicht greift. Es sei denn, der Versicherte ist selbst krank. Ebenso wenig reicht die Angst vor einem Terroranschlag für einen Rücktritt von einer Reise. Die Versicherung zahlt erst dann, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung veröffentlicht. Fast alle Versicherer übernehmen die Stornokosten für eine Reise bei Tod, schwerer Unfallverletzung, unerwarteter Erkrankung, Schwangerschaft oder Verlust des Arbeitsplatzes.

Versicherungsabschluss per Internet

Der Preis für eine Police hängt vom Reisepreis ab. So beträgt er für eine Einzelreise im Wert von 1 500 Euro zwischen 50 und 64 Euro (Stiftung Warentest). Familientarife kosten nur wenig mehr. Neu ist eine Versicherung für einzelne Flugtickets. Unter dem Namen Ticketsafe bietet die Europäische Reiseversicherung ERV eine Absicherung von Insolvenz, Verspätung und Umbuchung, Kosten ab sieben Euro. Wer sich mit einer Auslandskrankenversicherung begnügen will, sollte bei einem Abschluss übers Internet aufpassen. Meistens bieten die Versicherer dort umfassende Pakete an, die viel Überflüssiges enthalten. Besser ist es – wenn es schnell gehen soll – die Police per Telefon abzuschließen.

Abzuwägen, ob es Sinn macht eine Versicherung abzuschließen oder nicht, fällt leicht, wenn man sich an die Regel hält, die Castello aufstellt: „Wie hoch ist der maximale finanzielle Verlust, wenn ich mich nicht versichere? Kann ich ihn tragen?“ So können Reisende meistens getrost auf eine Reisegepäckversicherung verzichten. Denn in manchen Fällen zahlt die Hausratversicherung für den Verlust des Koffers samt Inhalt. So zum Beispiel wenn das gute Stück aus Hotelzimmer oder Ferienhaus gestohlen wird. In der Regel sind darin Reisegepäck und Wertsachen bis zu drei Monaten mit zehn Prozent Versicherungssumme, maximal 10 000 Euro mitversichert – und das weltweit. Das gilt auch, wenn Koffer, Taschen und deren Inhalt durch Sturm, Hagel, Feuer oder Raub beschädigt wurden. Die Versicherung zahlt aber nur dann, wenn der Schaden sofort und in allen Einzelheiten gemeldet wird. Einen Diebstahl muss die örtliche Polizei bestätigen. Problematisch wird es, wenn das Gepäck auf dem Bahnsteig oder aus dem Wohnwagen verschwindet. Dann kommt meistens keine Versicherung für den Schaden auf, auch die Reisegepäckversicherung nicht. Denn in diesem Fall geht man von der Nachlässigkeit des Besitzers aus: Er hat nicht gut aufgepasst. Überhaupt bemängelt Castello die strengen Bedingungen der Reisegepäckversicherung: „Wenn man alle Bedingungen beachtet, braucht man keine Versicherung mehr.“

Marlene Endruweit
m.endruweit@netcologne.de

INFO

Tipps für die Reisekasse

• Geht die Reise in ein Land außerhalb der Eurozone, sollten Reisende nur so viel Bargeld mitnehmen, wie sie für die ersten Stunden am Reiseziel benötigen. Denn meistens ist die Beschaffung von Devisen im Urlaubsland günstiger als zu Hause. Außerdem empfiehlt es sich, immer über zwei Möglichkeiten zu verfügen, an Bargeld zu gelangen. Galt in der Vergangenheit die EC-Karte als sicheres und günstiges Mittel zur Bargeldbeschaffung, muss das heute nicht mehr stimmen. Ihr Einsatz ist fast immer mit Gebühren von mindestens 2,56 Euro und mehr verbunden. Nur die Karte der SEB kommt bei den schwedischen Filialen kostenlos zum Einsatz und die der Deutschen Bank bei ihren Filialen und bei denen der Partnerbanken im Ausland.

■ Günstiger kann das Geldabheben sogar mit Kreditkarten sein, wenn es sich zum Beispiel um die Visacard der DKB oder der Comdirect Bank handelt. Sie verzichten auf Gebühren für den Geldautomaten und die Auslandsprovision. Mit der Postbank Sparcard können Reisende zehnmal pro Jahr kostenlos im Ausland Geld abheben. Danach kostet es je Einsatz 5,50 Euro. Allerdings kann es passieren, dass beim Abheben in den USA die dortigen Banken Gebühren kassieren. Dennoch kann es sich lohnen, ein Sparkonto bei der Postbank zu eröffnen, wenn die Hausbank bei den Gebühren kräftig zulangt. Zur Not verfügt der Urlauber dann immer noch über die EC-Karte seines Instituts.

• Bei Fernreisen bieten sich Kreditkarten als geeignetes Zahlungs- und Geldbeschaffungsmittel an. In exotischen Ländern haben sich die als besonders sicher geltenden Reiseschecks bewährt. Allerdings verlangt ihr Einsatz hohe Gebühren: Beim Kauf fallen ein bis zwei Prozent vom Kaufbetrag, oft mindestens zehn bis 15 Euro an. Hinzu kommen Aufschläge auf den Kurs der Fremdwährung plus einer Provision für die einlösende Bank.



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