sp
01.12.12 / 12:00
Heft 23/2012 Repetitorium
Repetitorium

Hämangiom, Feuermal, Nävus ...

Fehlbildungen der Haut wie Blutschwämmchen, Feuermale und Nävi sind kein seltenes Phänomen. Die Veränderungen können vielgestaltig sein, sind aber in aller Regel gutartig. Sie werden jedoch von einigen Menschen als kosmetisch störend erlebt.




Eine sehr häufige Hautveränderung, die oft schon bei der Geburt eines Kindes auffällt, ist das Hämangiom, im Volksmund auch Blutschwämmchen genannt. Es besteht in der Regel aus kapillären Blut- und Lymphgefäßen, die eine mehr oder weniger große Gefäßgeschwulst bilden, wobei die infantilen Hämangiome dem Plazentagewebe ähnlich sind. Hämangiome können sich im ganzen Körper bilden, sie fallen vor allem auf, wenn die Haut betroffen ist, die Veränderungen also direkt sichtbar sind. In anderen Körperbereichen werden Hämangiome oft gar nicht oder nur als Zufallsbefund entdeckt.

Die Blutschwämmchen sind per se harmlos, verursachen meist keine Beschwerden, können aber bei Verletzungen stark bluten, so dass eine gewisse Vorsicht geboten ist. Deshalb sollten Blutschwämmchen keinesfalls aufgekratzt werden.

Die Gefäßveränderungen durchlaufen drei Phasen, die Wachstumsphase, die üblicherweise sechs bis neun Monate dauert und in der das Hämangiom sich in der Fläche ausbreitet, die Stillstandsphase und die Rückbildungsphase.

Die Blutschwämmchen haben somit eine hohe Rückbildungstendenz, sie gehen bei 90 Prozent der betroffenen Kinder bis etwa zum zehnten Lebensjahr deutlich zurück. Ihre Tendenz zu entarten ist gering, doch ist eine gewisse Vorsicht geboten, wenn die Gefäßanomalien eine deutliche Wachstumstendenz zeigen sollten. Ob ein Hämangiom später entarten wird oder nicht, lässt sich nicht vorhersagen.

In rund 60 Prozent der Fälle sind die Blutschwämmchen in der Kopf/Halsregion lokalisiert, etwa ein Drittel der Veränderungen entwickelt sich in der Leber. Sind große Körperflächen betroffen, wie es gelegentlich im Bereich der Arme der Fall sein kann, liegt eine Angiomatose vor.

Kapilläres Hämangiom

Die Gefäßanomalie bildet sich meist aus kapillären Blutgefäßen, es wird deshalb auch von einem kapillären Hämangiom (Haemangioma capillare) gesprochen. Es handelt sich üblicherweise um weiche erhabene, hellrote bis rote Knötchen, die als Konglomerat zusammenstehen, wobei die Region, die vom Hämangiom betroffen ist, mehrere Zentimeter groß sein und zudem nach der Geburt noch deutlich wachsen kann.

Ein solches Blutschwämmchen weisen drei bis fünf Prozent der Neugeborenen auf, bei Frühgeborenen sind sie noch deutlich häufiger, Mädchen sind davon abgesehen generell öfter betroffen als Jungen. Insgesamt sind die Hämangiome damit der häufigste Tumor im Kindesalter.

Wird eine Behandlung vom Betroffenen gewünscht oder ist sie beispielsweise bei eindeutiger Wachstumstendenz des Gefäßtumors medizinisch indiziert, kann die Anomalie mittels Lasertherapie entfernt werden. Alternativ kommt die Kryotherapie infrage, eine chirurgische Entfernung ist eher nicht üblich. Es gibt Medi- kamente, die die Gefäßwucherung zum Schrumpfen bringen. Zum Einsatz kommen häufig Kortikoide, wobei bei Kindern insbesondere die drohende Wachstumshemmung unter Steroidgabe zu bedenken ist. Quasi per Zufall wurde entdeckt, dass auch Betablocker das Wachstum der Fehlbildungen eindämmen können und sich somit therapeutisch nutzen lassen.

Eine Behandlung der Hämangiome kann auch notwendig werden, wenn der Gefäßtumor am Auge des Kindes sitzt und Sehstörungen hervorruft oder wenn intertriginöse Körperregionen, Körperöffnungen oder allgemein der Anogenitalbereich betroffen sind, da dann Ulzerationen und Superinfektionen begünstigt werden.



Mehr zum Thema


Anzeige
Werblicher Inhalt