spk
16.10.10 / 00:15
Heft 20/2010 Medizin
Parasitäre Spinnentiere

Herbstmilben lauern im Gras

Den einen trifft es beim Grillabend mit Freunden, den anderen beim herbstlichen Baumschnitt: Zum Teil erst Tage später bringt sich der Aufenthalt im Garten mit juckenden Pusteln in Erinnerung, die wie Mückenstiche aussehen. Die Ursache: Herbstmilben haben zugebissen.




Sie sind kleiner als der Kopf einer Stecknadel und können doch Menschen wie auch Tieren erhebliche Beschwerden bereiten: Die Rede ist von Herbstmilben, einer kleinen Parasitenart, die kaum bekannt ist, sich in unseren Breitengraden derzeit aber kräftig vermehrt und teilweise schon zu einer regelrechten Landplage geworden ist. Der biologische Name der Herbstmilbe lautet Neotrombicula autumnalis, im Volksmund werden die kleinen Spinnentiere, die zur Familie der Laufmilben gehören, auch als Grasmilben, als Ernte- oder Heumilben, als Herbstlaus, Graslaus, Erdlaus, Pfirsichlaus oder als Beiß bezeichnet. Zu rechnen ist mit ihnen vor allem auf Grasflächen in Gärten und Parkanlagen, vorzugsweise unter Mulch sowie auf Komposthaufen.

Raffiniert – Biss mit Betäubung

Nicht gefährlich, aber äußerst lästig sind die Larven der Milben. Sie erklettern Grashalme und andere bodennahe Pflanzen und lassen sich von dort aus auf Tiere oder Menschen abstreifen. Auf ihrem Wirt angelangt, suchen die Winzlinge dünne und bevorzugt feuchtwarme Körperregionen auf, Hautfalten und Körperpartien unter enger Kleidung. Sie ritzen mit ihren Mundwerkzeugen die oberflächliche Haut auf und ernähren sich von Lymphe und Zellflüssigkeit. Bei ihrem Biss sondern die Milbenlarven ein Sekret ab, das die Haut betäubt. Dadurch bleibt der Biss der Parasiten zunächst unbemerkt und wird oft erst Tage später durch die Hautreaktion mit Quaddelbildung oder starken und gelegentlich sogar viele Tage bis zu Wochen anhaltenden Juckreiz spürbar.

Vorkommen der Parasiten

Mit Herbstmilben ist in unseren Breitengraden, von April bis Oktober mit dem stärksten Befall in den Herbstmonaten zu rechnen. Sie halten sich in den oberen Erdschichten auf sowie im Gras, auf erdnahen Pflanzen und Kräutern. Dort legen sie auch ihre Eier ab, aus denen nach etwa vier Wochen die Larven schlüpfen. Diese können an den Grashalmen hochklettern und auf einen potenziellen Wirt warten, wobei es sich um Vögel, um kleine Nagetiere, aber auch um Hunde, Katzen und um Menschen handeln kann.

Mit einem Übergang der Milbenlarven auf den Wirt ist vor allem an warmen sonnigen Tagen zu rechnen. Bei schlechtem Wetter, Dauerregen oder Frost können sich die Parasiten zurückziehen und sogar bis ins Erdreich eindringen, von wo aus sie bei guter Witterung wieder nach oben klettern.

Die Larven der Herbstmilben sind etwa 0,3 bis 2 Millimeter groß und mit bloßen Auge kaum zu erkennen. Sie sind orangerot gefärbt und können einfach mit einem weißen Blatt Papier, das ausgelegt wird und das die Parasiten anzieht, nachgewiesen werden.

Erntekrätze – Juckreiz und Hautquaddeln

Nach dem Biss der Tiere saugen diese über einige Stunden Körperflüssigkeiten auf, fallen dann von ihrem Wirt ab, entwickeln sich über mehrere Wochen zu Nymphen und schließlich zu adulten Milben. Durch den Biss der Herbstmilbe werden keine Krankheiten übertragen, allerdings können die Hautquaddeln, die auch als Erntekrätze bezeichnet werden, infolge des anhaltenden Juckreizes sehr belastend sein. Nicht selten kommt es zu Infektionen, wenn die juckenden Hautstellen aufgekratzt und infiziert werden.

Lindern lässt sich der Juckreiz durch Einreiben mit einem alkoholgetränkten Wattebausch oder auch durch juckreizstillende Gels oder Salben. Prophylaktisch können Repellents eingerieben werden. Auch nützt es, unmittelbar nach der Gartenarbeit den Körper abzuduschen und die Kleidung zu wechseln. Als vorbeugende Maßnahme im Garten wäre es sinnvoll, Grasflächen möglichst kurz zu halten, Moose zu beseitigen sowie den Komposthaufen aus Haus- oder Terrassennähe zu entfernen, um so den Milbenbefall des Gartens möglichst gering zu halten.

Christine Vetter
Merkenicher Straße 224
50975 Köln



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