Alexandra Römer
16.01.17 / 00:02
Heft 02/2017 Titel
Funktionaloptometrie für Zahnärzte

Hilfe bei müden Augen

Drei Stunden Endo am Stück. Dann kurz ans Telefon. OP-Brille ab. Lesebrille auf. Wieder ab, um den Patienten anzulächeln. Für das Sehorgan ist so ein Arbeitstag purer Stress: Die Augen reagieren mit Brennen, Röte und Müdigkeit. Wie Sie sie gesund halten, zeigt Ihnen eine spezialisierte Funktionaloptometristin.




Dauerhafte Naharbeit belastet den gesamten Organismus. „Naharbeiter“, also auch Zahnärzte, klagen häufiger als andere Berufsgruppen über müde, trockene und gerötete Augen, Konzentrationsstörungen sowie nachlassende oder schwankende Sehleistungen. Die dauerhafte Arbeit am Stuhl fordert die Augen schließlich einseitig – wenn man nicht richtig gegensteuert.

Gerade Zahnärzte, die viel mit der Lupenbrille arbeiten, stellen beim schnellen Blickwechsel von Fern- zu Nahobjekten und umgekehrt mitunter eine Verzögerung in der Scharfstellung fest. Selbst im jungen Alter können sich für sie dadurch schnell nachlassende Sehleistungen ergeben. Allein eine Brille hilft nicht aber als kompensatives Hilfsmittel: Da sich die Wahrnehmung in mehrere Bereiche unterteilt, ergibt sich erst in ihrem Zusammenspiel die gesamte Leistungsfähigkeit des Sehens (Abbildung 1).

Die Funktionaloptometrie betrachtet den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit. In entsprechenden Trainings geht es darum, den Menschen auf all seinen Körperachsen zu stabilisieren. Ziel ist, die visuelle Leistungsfähigkeit zu verbessern. Gleichzeitig soll die Fähigkeit, die einzelnen visuellen Seh- und Wahrnehmungsfunktionen anzuwenden und ins tägliche Leben zu integrieren, ge-übt werden. Das Training erfolgt dabei in mehreren Schritten.

Was Ihre Augen können (müssen)

Augenbeweglichkeit: Hierfür nutzt der Mensch seine Fähigkeit, ein Objekt in Bewegung allein mit den Augen – das heißt mit der Augenmuskulatur, losgelöst von allen Kopf- und Körperbewegungen – zu verfolgen. Bei der Überprüfung dieser Fähigkeit sollten diese Fragen beantwortet werden:

• Kann ein Objekt in Bewegung auch auf Dauer fixiert werden?

• Kann die Augenmuskulatur so genau gesteuert werden, dass zum Beispiel beim Lesen ein Text Wort für Wort abgescannt wird?

• Ist es möglich, beim Ausfüllen einer Überweisung die IBAN-Nummer in einem Schritt zu benennen?

Voraussetzung für diese Augenbewegung ist ein hohes Steuerungsvermögen der Augenmuskulatur. Liegen hier Defizite vor, kann eine unzureichende Qualität des eigenen Körperbewusstseins ursächlich sein, ausgelöst durch eine unzureichende Ausbildung der Körpermitte, des Gleichgewichts oder aber der Grob- und/oder der Feinmotorik.

Blicksakkaden: Darunter versteht man die Fähigkeit zur zielgenauen Ausführung von Blicksprüngen (seitlich, von der Ferne zur Nähe und umgekehrt). Häufig kommt es bei Dysfunktionen in diesem Bereich zur Verzögerung der Blickwechsel, weil das Auge bei jeder ungenauen Sakkade nachjustieren muss. Das verbraucht Zeit und zusätzliche Energie. Ungenaue Sakkaden führen beim Abschreiben eines Textes, aber auch beim Lesen – insbesondere beim Wechsel vom Zeilenende zum neuen Zeilenanfang – zu einer langsamen, stotternden Wiedergabe. Die Ursache kann in einem mangelnden Körperbild, einem falschen Körpermittelpunkt, verschobenen Achsen, Defiziten des Gleichgewichtssinns oder aber einer gestörten Grob- und Feinmotorik liegen.

Scanning: Sucht das Auge nach einem bestimmten Objekt innerhalb einer Figurengruppe, spricht man von Scanning. Getestet wird, ob sich das Sehorgan visuell für einen längeren Zeitraum auf eine bestimmte Aufgabe konzentrieren kann. Hierbei muss das Zusammenspiel zwischen den Blicksakkaden und den Folgebewegungen richtig funktionieren.



Mehr zum Thema


Anzeige
Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können