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16.10.06 / 00:15
Heft 20/2006 Medizin
Süße Medizin

Honig zur Wundheilung

Hausmittel und Tipps der Großmütter zur schnellen Heilung von Wunden gibt es viele. Von Arnika bis Zinksalbe bietet die Hausapotheke alles, was Wunden wieder schnell verschließt. Aber dass Honig auch dazugehört, ist wenigen bekannt.



Tannen-, Lavendel-, Klee-, Kastanienhonig – Honigsorten gibt es fast so viele wie es Blütenpflanzen gibt. Entsprechend unterschiedlich sind ihr Aroma und ihre Wirkung. Honig verfeinert nicht nur das Butterbrot, seit Menschengedenken ist er auch ein natürliches Heilmittel. Wird er auf Wunden verteilt, lässt er diese schneller heilen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts verdrängte die Entdeckung der Antibiotika die klebrige Substanz aus der Medizin. Nun erfährt sie eine Renaissance.

Keimresistenzen

„Heute sind wir in der Klinik mit Keimen konfrontiert, die gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind“, erklärt Dr. Arne Simon von der Universitäts-Kinderklinik in Bonn. „Damit wird medizinischer Honig für die Wundpflege wieder interessant.“ Simon und seine Kollegen sind von der Wirkung des Medihoney begeistert: Er tötet Bakterien ab, wirkt geruchsmindernd, löst totes Gewebe und fördert die Wundheilung. Selbst mit multiresistenten Bakterien (Staphylokokken), den sogenannten MRSA, wird der Honig fertig. Auch Menschen mit chronischen Wunden dürfen wieder hoffen. Häufig haben sie eine jahrelange, erfolglose medizinische Behandlung hinter sich. „Bekommt man eine solche Wunde in drei Monaten zu, so ist das ein bemerkenswerter Erfolg“, sagt Simon, „und auch eine erhebliche Kostenersparnis.“

Bakterien wird das Wasser entzogen

Die Heilwirkung von medizinischem Honig wurde in den letzten Jahren intensiv erforscht. Er weist gleich drei Mechanismen auf, die den Bakterien das Leben schwer machen: Medihoney enthält soviel Zucker, dass er den Bakterien Wasser entzieht und diese dadurch austrocknet. Außerdem fügen Bienen bei seiner Produktion ein bestimmtes Enzym hinzu. Dieses Enzym sorgt dafür, dass kontinuierlich in kleinen Mengen Wasserstoffperoxid freigesetzt wird. Diese Substanz, die beim Frisör aus einer Brünetten eine Blondine zaubert, zerstört auch Bakterien. Der dritte Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig erforscht. Er hat etwas damit zu tun, dass unterschiedliche Honigsorten auch unterschiedliche medizinische Wirkungen haben. Der Frühstückshonig beispielsweise eignet sich überhaupt nicht zur Wunderversorgung, da er Keimsporen enthalten kann. Besonders stark wirksam ist Honig, der aus den Blüten des australischen Jellybuschs, einem Teebaumgewächs, gewonnen wird und Bestandteil des Medihoney ist. „Warum ausgerechnet der Honig von Teebaumplantagen gut gegen Bakterien wirkt, ist noch nicht genau bekannt“, so der Bonner Wissenschaftler.

Der medizinische Honig, der in Deutschland in zwei Dutzend Kliniken verwendet wird, ist allerdings kein Wundermittel. Manche Patienten klagen über Schmerzen nach dem Auftragen. Sehr selten kommt es zu allergischen Reaktionen und in manchen Fällen hilft der Honig nicht. „Die Behandlung ist dennoch so erfolgreich, dass wir ihre Wirkung nun auf feste Füße stellen wollen“, so Simon. Trotz der positiven Erfahrungen, die weltweit mit Honig gemacht werden, gibt es bislang nicht viele Studien zu seiner Heilkraft. Zusammen mit zehn deutschen und europäischen Zentren planen die Bonner Ärzte nun eine Beobachtungsstudie, die belegen soll, dass Honig seine Renaissance zu Recht feiert.

Juliette Irmer
Merzhauserstr. 157 c, 79100 Freiburg
jirmer@gmx.de

INFO

Die Honigproduktion

Honig ist der Wintervorrat der Bienen. Dazu sammeln sie im Sommer den Nektar von Blütenpflanzen in ihrer Honigblase. Dort wird der Nektar mit Sekreten aus den Schlund- und Speicheldrüsen der Biene versetzt. Nach der Rückkehr in den Stock werden dem Inhalt der Honigblase noch weitere Drüsensekrete anderer Bienen zugefügt. Das Gemisch wird schließlich in die Waben gefüllt und eingetrocknet. Dazu schlagen die auf den Waben sitzenden Bienen ständig mit den Flügeln, so dass der junge Honig Wasser verliert. Nach ein bis drei Tagen hat der Honig nur noch einen Wassergehalt von etwa 20 Prozent und ist somit ausgereift. Die Waben werden mit Wachsdeckeln (Bienenwachs) luftdicht verschlossen, bis der Honig entweder von den Bienen im Winter aufgebraucht oder vom Imker geerntet wird.



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