zm-online
16.02.03 / 00:08
Heft 04/2003 Zahnmedizin
26. Jahrestagung des Arbeitskreises für Forensische Odonto-Stomatologie

Identifizierungen werden effizienter

Am 12. Oktober 2002 fand die Tagung des Arbeitskreises traditionell wieder in Mainz statt. Über 60 Kolleginnen und Kollegen nahmen daran teil. Als Gäste konnten Kollegen aus Belgien, Frankreich, Österreich, der Schweiz, und den USA begrüßt werden.




Univ.-Professor Ludger Figgener stellte ausgewählte Fälle aus der Rechtsprechung zum zahnärztlichen Haftpflichtrecht vor, juristische Probleme aus der täglichen Arbeit des Zahnarztes. Hauptthema waren die Pflichten des Zahnarztes bei der Feststellung von Kindesmisshandlungen, ein Tabuthema für viele Zahnärzte, das durchbrochen werden muss. Dr. Jean Marc Hutt, Straßburg, sprach über die relevanten Rechtsgrundlagen in Frankreich. Ein weiteres Thema befasste sich mit der Altersschätzung bei Lebenden im Strafverfahren. Auf Grund der in Deutschland existierenden Rechtsprechung ist es für die Gerichte erforderlich, bei jugendlichen Straftätern, bei denen das Alter nicht bekannt oder bewusst falsch angegeben wird, ein möglichst genaues Alter zur Festlegung des Strafmaßes und der Zuständigkeit zu erhalten. Die Strafmündigkeit in Deutschland beginnt mit dem 14. Lebensjahr. Bis zum 18. Lebensjahr gilt der Straftäter als Jugendlicher und zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr als Heranwachsender. Dies sind die juristischen Hintergründe. Ausländische Straftäter versuchen zunehmend unter falscher Identität in Deutschland zu leben und geben auf Grund der Kenntnisse der genannten Hintergründe oftmals ein falsches Lebensalter an. So bedienen sich Dealer auch Jugendlicher, die behaupten, sofern sie von der Polizei festgestellt werden, sie seien noch keine 14 Jahre alt.

Der Nachmittag war auf Grund der Ereignisse der letzten Jahre der Problematik Massenkatastrophen und Identifizierung unbekannter Toter vorbehalten. Hierzu wurde ausführlich durch eine Kollegin der amerikanischen Streitkräfte über die Arbeit zur Identifizierung der Opfer des Anschlages gegen das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001 berichtet. Dr. Jean Claude Bonnetain, Dijon, referierte über die Identifizierung der Opfer des Concorde-Absturzes vom 25. Juli 2000 und aktuell wurden von Dr. Dr. Claus Grundmann, Duisburg, Mitglied der Identifizierungskommission beim Bundeskriminalamt, die Ergebnisse bei der Identifizierung der Opfer nach dem Flugzeugunglück bei Überlingen vorgetragen.

Die Mitgliederversammlung fand im Anschluss statt. Der Vorsitzende Dr. Dr. Rötzscher berichtete über die geleistete Arbeit im letzten Jahr. Nach dem Tod von Professor Gösta Gustafson, Schweden, wurde mit Zustimmung seiner Witwe der Gösta Gustafson-Award inauguriert. Dieser konnte erstmalig in Montpellier anlässlich des 16. Meetings der Internationalen Gesellschaft für Forensische Odonto-Stomatologie (I.O.F.O.S.) verliehen werden. Als Preisträger wurden Prof. Tore Solheim, Norwegen, und Prof. Cyril J. Thomas, Australien, ausgezeichnet.

Der Arbeitskreis wurde für den englischsprachigen Raum in German Academy of Forensic Odonto-Stomatology umbenannt.

Als letzter Tagungspunkt waren die Vorstandswahlen durchzuführen. Dabei wurden die bisherigen vier Vorstandsmitglieder wieder gewählt.

Die 27. Jahrestagung des Arbeitskreises wird am 18. Oktober 2003 wieder in Mainz stattfinden.

Dr. Dr. Klaus Rötzscher,
Wimphelingstraße 7
67346 Speyer

Dr. Rüdiger Lessig, Schriftführer
Institut für Rechtsmedizin
Johannisallee 28
04103 Leipzig



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