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16.06.07 / 00:13
Heft 12/2007 Politik
Einweihung der neuen Zahnklinik in Greifswald

Im engen Kontext zur Medizin

Das neue Zahnmedizinische Zentrum Greifswald wurde am 14. Mai eingeweiht. Der Klinikneubau wurde konsequent nach den dort etablierten modernsten Ausbildungs- und Versorgungsstrukturen, dem sogenannten „Greifswalder Modell“, ausgerichtet.




Zwischen dem Entschluss, eine moderne Zahnklinik in Greifswald zu errichten, und dem nun erfolgten Festakt zur Einweihung des neuen Komplexes an der Walter-Rathenau-Straße lagen 27 Jahre – und die Entscheidung der damaligen DDR-Politik, die für Greifswald bereitgestellten Gelder doch lieber in die Berliner Charité zu stecken. Die lange Wartezeit habe aber auch etwas Gutes, so Mecklenburg Vorpommerns Landesfinanzministerin Sigrid Keler bei der Eröffnungsfeier: „Wenn wir die Klinik 1980 hätten tatsächlich einweihen können, wäre sie heute schon wieder veraltet.“ Die Zustände im alten Gebäude seien für Forschung und Lehre teilweise katastrophal gewesen, die nach generationenübergreifendem Engagement nun stattfindende Eröffnung dieser hochmodernen Klinik daher „eine Art später Wiedergutmachung“.

Welche Bedeutung der neue Standort der Zahnmedizin in Greifswald für die Landes-, aber auch die Berufspolitik hat, zeigte sich in der hochrangigen Präsenz von Vertretern der Landesregierung und auch des zahnärztlichen Berufsstandes. Wiederholt wurde herausgestellt, dass von Greifswald viele entscheidende Impulse für die moderne Zahnheilkunde ausgegangen seien. Die führende Rolle vieler dortiger Professoren in wissenschaftlichen Gesellschaften belege, dass das Hochschulteam „zwar räumlich im Nordosten Deutschlands, für unseren Berufsstand aber eher in zentraler Bedeutung“ tätig sei, wie es BZÄK-Präsident Dr. Dr. Jürgen Weitkamp in seinem Grußwort formulierte. Auch bei der neuen Approbationsordnung hätten Einflüsse aus Greifswald eine maßgebliche Rolle gespielt. Dr. Weitkamp begrüßte vor allem die enge Einbindung der Zahnmedizin in Greifswald in die medizinische Fakultät: „Wir als Ärzte für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde legen allergrößten Wert darauf, dass an jedem Standort der Hochschulmedizin auch die Zahnheilkunde vertreten sein sollte.“

Das Greifswalder Modell

Bereits 1994 wurde das „Greifswalder Modell“ initiiert, es begann mit der Aufhebung der Abteilungsgrenzen und der interdisziplinären Ausbildung am Patienten, erklärte der Prodekan der Medizinischen Fakultät Prof. Reiner Biffar. Gelehrt werde nach „Gesamtkonzepten, die die künftigen Zahnärzte umfassend auf die täglichen Entscheidungen in der eigenen Praxis vorbereiten.“ Ein aktueller Schwerpunkt der Klinik ist die bevölkerungsbezogene ‚Community Medicine’, die der Ärztliche Direktor Prof. Claus Bartels als einen Baustein der engen Verknüpfung von Zahnmedizin und Allgemeinmedizin anführte und als „zentrales und auch Alleinstellungsmerkmal der Wissenschaftler an diesem Zentrum“ bezeichnete. Die vielfältigen wissenschaftspolitischen Engagements der Klinikmitarbeiter hätten den Namen des zahnmedizinischen Zentrums Greifswald weit über nationale und internationale Grenzen hinausgetragen

Auch die Architektur stand nicht ganz am Rande der Feierlichkeiten: Das Gebäude erhielt für seinen Wechsel von geschlossenen und transparenten Wänden bei hoher Funktionalität und Energiesparsamkeit einen Preis des Bundes Deutscher Architekten/BDA, der am 11. Juni in Schwerin verliehen wurde. Zu den Besonderheiten gehören auch die neuen Behandlungsräume, die je einen Behandlungsstuhl aufweisen und somit eine private Atmosphäre für die Patienten schaffen, daneben ermöglicht die Architektur eine leichte Kommunikation der Behandler, wie sie bei interdisziplinärer Arbeit unumgänglich ist.

Noch gesammelt wird für das neue „Wahrzeichen“ der Greifswalder Zahnklinik: Ein Zahn aus über 555-jähriger Eiche, der im Rahmen des Festaktes enthüllt wurde.

Ganz ist der Umzug noch nicht vollzogen – noch müssen weitere Räume in einer benachbarten Klinik frei werden, um auch die derzeit noch am alten Standort in der Rotgerberstraße ansässige Verwaltung und Vorklinik umsiedeln zu können. Die Freude über das neue Gebäude überwog allerdings alle Probleme, die sich durch die Aufteilung auf derzeit noch zwei Standorte ergeben werden: „Das ist ein toller Tag für uns Zahnmediziner in Greifswald,“ sagte Prof. Georg Meyer, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, der sowohl Rückschau hielt auf die Geschichte der Zahnmedizin in Greifswald als auch einen Ausblick nach vorn vermittelte. Die lange Tradition der Medizin in Greifswald bringe ihm immer ehrfürchtiges Staunen ein, wenn er in den USA über die Greifswalder Klinik referiere: „Als Christoph Columbus fünf Jahre alt war und Amerika noch gar nicht entdeckt, wurde hier schon Medizinische Forschung betrieben – das beeindruckt die Amerikaner immer sehr. Aber Ihnen muss ich hier wohl schon mehr bieten ...“ Die Leistungen der vier selbständigen Lehrstühle unter dem Dach des Zahnmedizinischen Zentrums hätten mit der neuen Klinik nun auch einen äußeren Rahmen, der sich endlich auch international sehen lassen könne. Im Namen der Deutschen Zahnärzte wünschte Dr. Weitkamp der Klinik „Blühen, Wachsen und Gedeihen und ein Nichtnachlassen in der Ausstrahlung auf den Berufsstand“.

Birgit Dohlus
Danckelmannstr. 9
14059 Berlin



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