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16.01.16 / 00:01
Heft 02/2016 Gesellschaft
Die Entwicklung des Zahnarztberufs (5)

Im geteilten Deutschland

Dieser Beitrag gibt einen Überblick, wie sich der Professionalisierungsprozess der zahnärztlichen Berufsgruppe im geteilten Deutschland von 1949 bis 1989 weiterentwickelte. Die unterschiedlichen politischen Systeme bestimmten etwa die Geschwindigkeit der Etablierung eines einheitlichen Berufstands, die Bedeutung der Niederlassung und die Ausgestaltung der zahnärztlichen Vereins- und Verbandspolitik.



Die Geschichte des Zahnarztberufes lässt sich bis in das 19. Jahrhundert zurück verfolgen. [M]zm-akg images-Fotolia-Syda Productions

Während die Professionalisierung der ärztlichen Berufsgruppe an der Wende zum 20. Jahrhundert bereits weit vorangeschritten war – Claudia Huerkamp (1985) spricht bezeichnenderweise von einem „gelungenen [...] Aufstieg zum professionellen Experten“ –, hinkte der Professionalisierungsprozess der Zahnärzte bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts merklich hinterher [Schäfer/Groß, 2007].

Besonders deutlich wird dieser Befund, wenn man die vier Kennzeichnen einer modernen Profession in den Blick nimmt: Es sind dies (1) eine akademische Ausbildung, (2) eine Vorherrschaft beziehungsweise Monopolstellung der Profession im betreffenden Fachgebiet, (3) die Durchsetzung einer beruflichen Selbstverwaltung beziehungsweise einer weitgehenden beruflichen Autonomie sowie (4) die Etablierung einer eigenen Berufsethik.

Was tun mit den Dentisten?

Während 1909 das Abitur als Studienvoraussetzung für das Fach Zahnheilkunde festgeschrieben und einige Jahre später, 1919 beziehungsweise 1923, auch ein Promotions- beziehungsweise ein Habilitationsrecht für Zahnärzte erwirkt werden konnte, konnte der Dualismus von zahnärztlicher und dentistischer Berufsgruppe auch in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“ nicht aufgelöst werden.

Wenngleich es gerade in der Zeit des Nationalsozialismus – auf die in einer eigenen Serie im Detail einzugehen sein wird – zu Ausgleichsversuchen kam, blieben diese am Ende erfolglos. Somit waren die deutschen Zahnärzte auch nach 1945 von einer Monopolstellung beziehungsweise von einer Hegemonie auf dem Gebiet der Zahnheilkunde (und damit von einer modernen Profession) weit entfernt.



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