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15.12.15 / 12:05
Heft 24/2015 Titel

Implantatverankerung von Totalprothesen - wie wenig geht?



Implantologische Verfahren haben sich in der modernen Zahnmedizin inzwischen zu einer Standardtherapie entwickelt. Gleichwohl steht das Ziel, die implantologische Versorgung für den Patienten weiter zu verbessern – weniger invasiv und weniger kostenaufwendig. Wie weit kann – unter der Anforderung einer langfristig funktionsstabilen Verankerung des Zahnersatzes – die Implantatanzahl in Ober- und Unterkiefer reduziert werden?




Abhängig von den angewandten Behandlungsstrategien zur konventionellen Versorgung des zahnlosen Kiefers wird der Anteil unzufriedener Prothesenträger mit etwa zehn bis 30 Prozent angegeben [van Waas, 1990; Kent et al., 1994]. Als häufigste Beschwerden werden von den betroffenen Patienten Schmerzen bei Funktionsbewegungen, Probleme beim Sprechen und beim Essen, eine mangelhafte Ästhetik sowie insbesondere Lockerungen der Unterkieferprothesen angegeben. Ein Großteil dieser Beschwerden lässt sich auf Stabilitäts- und Retentionsverluste der Prothesen zurückführen, die vor allem eine Folge von Knochenresorptionen des Prothesenlagers sind.

Diese Resorptionen schreiten in manchen Fällen so weit fort, dass eine zufriedenstellende Inkorporation von totalem Zahnersatz unmöglich wird. Behandlungsmaßnahmen vergangener Jahre wie die chirurgische Vorbereitung des Prothesenlagers in der präprothetischen Phase oder die Unterfütterung der Prothesen mit weichbleibenden Basismaterialien konnten der Problematik jedoch nur unzureichend gerecht werden. Inzwischen stehen in der Zahnmedizin implantologische Verfahren zur Verfügung, die heute allgemein anerkannt und verbreitet sind.

Implantate im zahnlosen Kiefer

Im zahnlosen Kiefer sind Implantate zur Verankerung von totalem Zahnersatz in Abhängigkeit von ihrer Anzahl und ihrer Verteilung unterschiedlich nutzbar. Bei günstigen vertikalen und horizontalen Kieferverhältnissen lassen sich festsitzende Implantatrestaurationen realisieren. Unter Berücksichtigung der ästhetischen Möglichkeiten, der Zugänglichkeit für Hygienemaßnahmen und von guten Kosten-Nutzen-Verhältnissen sind aber gerade auch herausnehmbare Restaurationen in Form von Deckprothesen für viele Patienten eine sinnvolle Behandlungsstrategie. In diesem Zusammenhang sollte dennoch nicht aus den Augen verloren werden, dass implantatprothetische Versorgungen zu den kostenintensivsten Therapieformen in der Zahnmedizin zählen.

Konzepte, die die finanzielle und körperliche Belastung berücksichtigen

Von Zahnlosigkeit sind gehäuft jedoch gerade Patienten mit einem niedrigen Einkommen betroffen [Passia et al., 2014]. Diese sind nicht in der Lage, die hohen Kosten für aufwendige implantatprothetische Rehabilitationen zu tragen, zudem scheuen die oftmals älteren Patienten umfangreichere Operationsmaßnahmen wie beispielsweise Knochenaugmentationen. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte entstanden in der jüngeren Zeit verschiedene Strategien, um die finanzielle und die körperliche Belastung der Patienten zu minimieren.

Neben der Verwendung von kurzen und Durchmesser-reduzierten Implantaten ist insbesondere die Reduktion der Implantatanzahl im zahnlosen Kiefer von Interesse. Dabei stellt sich die Frage, wie weit die Implantatanzahl in Ober- und Unterkiefer reduziert werden kann, um dennoch die Anforderungen an eine langfristig funktionsstabile Verankerung des totalen Zahnersatzes zu gewährleisten. Mit dem Fokus auf herausnehmbaren Restaurationen soll der vorliegende Beitrag einen Überblick zu dieser Fragestellung geben.



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