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16.01.05 / 00:14
Heft 02/2005 Politik
IDZ-Studie über Prognose der Zahnärztezahlen und zum Leistungsbedarf

In Zukunft wird sich nicht viel ändern

Das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) hat eine neue Studie über Prognosen zur Zahnärztezahl und den Bedarf an zahnärztlichen Leistungen bis zum Jahr 2020 veröffentlicht. Das Ergebnis ist versorgungspolitisch beruhigend: In Zukunft wird sich nicht viel ändern. Es wird eine leichte Steigerung von Zahnärztezahlen und ein etwas abnehmendes Leistungsvolumen geben. Außerdem wird die Profession zunehmend „weiblicher“ – mit mehr als 50 Prozent Zahnärztinnen ist zu rechnen.




Bei den Ärzten sind die Aussichten nicht so rosig, es gibt künftig zu wenig davon. In Teilbereichen der Versorgung herrscht jetzt schon Mangel. Das gilt für Krankenhäuser, aber auch für den ambulanten Sektor in den neuen Bundesländern. Besonders Hausärzte sind betroffen. Anders bei den Zahnärzten. Sie werden der Gesellschaft zumindest in den nächsten 15 Jahren nicht ausgehen, sondern leicht zunehmen.

Das zeigt die neue Prognose-Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ), die in wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Institut InForMed, Ingolstadt, durchgeführt wurde. Sie steht auf einer methodisch- wissenschaftlich soliden Datenbasis und gibt eine Vorausschätzung für die mittlere Zukunft in Deutschland ab. Was die Diskussion um Unter- oder Überversorgung in der zahnärztlichen Versorgung angeht, sind in der Studie wichtige Ergebnisse dargelegt worden, die Befürchtungen um eine etwaige Explosion sofort im Keim ersticken.

Die IDZ-Studie greift drei unterschiedliche Prognosevarianten für das Jahr 2020 auf (Tabelle 1), die einen möglichen Korridor beschreiben. Dem zugrunde liegen die Approbationsquoten, wobei von einem oberen, einem mittleren und einem unteren Wert ausgegangen wird.

Prognosevariante 1/Oberes Szenario:

Sie geht von der maximal möglichen Anzahl der Approbationen in Deutschland, nämlich dem Idealfall von 2 100, aus. Die Zahl orientiert sich an den rund 2 100 Studienplätzen (Neuimmatrikulationen fürs zahnärztliche Staatsexamen) für Zahnmedizin ohne eine eingerechnete Schwundrate bis zur Approbation. Unter diesem Szenario wäre 2020 mit einem Plus von 15 Prozent bei den behandelnd tätigen Zahnärzten und 19 Prozent bei den Praxisinhabern zu rechnen.

Prognosevariante 2/Mittleres Szenario:

Hier ist mit einem mittleren Wert von 1 950 Approbationen, also mit einer Schwundrate (etwa durch Studienabbruch, berufliche Umorientierung oder Rückkehr von Ausländern ins Heimatland) kalkuliert worden. Demnach ergibt sich bei behandelnd tätigen Zahnärzten ein Plus von elf Prozent und bei Praxisinhabern ein Plus von 14 Prozent.

Prognosevariante 3/Unteres Szenario:

Dies scheint das realistischste Szenario zu sein mit einer längerfristigen als untere Approbationshäufigkeit angenommenen Zahl von 1 800 pro Jahr (basierend auf Angaben des KZBV-Jahrbuchs und der Statistik der Bundeszahnärztekammer). Bei den behandelnd tätigen Zahnärzten ist hier mit einem moderaten Zuwachs von sechs Prozent, bei den Praxisinhabern von neun Prozent im Jahre 2020 auszugehen.  

Interessant ist die Frage, warum die Zahnarztzahlen leicht zunehmen, während die Zahl der Approbationen relativ konstant bleibt. Die Gründe liegen im Altersstruktureffekt: Es folgen mehr junge Zahnärzte nach als alte Zahnärzte aus dem Berufsleben ausscheiden; einem konstanten Zufluss steht also ein geringerer Abgang entgegen (Grafik 1).

Neben der Prognose über die Zahnärztezahlen sind der Blick auf das künftige Versorgungsvolumen sowie die Bedarfsabschätzung von Leistungen von Belang für die gesundheitspolitische Diskussion. Hierbei spielt die Frage der Bevölkerungsentwicklung eine Rolle. So wird die Zahl von Menschen über 65 Jahren von 17,1 Prozent im Jahre 2001 auf 22 Prozent im Jahre 2020 steigen. Gleichzeitig geht die Zahl von Kindern und Jugendlichen von 20,9 Prozent in 2001 auf 17,6 Prozent in 2020 zurück. Das hat Auswirkungen auf die zahnärztliche Versorgung (Stichwort: Rückgang der Behandlung Jugendlicher, zunehmende Multimorbidität bei Älteren).

Die Studie trägt dem in ihrer Bedarfsprognose Rechnung. Sie beruht auf einer Vorausberechnung der oralen Morbidität (Karies, Parodontalerkrankungen, Zahnverlust) in Deutschland auf der Basis von Bevölkerungsvorausberechnungen der amtlichen Statistik und einer Verknüpfung dieser Zeitreihen. Die Indexzeitreihen wurden auf den Bedarf an zahnärztlichen Leistungen anhand der Leistungsangaben für das Jahr 2001 geeicht. Den Berechnungen zugrunde lagen die drei großen Mundgesundheitsstudien des IDZ (DMS I bis III), die Mundgesundheitsziele der Bundeszahnärztekammer, die Einzelleistungsstatistik der KZBV und die Studie über arbeitswissenschaftliche Beanspruchungsmuster zahnärztlicher Dienstleistungen (BAZ-II).

Volumen sinkt

Das Ergebnis (Grafik 2): Die manifeste Nachfrage nach zahnärztlichen Leistungen wird – bei gleichbleibenden Bedingungen – von 80,2 Millionen Stunden im Jahr 2001 auf 73,7 Millionen Stunden bis zum Jahr 2020 sinken. Das ist ein Rückgang um acht Prozent, der im Wesentlichen auf die Verbesserung der Zahngesundheit im Laufe der nächsten 15 Jahre zurückzuführen sein wird.

Ganz deutlich wird beispielsweise, dass der Anteil der Füllungen sinken wird. Der Anteil der prothetischen Behandlung bleibt jedoch konstant. Das Ergebnis deckt sich im Übrigen auch mit dem Ergebnis des Gutachtens der Deutschen Gesellschaft für Prothetik und Werkstoffkunde (DGZPW) „Bedarfsermittlung für prothetische Leistungen in der Zahnheilkunde bis zum Jahr 2020“, München, 2001.

Ein weiteres, überraschendes Ergebnis der Prognose-Studie zeigt: Die Feminisierung der Profession schreitet voran, ein Großteil der Zahnärzteschaft wird künftig von Frauen gestellt werden. Zurzeit machen sie etwas mehr als 60 Prozent der Studierenden der Zahnmedizin aus. Ab dem Jahr 2017 ist mit mehr als 50 Prozent Frauenanteil bei den Berufsausübenden zu rechnen. Dies dürfte Raum für interessante Spekulationen hinsichtlich der Formen der Berufsausübung öffnen.

Die Prognose-Studie des IDZ wird auch im Rahmen der Vorstellung des neuen Gutachtens zur Zukunft der Zahnmedizin des Wissenschaftsrates eine Rolle spielen. Das Gutachten wird Ende Januar der Öffentlichkeit vorgestellt. pr

Die Studie ist erschienen in der IDZ-Materialienreihe Band 29: Josef Georg Brecht, Victor Paul Meyer, Angelika Aurbach, Wolfgang Micheelis, „Prognose der Zahnärztezahl und des Bedarfs zahnärztlicher Leistungen bis zum Jahr 2020“, Deutscher Ärzte- Verlag, Köln 2004, ISBN 3-934280-64-1. Erhältlich im Buchhandel. Preis: 39,95 Euro.  



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