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01.08.02 / 00:12
Heft 15/2002 Zahnmedizin
16. Jtg. der Dt. Ges. für Zahnerhaltung

Initiierte Streitgespräche wurden zum Erfolg

Die 16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) fand vom 12. bis 15. Juni in den Kongressräumen des Leipziger Renaissance Hotels statt. Der wissenschaftliche Schwerpunkt lag in diesem Jahr im Bereich der Endodontie, was für etwa 400 wissensdurstige und kulturbegeisterte Kollegen ein Grund war, der Bachstadt Leipzig einen Besuch abzustatten.




Endodontiesymposium

Den Auftakt der Tagung bildete ein dem Hauptprogramm vorgeschaltetes Endodontiesymposium, das die Themenbereiche endodontische Diagnostik und Notfalltherapie, Wurzelkanalaufbereitung, Wurzelkanalfüllung, Revision sowie Möglichkeiten und Grenzen endochirurgischer Maßnahmen und Misserfolgsvermeidung abdeckte. Als Redner kamen Prof. Dr. Benjamin Briseño, Mainz, Prof. Dr. Michael Baumann, Köln, Prof. Dr. Edgar Schäfer, Münster, PD Dr. Michael Hülsmann, Göttingen, Prof. Roland Weiger, Tübingen, und Dr. Dr. Rudolf Beer, Essen, zu Wort. Ziel dieser einleitenden Veranstaltung war es, dem Publikum einen aktuellen Überblick zu den wichtigsten Neuentwicklungen zu verschaffen.

Kontrovers: bis zum Apex oder vorher lieber aufhören

In den Hauptvorträgen diskutierten Prof. Dr. Paul Wesselink, Amsterdam, und Dr. Oliver Pontius, Bad Homburg, ein Verfechter der Philosophie Schilders, kontrovers zu der Frage, wie lang eine optimale Wurzelkanalfüllung sein muss. Die Problematik dieser Entscheidung liegt laut Prof. Wesselink darin, dass das apikale Foramen zu mehr als 60 Prozent Prozent nicht an der Wurzelspitze liegt und es verschiedene apikale Konstriktionsformen gibt. Bei einer Vitalexstirpation könne man bis zu drei Millimeter des Pulpastumpfes im apikalen Wurzelanteil belassen. Bei der Gangränbehandlung sollte bis zum physiologischen Apex aufbereitet werden. Die Schlagworte von Dr. Pontius hingegen waren „totally clean the root canal system“. Er gab an, den apikalen Endpunkt eines Zahnes taktil, mittels Röntgenbildern aus verschiedenen Richtungen, elektrometrischer Längenbestimmung und Papierspitzen sehr exakt bestimmen zu können, was eine rege Teilnahme des Publikums an der abschließenden Diskussion zur Folge hatte.

Den wissenschaftlichen Abschluss des ersten Tages bildeten das in Leipzig zum zweiten Mal stattfindende Praktikerforum, bei dem die Möglichkeit bestand, vollständig durchdokumentierte Fälle aus der Praxis vorzustellen, und die Mitgliederversammlung der DGZ.

Mit oder ohne Stift, das ist hier die Frage

Am Folgetag wurde „Die restaurative Versorgung des endodontisch behandelten Zahnes“ als zweites Hauptthema aus Zahn erhaltender – Prof. Dr. Detlef Heidemann – und prothetischer Sicht – Dr. Paul Weigl, beide Frankfurt a. M. – eindrücklich und praxisnah durch ein weiteres als Streitgespräch angelegtes Referat dargestellt. Den Referenten gelang es, einen Überblick über sämtliche Möglichkeiten der Stiftverankerungen mit all ihren Vor- und Nachteilen zu geben. Letztendlich kam es sogar zu einer „konservierend-prothetischen“ Annäherung der Meinungen: Bei der Anfertigung von Aufbauten sollte die Stiftverankerung nur im Falle fehlender Retentionsmöglichkeit die „ultima ratio“ sein, dementsprechend gelte es, die Zahnhartsubstanz des ohnehin schon geschwächten endodontisch behandelten Zahnes zu schonen und möglichst non-invasive Aufbausysteme zu wählen.

Neben Kurzvorträgen zum Hauptthema bildeten Vorträge zu Prävention, Diagnostik Vitalerhaltung und endodontischem Bedarf sowie Postervorstellungen zum Thema Bleaching und Komposite ein interessantes wissenschaftliches Programm.

Preisverleihungen

Auch in diesem Jahr wurden eine Reihe von Preisen, der DGZ-Preis, der Walkhoff-Preis und der Wrigley-Prophylaxe-Preis, verliehen. Für den besten Vortrag zu dem Thema „Temperaturentwicklung und Härte bei Belichtung von Kompositen mit LED- oder Halogenlampen“ wurde die Arbeitsgruppe um Dr. Norbert Hofmann, Würzburg, mit dem ersten Preis belohnt. Gewinner des DGZPreises im Praktikerforum war PD Dr. Burkhard Hugo, Würzburg, mit dem Thema „Form- und Stellungskorrekturen bei Frontzähnen mittels Komposit“. In der Kategorie bestes Poster konnte sich Dr. Karlheinz Moll, Ulm, mit seiner Präsentation „Interne Adaptation von Klasse-I-Kompositfüllungen: Evaluation verschiedener Einflussfaktoren in vitro“ über den ersten Preis freuen. Der diesjährige Walkhoff-Preis für die beste publizierte wissenschaftliche Originalarbeit im Bereich Oralprophylaxe, restaurative Zahnerhaltung oder Endodontie ging an die Autorengruppe um Dr. Carolina Ganß, Giessen.

Resümee

Die 16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung war für alle Teilnehmer hilfreich, eine Auffrischung ihres Wissens zu erhalten und Neues über den momentanen Stand der Wissenschaft und der Praxis zu erfahren. Speziell der Bereich der Endodontie wurde eindrücklich beleuchtet und den Besuchern auf interessante Art und Weise dargestellt. Wiederum guten Anklang fand das seit dem letztem Jahr stattfindende Praktikerforum.

Dr. Priska Fischer
Jörg F. Schirrmeister
Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde, Abteilung Poliklinik für
Zahnerhaltung und Parodontologie
Hugstetterstr. 55, 79106 Freiburg.



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