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01.11.15 / 00:06
Heft 21/2015 Praxis
Patient Kleinkind

Interaktion ist die richtige Strategie

Viele Zahnärzte sind sich der Herausforderung bewusst, sich einem Kind nicht nur fachärztlich, sondern auch kindgerecht zu nähern. Doch wie fängt man das richtig an? Anstatt sich auf gut Glück - und damit wenig zielführend - in einem Trial-and-Error-Kreislauf auszuprobieren, sollte man die Behandlung und die Kommunikation mit dem Kind und den Eltern durchdacht angehen.



Kinderleicht ist die Behandlung der jüngsten Patienten gewiss nicht, aber kindgerecht muss sie sein. A. Schnitker

Viele schwierige Situationen kann der Zahnarzt in eine stressfreie Routine überführen und so etliche Misserfolge vermeiden, sofern er die Grundsätze angewandter Psychologie berücksichtigt. Beherzigt er diese Vorschläge, vermag er die Qualität der Behandlung für Kleinkinder zu steigern und in der Folge mehr Erfolge zu verbuchen – das ganze Team wird mehr Spaß an der Arbeit haben. Den Rahmen sollte die Praxis kindgerecht gestalten: mit Spielmaterial zum Thema Zähne und indem sie dem Denken eines Kleinkindes, das noch in viel stärkerem Ausmaß von Anschauungen als von Begriffen abhängig ist, entgegenkommt.

Zugang finden

Um den besonderen psychologischen Bedürfnissen von sehr kleinen Kindern in der Behandlung gerecht zu werden, sollte der Zahnarzt bereits im Vorfeld bei den Schwangeren und bei jungen Familien die entsprechenden Weichen stellen: In einem persönlichen Anschreiben, gerichtet an das Kind und seine Eltern, kann er sie zu den Früherkennungsuntersuchungen einladen und ein Merkblatt mit speziellen Empfehlungen beilegen.

Eltern werden während der Zahnbehandlung ihrer kleinen Kinder nicht immer als hilfreich empfunden: Es gibt auch den Vorschlag, sie besser vor der Tür des Behandlungszimmers zu lassen. Aber wer es als Arzt mit Kindern zu tun hat, muss auch ein Konzept über Elternführung in petto haben. Kinder orientieren sich in ihrer emotionalen und rationalen Welt an ihren Eltern: Das Kind spürt sofort, wenn seine Bezugsperson andere Vorstellungen hat als der Zahnarzt und verweigert unter solchen Umständen vermutlich die Kooperation. Eltern, die den Raum aus eigenen Stücken verlassen wollen, sollten ihrem Kind daher vorher sagen, dass sie dem Zahnarzt vertrauen und im Wartezimmer warten.

Richtig begrüßen

Erfolgreiche Strategien, die auf Vertrauensaufbau abzielen, beginnen bereits mit der Begrüßung im Wartezimmer. Wird das Kind – nicht die Eltern – zuerst angesprochen, erkennt es: Es ist selbst der Grund für diesen Besuch! Die Begrüßung im Wartezimmer sollte angemessen sein, aber nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen, damit die Botschaft, dass es um die Behandlung geht, klar bleibt und damit das Geschehen für das Kind nicht zu einer allgemeinen Spielsituation verschwimmt. Im Behandlungszimmer sollte die Zahnmedizinische Fachangestellte positiv darüber sprechen, was gerade zu sehen ist und was sie dort tut.

Das Thema „Zähne“ wird von ihr in den Mittelpunkt gestellt – nichts anderes. Dem Kind wird demonstriert, wie es gleich auf dem Untersuchungsstuhl nach unten und wieder nach oben gefahren wird. Es darf entscheiden, ob es von der ZFA oder lieber von der Begleitperson auf den Stuhl gesetzt wird, nicht über die Tatsache an sich. Dann gibt man dem Patienten einzelne Geräte in die Hand, die auch bei der Untersuchung zum Einsatz kommen. Das Kind kann auch schon aufgefordert werden, den Mund weit zu öffnen: Die Mitarbeiterin wirft einen Blick hinein, ohne das Kind dabei zu berühren.

Säuglinge und kleine Kinder brauchen vorhersehbare Abläufe. Damit das Erscheinen des Zahnarztes das Kind nicht völlig unvorbereitet trifft, sollte die ZFA vorher darauf hinweisen. Betritt er den Raum, muss sie ihn für das Kind erkennbar in die Umgebung integrieren. Auf diese Weise wird aus einem Fremden – dem Zahnarzt – eine vertraute Person. Das Kind braucht keine Angst mehr vor ihm zu haben. Die ZFA übernimmt vor den begleitenden Eltern die wichtige Rolle des Vertrauensaufbaus und steigt dadurch in ihrer Bedeutung.



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