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01.08.02 / 00:13
Heft 15/2002 Politik
Praxisgründung 2001

Investitionsvolumina zahnärztlicher Existenzgründer weiter gestiegen

Seit 1984 analysiert das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) in Kooperation mit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank jährlich das zahnärztliche Investitionsverhalten bei der Niederlassung. Wie schon in der Vergangenheit erfolgt die Analyse des Jahres 2001 getrennt nach Ost- und Westdeutschland. Die Ergebnisse werden erstmals in Euro-Werten ausgewiesen. Der folgende Beitrag dokumentiert die wichtigsten Ergebnisse.




Die Zahl der Berufsaufgaben ebenso wie die Zahl der Existenzgründungen verharrte im Jahr 2001 auf dem Vorjahresniveau. Knapp 1.400 Zahnärzte, ein Drittel weniger als im Jahr 1999, schieden aus dem Berufsleben aus. Gleichzeitig entschieden sich etwa 2.000 Zahnärzte, ein Fünftel weniger als im Jahr 1999, für den Schritt in die Selbstständigkeit.

Die Verteilung zahnärztlicher Existenzgründungen auf die Einzelpraxisneugründung, die Einzelpraxisübernahme und die Gemeinschaftspraxis erwies sich 2001 gegenüber dem Vorjahr als weitgehend stabil. Während in den alten Bundesländern der Anteil der Einzelpraxisübernahmen um drei Prozentpunkte zunahm, legten in den neuen Bundesländern die Einzelpraxisneugründung und die Niederlassung in Gemeinschaftspraxen um jeweils zwei Prozentpunkte zu. Damit erfolgte eine Annäherung an das westdeutsche Verteilungsmuster, wenngleich die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland immer noch deutlich erkennbar bleiben (Abb. 1).

In Westdeutschland war die Übernahme einer Einzelpraxis im Jahr 2001 mit einem Anteil von 46 Prozent der Existenzgründungen nach wie vor die dominierende Niederlassungsform. Der in den vergangenen Jahren zu beobachtende Anstieg des Anteils der Gemeinschaftspraxen setzte sich 2001 nicht weiter fort. Jeder fünfte Existenzgründer in den alten Bundesländern entschied sich 2001 für eine Gemeinschaftspraxis.

In Ostdeutschland war die Übernahme einer Zahnarztpraxis 1998 erstmals die wichtigste Form der Niederlassung. Etwa zwei Drittel der zahnärztlichen Existenzgründer wählten den Kauf einer Einzelpraxis als Start in die Freiberuflichkeit. Nach einem Rückgang auf 47 Prozent (1999) stieg der Anteil der Einzelpraxisübernahmen auf 71 Prozent (2000) und erreichte 2001 mit 67 Prozent fast das Vorjahresniveau. Der Anteil der Einzelpraxisneugründungen betrug im Jahr 2001 etwa 24 Prozent. Gemeinschaftspraxen haben in Ostdeutschland mit einem Anteil von neun Prozent nach wie vor eine deutlich geringere Bedeutung als in Westdeutschland.

Die gewählte Form der zahnärztlichen Niederlassung variiert je nach Alter des Existenzgründers. Bei den jungen Zahnärzten (26 bis 30 Jahre) hat sich in den alten Bundesländern der Anteil der Gemeinschaftspraxen gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozentpunkte auf 31 Prozent verringert, während die Neugründung einer Einzelpraxis auf 29 Prozent (2000: 25 Prozent) zunahm. In der Altersgruppe der über 40-jährigen Zahnärzte legte die Einzelpraxisübernahme gegenüber dem Vorjahr deutlich auf 52 Prozent (2000: 42 Prozent) zu und war damit die häufigste Form der Niederlassung. Damit hat sich die Situation der Vorjahre, in der die Neugründung einer Einzelpraxis für diese Altersgruppe der bevorzugte Weg in die Selbstständigkeit war (2000: 51 Prozent; 2001: 38 Prozent), grundlegend verändert.

Wie in den Vorjahren nimmt auch 2001 die Bedeutung der Gemeinschaftspraxis für Existenzgründer mit deren zunehmendem Alter ab (vergleiche Abb. 2). Offensichtlich sehen gerade die jüngeren Zahnärzte in der Kooperation eine gute Möglichkeit, um sich vor dem Hintergrund angespannter gesundheitspolitischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen etablieren zu können.

Der überwiegende Teil, nämlich 65 Prozent der Existenzgründungen in den alten Bundesländern, wurde durch Männer realisiert, lediglich 35 Prozent durch Frauen. Die Situation in den neuen Bundesländern stellt sich spiegelbildlich dar. Dort prägten die Frauen mit 65 Prozent das Bild des Niederlassungsgeschehens. Das Durchschnittsalter der zahnärztlichen Existenzgründer betrug in Westdeutschland zum Zeitpunkt der Niederlassung 35 Jahre; die Kolleginnen und Kollegen in Ostdeutschland waren im Schnitt drei Jahre jünger. Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Altersstruktur waren nicht erkennbar. Auch gab es – anders als noch im Vorjahr – keine Hinweise auf geschlechtsspezifische Akzentsetzungen hinsichtlich der Niederlassungsform.

Als Praxisstandort wählten die zahnärztlichen Existenzgründer in den alten Bundesländern in 29 Prozent der Fälle die Großstadt, im Vorjahr waren es noch 51 Prozent. Im Rückblick erweist sich die regionale Verteilung der Praxisformen im Jahr 2000 allerdings als untypisch, während das Verteilungsmuster im Jahr 2001 annähernd dem der Jahre 1998 und 1999 entspricht. In den neuen Bundesländern wurden nach wie vor die meisten Existenzgründungen (43 Prozent) im ländlichen Raum vorgenommen.

Differenziert man die Praxisformen nach den relativen Häufigkeiten der Praxislage, so zeigt sich eine relative Bevorzugung der Gemeinschaftspraxen in Großstädten sowie ein höherer Anteil an Einzelpraxisübernahmen in ländlichen Regionen. Die Beobachtung der vergangenen Jahre, wonach mit steigendem Verstädterungsgrad der Anteil der Praxisneugründungen deutlich sinkt (2000 von 50 Prozent auf 25 Prozent; 1999 von 44 Prozent auf 22 Prozent), bestätigte sich im Jahr 2001 nicht. Der Anteil der Einzelpraxisneugründungen im ländlichen Bereich betrug nur noch 31 Prozent (vorher immer Prozent ausgeschrieben!) und lag damit noch zwei Prozentpunkte unter dem Anteil der Einzelpraxisneugründungen in der Großstadt.

Inwiefern sich diese bemerkenswerten Veränderungen auf die Finanzierungsstrukturen ausgewirkt haben, wird im Folgenden getrennt für die alten und neuen Bundesländer dargestellt (vergleiche Tab. 1, Tab. 2 und Tab. 3).

In Westdeutschland ist das Gesamtfinanzierungsvolumen einer Einzelpraxisneugründung im Jahr 2001 erneut gestiegen und lag mit 322 000 Euro etwa vier Prozent über dem Vorjahreswert (Abb. 3). Das Gesamtfinanzierungsvolumen einer Einzelpraxisübernahme stieg ebenfalls deutlich und erreichte mit 264 000 Euro einen neuen Höchstwert im Beobachtungszeitraum (Abb. 4).

Eine nach Alter differenzierte Betrachtung zeigt, dass zahnärztliche Existenzgründer, die im Jahr 2001 das 40. Lebensjahr überschritten hatten, mit 291 000 Euro für eine Einzelpraxisneugründung beziehungsweise 223000 Euro für eine Einzelpraxisübernahme mehr investierten als noch 2000 (Einzelpraxisneugründung: 283 000 Euro, Einzelpraxisübernahme: 219 000 Euro). Mit 317000 Euro schwächte sich hingegen das finanzielle Engagement der 26-bis 30-jährigen Existenzgründer bei einer Einzelpraxisneugründung gegenüber dem Vorjahr um 22000 Euro ab. Bei der Übernahme blieb das Investitionsvolumen dieser Gruppe mit 236000 Euro im Jahr 2001 ebenfalls deutlich hinter dem Vorjahresniveau (258000 Euro) zurück. Die höchsten Investitionen tätigten die 31- bis 40-jährigen Existenzgründer mit 329 000 Euro für eine Einzelpraxisneugründung beziehungsweise 279000 Euro für eine Einzelpraxisübernahme.

In die Neugründung beziehungsweise Übernahme einer zahnärztlichen Einzelpraxis investierten Männer durchschnittlich 318000 Euro beziehungsweise 278 000 Euro. Die Investitionsvolumina weiblicher Zahnärzte lagen bei der Einzelpraxisneugründung mit 328000 Euro anders als noch im Vorjahr knapp über denen ihrer männlichen Kollegen; bei der Einzelpraxisübernahme mit 238000 Euro hingegen deutlich darunter.

Im Jahr 2001 erforderte die Einzelpraxisneugründung in einer Großstadt die höchsten finanziellen Anstrengungen für die Zahnärzte. Mit 326 000 Euro lag das Finanzierungsvolumen sechs Prozent über dem Vorjahreswert. Die Einzelpraxisübernahme in einer Großstadt verbilligte sich gleichzeitig um fünf Prozent auf 227 000 Euro. Bei einer Existenzgründung in einer Mittelstadt waren die Unterschiede deutlich geringer ausgeprägt; hier schlug eine Einzelpraxisneugründung mit 314000 Euro (2000: 301000 Euro) zu Buche, während eine Einzelpraxis-übernahme 299 000 Euro kostete und sich damit gegenüber dem Vorjahr um 34 Prozent deutlich verteuerte.

Während der Existenzgründungsphase dient der Betriebsmittel- beziehungsweise Kontokorrentkredit dem niedergelassenen Zahnarzt zur Vorfinanzierung der Anlaufkosten. Der im Rahmen einer Einzelpraxisneugründung nachgefragte Betriebsmittelkredit erreichte im Jahr 2001 mit 75 000 Euro einen neuen Höchstwert. Der im Rahmen einer Praxisübernahme gewährte Betriebsmittelkredit stieg im Jahr 2001 um 14 Prozent auf 56000 Euro und lag damit wieder auf dem Niveau des Zeitraumes von 1996 bis 1999. Die höchsten Betriebsmittelkredite fragten die 26-bis 30-jährigen Zahnärzte nach (83 000 Euro). Entscheidenden Einfluss hat auch der Praxisstandort. So lag der Betriebsmittelkredit bei einer Praxisübernahme in der Großstadt mit 42 000 Euro deutlich unter dem entsprechenden Wert in einer Mittelstadt (68 000 Euro).

Die im Rahmen einer Praxisneugründung anfallenden Bau- und Umbaukosten gaben im Jahr 2001 um 6 000 Euro auf 39 000 Euro nach und erreichten damit wieder den Wert von 1996. Bei den Praxisübernahmen betrugen die Ausgaben für bauliche Maßnahmen etwa 12 000 Euro.

Der Kaufpreis bei einer Praxisübernahme liegt im Regelfall deutlich über dem materiellen Wert der bereits in der Praxis vorhandenen Geräte und Ausstattungen (Substanzwert). Die Differenz wird als ideeller Wert oder auch „Goodwill“ bezeichnet. Im Goodwill spiegeln sich die subjektiven Erwartungen des Käufers an die zukünftige Ertragskraft der Zahnarztpraxis wider.

Die in den Vorjahren erkennbare rückläufige Entwicklung beim Substanzwert der übernommenen Praxen wurde im Jahr 2000 gestoppt. Im Jahr 2001 stieg der Substanzwert der übernommenen Praxen wieder geringfügig an. Mit 67 000 Euro lag der Wert aber immer noch um zwölf Prozent unter dem Maximalwert des Jahres 1997. Das Niveau des Goodwill kletterte in 2001 um 4000 Euro auf 84 000 Euro und erreichte damit einen neuen Höchstwert.

Der arztgruppenbezogene Vergleich der für eine Praxisneugründung aufzubringenden Finanzmittel in den Jahren 2000/2001 (Abb. 5) zeigt, dass das zahnärztliche Investitionsvolumen wie schon im Vorjahr von keiner anderen Facharztgruppe übertroffen wird. Das Investitionsvolumen der Zahnärzte wuchs um acht Prozent, während sich die Investitionsvolumina in den anderen Arztgruppen mit ähnlich hohem Investitionsbedarf unterschiedlich entwickelten. Unverkennbar ist, dass die zahnärztliche Berufsausübung zur modernen Patientenversorgung eine sehr umfangreiche technisch-apparative Ausstattung erforderlich macht, die entsprechend hohe Investitionsvolumina begründet. Dies gilt in gleicher Weise für die zunehmende Prophylaxeorientierung der Zahnärzte, die auf der einen Seite zusätzlichen finanziellen Aufwand mit sich bringt, auf der anderen Seite aber auch positiv auf die Berufszufriedenheit wirkt und durch mutige Investitionsentscheidungen widergespiegelt wird.

In den neuen Bundesländern stieg das Gesamtfinanzierungsvolumen einer Praxisneugründung um sieben Prozent auf 193000 Euro, während der Zuwachs in den alten Bundesländern etwa vier Prozent betrug. Infolgedessen nahm die Differenz zwischen den west- und ostdeutschen Finanzierungsvolumina für eine Praxisneugründung geringfügig um 2 000 Euro auf 129 000 Euro ab, verharrte indes weiterhin auf hohem Niveau. Im Jahre 1993 hatte die Differenz lediglich 26 000 Euro betragen. Das Ost/-West-Verhältnis der Investitionsvolumina lag im Jahr 2001 bei 60 Prozent (1993: 89 Prozent).

Eine Praxisübernahme in den neuen Bundesländern erforderte 2001 ein Gesamtfinanzierungsvolumen von 195 000 Euro und lag damit erneut leicht über dem Investitionsvolumen einer Praxisneugründung. Das Ost/West-Verhältnis der Investitionsvolumina für eine Praxisübernahme sank im Jahr 2001 um drei Prozentpunkte auf 74 Prozent. Im Jahr 2001 lag der Betriebsmittelkredit einer Einzelpraxisneugründung in den neuen Bundesländern mit 40 000 Euro etwa zehn Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Bei der Übernahme einer Einzelpraxis betrug der Betriebsmittelkredit unverändert 37000 Euro. Bauinvestitionen schlugen in den neuen Bundesländern bei einer Praxisneugründung mit 16 000 Euro zu Buche. Bei der Praxisübernahme fielen die baulichen Investitionen mit rund 4 000 Euro kaum noch ins Gewicht.

Dr. David Klingenberger
Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ)
Universitätsstr. 73, 50931 Köln

Dipl.-Kfm. Andrea Schwarte
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Emmanuel-Leutze-Str. 8, 40547 Düsseldorf


Tabelle 1 (Angaben in 1000 Euro)


Tabelle 2 (Angaben in 1000 Euro)
Finanzierungsvolumina bei Übernahme einer zahnärztlichen Einzelpraxis     
– Alte Bundesländer inkl. Berlin –
Substanzwert zzgl. Neuan- schaffungen
 
+ Goodwill
 
+ Bau- und Umbaukosten = Praxis-investitionen + Betriebs-mittelkredit = Gesamt- finanzierungs- volumen
 
1992 101 67 8 176 44 220
1993 111 56 10 177 42 219
1994 127 57 12 196 47 243
1995 103 67 10 180 48 228
1996 113 61 11 185 53 238
1997 116 80 11 207 54 261
1998 104 81 13 198 58 256
1999 95 79 14 188 54 242
2000 104 80 11 195 49 244
2001 112 84 12 208 56 264


Tabelle 3 (Angaben in 1000 Euro)
Finanzierungsvolumina bei Neugründung einer zahnärztlichen Einzelpraxis     
– Neue Bundesländer –     
 
med. techn. Gerate und Einrichtung + Bau- und Umbau- kosten

= Praxis- investitionen
 
+ Betriebs- mittelkredit = Gesamt- finanzierungs- volumen
1992 126 50 176 32 208
1993 144 41 185 35 220
1994 147 25 172 41 213
1995 148 22 170 48 218
1996 161 31 192 44 236
1997 163 13 176 48 224
1998 140 16 156 45 201
1999 145 18 163 46 209
2000 118 17 135 44 179
2001 137 16 153 40 193




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