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01.08.13 / 00:02
Heft 15/2013 Politik
Kassenzahnärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe

Jünger aufgestellt denn je

Das 60-jährige Jubiläum wurde am 6. Juli 2013 im Münsteraner Zahnärztehaus unter der Anwesenheit prominenter Gäste mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Auch der Bundesgesundheitsminister gab sich die Ehre.



Drei Männer aus Münster: Daniel Bahr, Dr. Bernhard Reilmann und Dr. Burkhard Branding (v.l.n.r.) Foto: zm

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“, erklärte Dr. Burkhard Branding, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KZV WL vor den geladenen Gästen. Dieser Weisheit folge leistend sei die KZV WL jünger aufgestellt denn je. Branding gab in Münster stellvertretend ein Versprechen: „Hier und heute versprechen wir als verantwortliche Vorstände der KZV WL: Wir werden offen bleiben und neugierig.“

Der KZV-Vize übergab den Ehrenpreis der KZV WL an das – laut KZV-Statistik – älteste praktizierende Mitglied, Prof. Dr. Rolf Hinz. Der in Herne niedergelassene Kieferorthopäde und Apollonia-Preisträger 2010 hat sich im Laufe seiner Berufszeit für die Umsetzung einer präventionsorientierten Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde stark gemacht.

Eine moderne zahnärztliche Selbstverwaltung zeichnet sich auch durch ihren Servicecharakter aus. Karin Reismann, Bürgermeisterin der Stadt Münster, sagte hocherfreut: „Sie sind für die 5 420 Mitglieder da. Sie beraten, sie informieren und sie recherchieren“, wenngleich das Aufgabenspektrum heute ein anderes sei als im Jahr 1953. Und auch der viel beklagte Verwaltungsaufwand sei ungleich höher. Schuld seien die bürokratischen Vorgaben, gestand die Bürgermeisterin.

Bloß eine Vision

Die Bundestagswahlen 2013 liegen in Reichweite. Wenngleich der Wahlkampf der Parteien eher gedrosselt verläuft, wird bei einem Thema seit Monaten äußerst emotional gestritten: die Zukunft des Systems von PKV und GKV. Der Vorstandsvorsitzende der KZV WL, Dr. Bernhard Reilmann konstatierte, das Modell einer Bürgerversicherung sei schlicht eine emotional gesteuerte Vision, die gefühlte Zweiklassenmedizin dadurch zu beseitigen, dass zentral bei jedem Bürger aus Einkommen und Vermögen Geld in reichlichem Maß gesammelt wird, um damit das Füllhorn aller Leistungen an alle Bedürftigen, respektive sich für bedürftig haltende, sozialverträglich, gleichmäßig, ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich auszuschütten. Auch Thomas Drabinski, Leiter des unabhängigen Instituts für Mikrodaten-Analyse (IfMDA) in Kiel, zeichnete ein düsteres Bild: „Mit der Bürgerversicherung entstehen für den Patienten in Deutschland abgesehen von einer verschlechterten medizinischen Versorgung, erstmalig echte Wartezeiten. Und der Patient wird als ‚Gesundheitsdatentäger‘ komplett gläsern.“

Auch Daniel Bahr (FDP) ließ es sich als Ur-Münsteraner nicht nehmen, der Festveranstaltung beizuwohnen. Der Bundesgesundheitsminister nahm sich viel Zeit für den Geburtstag der KZV und lobte die herausragende Arbeit der Selbstverwaltung. Exemplarisch stellte er heraus, dass die KZV Westfalen-Lippe in ihrem Versorgungsbereich auf vorbildliche Weise Wissenschaft und Forschung fördere. Die im Jahr 2000 geschaffene Apollonia-Stiftung stärke besonders den Bereich der präventionsorientierten Mund- und Zahnheilkunde. Bahr, in seiner Rede immer wieder durch Applaus unterbrochen, hob auf das hohe Gut der freien Arzt- und Zahnarztwahl ab und bekannte sich als großer Anhänger der Freiberuflichkeit.

Ehen würden nicht nur zwischen Partnern und Ärzten und Patienten geführt, sondern auch zwischen Körperschaften der Selbstverwaltung. „Die Ehe zwischen der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe und der KZV WL funktioniert“, sagte Joost Rieckesmann, Vizepräsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. Er insistierte eindringlich an Bahr, alles „in die Waagschale“ zu werfen, um eine Bürgerversicherung zu verhindern. „Aufgrund der Komplexität des individuellen Behandlungsfalls können einheitliche Parameter überhaupt nicht greifen“, erklärte der Kammervize.

Prof. Dr. Dr. Dr. Dominik Groß vom Arbeitskreis Ethik der DGZMK mahnte an, dass zahnärztliche Leistungserbringung in einem Sozialstaat kein Mittel zum Zweck sei, sondern vielmehr ein Zweck an sich. Groß warb für eine kritischere Betrachtung der rein „wunscherfüllenden“ Zahnmedizin.



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