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16.01.17 / 00:04
Heft 02/2017 Praxis
DMS V

Jüngere Senioren mit Schwerbehinderung

2013 war gut die Hälfte der Menschen mit einer schweren Behinderung in Deutschland über 65 Jahre alt. Überwiegend waren die Behinderungen durch Krankheit verursacht. Die bisherige Datenlage zur Mundgesundheit dieser Patientengruppe ist in Deutschland unbefriedigend. Daher lag es nahe, mit einer gesonderten Auswertung der DMS V weitere Informationen zur Mundgesundheit von Menschen mit Behinderungen zu schaffen. Hier ist das Ergebnis.



Die Mundgesundheit jüngerer Senioren mit einer schweren Behinderung in Deutschland ist schlechter als in der gesamten Altersgruppe. Die zentralen Unterschiede bei der Karieserfahrung, bei Zahnverlusten und bei totaler Zahnlosigkeit sind jedoch kein deutsches Spezifikum. © Ingo Bartussek - Fotolia.com

Im Jahr 2012 hat das IDZ eine systematische Übersicht zur Mundgesundheit von Menschen mit Behinderungen in Deutschland auf der Grundlage aktueller Einzelstudien vorgelegt (1). Zu dem Zeitpunkt gab es für Deutschland insgesamt acht wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema. Es zeigte sich, dass der zahnmedizinische Gesundheitszustand im Vergleich zur gesamten Bevölkerung hinsichtlich der Karieserfahrung, der Anzahl fehlender Zähne und des zahnmedizinischen Sanierungsgrads schlechter war. Einerseits wurde also deutlich, dass die Mundgesundheit dieser vulnerablen Bevölkerungsgruppe im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung in Deutschland kompromittiert ist; andererseits stellte die Literaturübersicht aber auch klar, dass auf diesem Gebiet ein erheblicher Forschungsbedarf besteht.

Aus diesem Grund wurden diejenigen Studienteilnehmer aus der Altersgruppe der jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige) der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) auf einen möglichen Grad der Behinderung (GdB) hin überprüft und gesondert ausgewertet. Ziel war, die bisherigen Erkenntnisse aus der Literatur zu überprüfen und um weitere Informationen zum Mundgesundheitszustand und zahnmedizinischen Versorgungszustand zu erhalten (2).

Betrachtet wurden dabei Menschen mit einer Schwerbehinderung (GdB 50 Prozent). In der DMS V wiesen 199 der insgesamt 1.042 untersuchten jüngeren Senioren eine Schwerbehinderung auf (19,1 Prozent).


Zentrale Mundgesundheitskennzahlen bei jüngeren Senioren und bei Senioren mit Schwerbehinderung (65- bis 74-Jährige) in der DMS V
Gesamt mit Schwerbehinderung
n = 1.042 n = 199
Karieserfahrung (DMFT)* 17,7 19,9
fehlende Zähne (MT)* 11,1 14,5
Sanierungsgrad (%) 90,6 81,7
*ohne Weisheitszähne
Tabelle 1. Quelle: IDZ

Dabei bestätigte sich die Erkenntnis aus der systematischen Literaturübersicht aus dem Jahr 2012 (Tabelle 1): Jüngere Senioren mit einer Schwerbehinderung haben eine höhere Karieserfahrung als die gesamte Altersgruppe der jüngeren Senioren (+2,2 Zähne), ihre mittlere Anzahl fehlender Zähne war erhöht (+3,4 Zähne) und sie wiesen einen geringeren Sanierungsgrad (-8,9 Prozent) auf.

Fast vier funktionstüchtige Zähne weniger

Der Begriff der Karieserfahrung schließt die Gesamtheit der durch Karies und Kariesfolgen – Füllungen oder andere Restaurationen, Zahnverluste – betroffenen Zähne eines Gebisses ein. Daher lässt sich aus dieser Größe nicht der Sanierungsgrad ermitteln. Um den Anteil der Restaurationen an den Zähnen mit einer Karies(erfahrung) zu bemessen, muss der DMFT-Index in seine Einzelkomponenten aufgelöst werden. Der Sanierungsgrad kann dann nach folgender Formel bestimmt werden: (F/(D + F)x100).

Interessanterweise ist der Sanierungsgrad auch bei Menschen mit einer Schwerbehinderung in ähnlicher Weise sowohl an die soziale Lage als auch an das Inanspruchnahmeverhalten zahnärztlicher Dienstleistungen gekoppelt, wie dies in der gesamten Altersgruppe ebenfalls beobachtet wurde. So war beispielsweise der Sanierungsgrad bei einem kontrollorientierten Inanspruchnahmemuster fast doppelt so hoch (85,0 Prozent) wie bei einem beschwerdeorientierten Verhalten (43,8 Prozent). Aus dem Sanierungsgrad wiederum lässt sich die Anzahl primär gesunder oder restaurierter Zähne, der sogenannte FST-Index, bestimmen, der die Anzahl der funktionstüchtigen Zähne beschreibt. Diese liegt bei 12,6 Zähnen.

Menschen mit einer Schwerbehinderung weisen somit fast 4 (3,8) weniger funktionstüchtige Zähne auf als die Gruppe der jüngeren Senioren insgesamt. Diese Unterschiede wurden jedoch bei der Prävalenz der Wurzelkaries nicht festgestellt (Prävalenz der Wurzelkaries bei jüngeren Senioren gesamt: 28,0 Prozent versus 27,8 Prozent bei Menschen mit Schwerbehinderung).

Als weiterer zentraler Mundgesundheitsmarker gilt neben der Anzahl fehlender Zähne auch der Anteil totaler Zahnlosigkeit in einer Gesellschaft.



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