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01.01.13 / 12:00
Heft 01/2013 Gesellschaft
Krankenhausstudie zu Führungskräften

Jung und anspruchsvoll

Krankenhäuser müssen sich in Zukunft auf einen harten Wettbewerb um hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte einstellen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens „Deloitte“. Für die Generation Y sind Karrierechancen nicht mehr allein ausschlaggebend. Zunehmend wird auch auf eine ausgewogene Work-Life-Balance Wert gelegt.



Arbeit gerne, aber bitte auch genügend Freizeit – junge Ärzte legen Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance. Foto: F1online

Für die Studie „Rollen von Fach- und Führungskräften im Krankenhaus der Zukunft – Heraus-forderungen für das Personal-management“ hat Deloitte in Zusammenarbeit mit dem „Institut für Change Management und Innovation“ (CMI) sowie dem „Institut für Marketing und Entrepreneurship“ (IME) der Hochschule Esslingen Personalleiter und Geschäftsführer deutscher Kliniken zu ihrer Einschätzung des Personalmarkts befragt.

Viele Krankenhäuser kämpfen demnach mit unbesetzten Stellen gerade in Bereichen, wo qualifizierte Fachkräfte besonders rar sind – hier fehlt Nachwuchs. Das betrifft besonders die Bereiche Anästhesie, Chirurgie und Innere Medizin. Hauptgrund ist nach Ansicht der Unternehmensberatung der demografische Wandel – der Ärztebedarf wird größer, die Anzahl älterer Menschen steigt ebenso wie die Zahl der Patienten mit komplexen Erkrankungen. Hinzu kommen Restrukturierungsmaßnahmen und ein steigender Kostendruck.

Für Deloitte müssen sich Krankenhäuser verstärkt bemühen, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. „Die aktuelle Lage bei der Gewinnung dringend benö-tigter Fachkräfte in Krankenhäusern rührt auch von den Erwartungen und der Lebensplanung der jungen Generation her, der sogenannten Generation Y“, erklärt Dr. Gregor-Konstantin Elbel, Partner Healthcare bei Deloitte. „Sie legt deutlich mehr Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance. Die Führungskräfte der alten Generation müssen sich damit auseinandersetzen und neue Lösungen suchen.“ Insbesondere bei patientennahen Tätigkeiten seien gezielte Maßnahmen zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit und zur Mitarbeitergewinnung erforderlich.

Assistenzarzt gesucht

Besonders Assistenzärzte werden dringend gesucht, geben die befragten Krankenhausmanager zu Protokoll. Auch Pflegepersonal mit Fachweiterbildung ist begehrt. Eine Assistenzarztstelle bleibt im Schnitt drei bis sechs Monate unbesetzt. Die Befragten sehen sich nach eigenen Angaben immer häufiger mit ungeeigneten Bewerbern konfrontiert. Aber auch knappe Budgets machen die Stellenbesetzung schwierig.

Gerade die eingeschränkten Verdienstmöglichkeiten bei gleichzeitig hohen Anforderungen sind ein Problem bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter. Die Klinikverantwortlichen sehen eine immer größere Konkurrenzsituation der Krankenhäuser untereinander. Sie erwarten, dass die Personal- nach der Finanzplanung die größte Aufgabe der Hospitäler in den kommenden Jahren wird. Die Klinikmanager empfinden dabei in ihren Häusern das Fehlen einer langfristigen Strategie und eine unprofessionelle Rekrutierung als die größten Hindernisse.

Soft Skills gefordert

Aber nicht nur die Krankenhäuser, auch die kommenden Führungskräfte müssen sich auf neue Be-dingungen einstellen und dazu-lernen. Die Studie identifiziert die wichtigsten Qualifikationen der Zukunft vor allem in den Bereichen Führungskompetenz und Soft Skills – hier gebe es noch erheblichen Schulungs- und Ausbildungsbedarf.

Für die Generation Y spielen Infrastruktur-angebote wie Kindertagesstätten sowie flexible Arbeitszeiten die zentrale Rolle. Wenn es um Mitarbeiterbindung geht, stehen Weiterbildungsmöglichkeiten im Fokus – und ebenfalls ein familienfreundliches Arbeitsumfeld. Um die begehrten Kräfte zu gewinnen, gehen die Personalverantwort- lichen der Krankenhäuser heute deutlich früher auf potenzielle Bewerber zu. Die Themen Weiterbildung und Familienfreundlichkeit kommen dabei gut an. Sport- und Gesundheitsangebote wiederum hätten sich laut der Manager bei der Rekrutierung kaum bewährt. eb



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