sg
01.01.16 / 00:04
Heft 01/2016 Politik
Prof. Christoph Benz im Interview

„Kammer ist Qualität!“

„Alle reden über Qualität. Wir sichern sie!“, schreibt die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) zu ihrem gerade veröffentlichten Qualitätsreport. Wie, erklärt Vizepräsident Prof. Christoph Benz.



Der Qualitätsreport 2015 der BZÄK liefert Zahlen und Fakten. BZÄK

zm: Warum ein Qualitätsreport?

Prof. Christoph Benz: Qualität ist das zentrale Thema der aktuellen Gesundheitspolitik. Auf den acht Seiten zur Gesundheit und Pflege im Koalitionsvertrag erscheint der Begriff Qualität 34-mal. Nun hat die Zahnmedizin diesen Denkanstoß nicht wirklich gebraucht.

Für die Kammern stand die Verbesserung der Behandlungsqualität und ihrer Rahmenbedingungen schon immer im Zentrum. Wenn man aber nur still arbeitet, merkt keiner, was alles läuft. Die BZÄK wird daher regelmäßig einen Report zur Qualität in der Zahnmedizin mit wechselnden Schwerpunkten herausgeben: Tue Gutes und rede darüber. Hauptthema in diesem Jahr: die große Fortbildungsbereitschaft der Kollegen.

Was machen BZÄK und Kammern genau?

Selbst als Insider ist man erstmal schwer beeindruckt, mit wieviel Qualitätsthemen sich die Kammern beschäftigen. Und wir tun das nicht erst seit gestern, sondern haben eine jahrzehntelange Tradition. Dabei machen wir ja noch viel mehr, als man von außen sieht: Die Länderkammern und die BZÄK diskutieren Anforderungsprofile mit den Aufsichtsbehörden, wir suchen für alles den kostengünstigsten und bürokratieärmsten Weg und wir begleiten die Kollegen mit Rat und Tat. Als Quereinsteiger in die Standespolitik habe ich auch lange gedacht „Wozu sind Kammern eigentlich gut?“, heute weiß ich es besser: „Kammer ist Qualität!“

Welche Rolle spielen Fortbildungen für die Sicherstellung der Qualität in den Praxen?

Der Beruf „Zahnarzt“ mischt den akademisch-wissenschaftlichen Hintergrund mit dem Ethos des guten Handwerks. Deshalb sind unsere Ansprüche an die Behandlungsqualität auch besonders hoch. So hoch, dass wir sogar zu Übertreibungen neigen: In den 80er-Jahren mussten unsere Amalgamfüllungen besser sein als eigentlich klinisch notwendig, in den 90ern waren es die adhäsiven Versorgungen und jetzt ist es die Endo. Deshalb wollen Zahnärzte auch nicht irgendwelche Fortbildungen – sie wollen das Beste, und sie machen viel mehr, als sie müssten. 85 Prozent der Fortbildungsverpflichtung werden allein durch Kammerfortbildungen abgedeckt.

Wie können Fortbildungen die Versorgung älterer Patienten weiter verbessern?

Mit der Pflegereform kommen auf jede deutsche Zahnarztpraxis 78 Menschen mit Pflegegrad. Das steht leider immer noch im krassen Missverhältnis zu den Ausbildungsschwerpunkten der Universitäten. Wir dürfen also davon ausgehen, dass auch heute eine große Zahl junger Zahnärzte von der Uni kommt, die keinen Plan haben, was man zahnmedizinisch mit einem Demenzerkrankten anstellen soll. Diese Lücke kann nur mit Fortbildungen geschlossen werden. Die Kammern haben das Thema richtig gut aufgegriffen. 2014 gab es allein 67 Kammer-Fortbildungen zur Zahnmedizin in der Pflege.

Auch hier suchen die Zahnärzte nicht irgend-was, sondern das Beste. Gemeinsam mit einigen Zahnärztekammern bietet die Deutsche Gesellschaft für AlterszahnMedizin e.V. zum Beispiel Curricula für Zahnärzte und deren Mitarbeiter an. Sie vermitteln aktuelle Kenntnisse aus der Seniorenzahnmedizin, der Geriatrie sowie der Pflege und ermöglichen Hospitationen in Alten- oder Pflegeheimen. Wichtig ist, dass Vertreter verschiedener Disziplinen bei den Curricula mit an Bord sind, etwa Geriater, Ergotherapeuten, Experten für Demenz oder Altersdepressionen, aber auch Juristen.

Wie ist das Berichtssystem „CIRS dent“ in die Diskussion um Qualität einzuordnen?

Kritische Probleme – egal, ob bei einem Piloten, Kapitän oder Zahnarzt – beruhen selten auf einem Einzelversagen, sondern sind meist eine Verkettung mehrerer Schwachstellen. Fehlt ein Glied, kommt es nicht zu dem Problem. Weiß der Berufsstand von den Gliedern, kann er daraus lernen. Auf diesem Prinzip beruhen Beinahe-Fehler-Berichtssysteme der Luftfahrt oder auch der Allgemeinmedizin. Die BZÄK hat schon vor sechs Jahren erkannt, wie wichtig so ein Berichtsystem auch für die Zahnmedizin wäre und das Portal „Jeder-Zahn-Zählt“ begründet. Inzwischen beteiligt sich auch die KZBV und verschickt aktuell die Zugangsdaten. „Jeder Zahn zählt“ ist konkrete Zahnmedizin und keine öde Theorie. Reinschauen und mitmachen bringt Spaß! Ab Anfang Januar ist das Portal online.

Der Qualitätsreport der BZÄK „Das kann sich sehen lassen ...“ informiert über Qualitätsinitiativen der Zahnärzteschaft. Zu finden unter http://www.bzaek.de/q-report.



Mehr zum Thema


Anzeige
Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können