Margarita Höfer et al.
15.06.17 / 08:00
Heft 12/2017 Zahnmedizin
Verbesserte Mundhygiene bei Vorschulkindern

Kariesprophylaxe mit der App

Die vorliegende Masterarbeit aus dem Studiengang Kinderzahnheilkunde der Universität Greifswald untersuchte die Wirkung einer Smartphone-Applikation zur Verbesserung der Mundhygiene bei Kindern im Vorschulalter und wurde mit dem Wrigley-Prophylaxe-Preis 2016 ausgezeichnet.




Trotz eines erfreulichen Kariesrückgangs ist nur knapp die Hälfte der Sechs- bis Sieben-jährigen naturgesund [DAJ, 2010] und Deutschland damit noch weit von dem Zielwert „Kariesfreiheit bei 80 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen“ für das Jahr 2020 entfernt [Oesterreich Ziller, 2005]. Zur Vermeidung von Karies im Milch- und im jugendlich permanenten Gebiss ist die Plaquekontrolle von großer Bedeutung, da eine positive Assoziation zwischen guter Mundhygiene und niedrigen Kariesraten besteht. In zahlreichen Studien wurde der guten Mundhygiene beziehungsweise dem adäquaten Zähneputzen bei Kindern ein höherer kariespräventiver Effekt als der Ernährungslenkung beigemessen [Vallejos-Sanches, 2008; Zaborski, 2010; Tolvanen, 2010; Agrawal, 2011].

Plaque bei Kleinkindern gilt als Vorhersagefaktor

Sichtbare Plaque auf den Zahnoberflächen von ein- bis zweijährigen Kindern gilt als Vorhersagefaktor für die spätere Kariesentwicklung [Wendt, 1994]. Zudem wird die Mundgesundheit von Drei- bis Sechs- und von Sechs- bis Siebenjährigen als Indikator für die spätere Mundgesundheit im bleibenden Gebiss angesehen [Li Wang, 2002; Skeie, 2006; Holm, 1978; Seppa Hausen, 1989; Pelkwijk, 1990; Van Palestein Van Dijk, 1989].

Leider ist die Plaqueentfernung bei Schulkindern, speziell im Alter von sechs bis zwölf Jahren, trotzdem oft noch verbesserungswürdig [Zanin, 2007; Sandström et al., 2011; Pujar, 2013]. Obwohl das Zähneputzen zu Hause zweimal am Tag optimal ist, wird dies oft nicht umgesetzt [Worthington, 2001].

Im Rahmen der bundesweiten KiGGS-Studie ließen sich in Deutschland Unterschiede in der Zahnputzfrequenz sowohl zwischen den verschiedenen Altersgruppen als auch zwischen Mädchen und Jungen konstatieren [Schenk, 2007].

Längeres Putzen bedeutet weniger Plaque

Die Studie von Brandenbusch et al. [1999] bestätigte, dass bei Kindern mit mittelmäßiger oder schlechter Mundhygiene das Kariesrisiko über sechsfach höher war als bei Kindern mit guter Mundhygiene. Die Studie zeigte ebenfalls, dass bei Kindern ohne ein systematisches Zähneputzen das Risiko doppelt so hoch war. Leal et al. [2002] wiesen nach, dass bei denjenigen Kindern, denen die Instruktion zur Putztechnik individuell gezeigt wurde, die meiste Plaque reduziert wurde. Zudem putzten diese Kinder im Gegensatz zu den Kindern, denen das Zähneputzen audiovisuell oder durch das Vorzeigen am Modell beigebracht wurde, ihre Zähne effektiver.

Dauert das Zähneputzen 180 Sekunden, wird 55 Prozent mehr Plaque entfernt als bei nur 30 Sekunden [Creeth, 2009]. Pujar [2013] zeigte ebenso eine effizientere Plaqueentfernung in Abhängigkeit von der längeren Putzdauer: Bei sechsjährigen Kindern konnten bereits nach zweieinhalb Minuten eine Plaquereduktion von 82 Prozent erreicht werden.



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