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16.08.13 / 00:01
Heft 16/2013 Politik
19. IZZ-Presseforum in Freiburg

Keine Tücke mit der Lücke

Die moderne Zahnmedizin kann unterschiedliche Lösungen anbieten, um eine Zahnlücke zu schließen. Vier verschiedene Disziplinen des Departments für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Freiburg zeigten beim19. IZZ-Presseforum am 12. Juli 2013 ihre innovativen Therapiemöglichkeiten.



Unter der Leitung von Johannes Clausen (r.) diskutierten Dr. Ute Maier und Dr. Udo Lenke (m.) mit Dr. Wolfram Weimer über gesellschafts- und gesundheitspolitische Themen. Foto: IZZ

Anhand von Beispielen zeigten die Referenten beim Presseforum des Informationszentrum Zahngesundheit Baden-Württemberg (IZZ) den 25 Journalisten ihre Lösungen. Wie wichtig die Versorgung einer Zahnlücke selbst im Seitenzahnbereich ist, machte der Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Udo Lenke, deutlich. Er verwies darauf, dass das Gebiss auf Veränderungen auch reagiere. Fehle etwa ein Zahn und damit der Gegenkontakt beim Zubeißen, wachse er aus seiner Reihe heraus. Dies könnte zu Fehlstellungen und zu schwer zugänglichen Nischen führen, was wiederum die Bildung von bakteriellem Zahnbelag begünstige.

Prof. Dr. Elmar Hellwig, Ärztlicher Direktor der Klinik für Zahnheilkunde und Parodontologie des Universitätsklinikums Freiburg, der die Tagung leitete, unterstrich die Verschiedenheit der Angebote in der Zahnmedizin. So sei ein Lückenschluss etwa auch durch ein kieferorthopädisches Verfahren sowohl für Kinder als auch für Erwachsene möglich, berichtete etwa Prof. Dr. Britta Jung von der Abteilung Kieferorthopädie der Zahnklinik Freiburg. Neuartige Behandlungsmöglichkeiten wie die skelettale Verankerung und das Gaumenimplantat würden dabei helfen, die Zahnreihe wieder zu komplettieren.

Dr. Stefanie Feierabend von der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie, betonte, dass es in der Kinderzahnheilkunde immer auch eine Ermessungsfrage sei, ob, wann und wie man eine Zahnlücke im Milch- und Wechselgebiss behandelt. Im Wechselgebiss führten Karies und verschiedene Arten des Frontzahntraumas sowie Nichtanlagen von Zähnen zu einer Lückenbildung. Auch eine Hypomineralisation der ersten bleibenden Molaren führe oft zu einer Extraktion der bleibenden Zähne.

Die Ästhetik als einer von vielen Gesichtspunkten für eine Restauration eines Gebisses war ein Aspekt des Vortrags von PD Dr. Wael Att, Oberarzt in der Klinik für Zahnärztliche Prothetik an der Universität Freiburg. Werden Menschen älter, verändere sich als Folge des erschlaffenden Gewebes der Lippen die Sichtbarkeit der Zahnreihen, die sogenannte ’Lachlinie’ verschiebe sich. Minimalinvasive vollkeramische Restaurationen könnten hier zum Tragen kommen, so Att.

Dr. Tabea Flügge, von der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie erklärte, dass in der Implantologie der Knochen wieder aufgebaut werden könne, wenn der Kiefer so weit atrophiert sei, dass keine Implantate darin verankert werden könnten, oder wenn ein funktionell und ästhetisch befriedigendes Ergebnis ohne Knochenaufbau nicht erreicht werden könnte. Die Richtung und das Ausmaß des Knochenabbaus bestimmten, welches chirurgische Verfahren und welches Material für den Aufbau eingesetzt werden.

Als Kontrapunkt zu den Fachvorträgen referierte der Verleger und Publizist Dr. Wolfram Weimer über „Subsidiarität und Solidarität in einer bemutternden Medienrepublik“, wobei er beklagte, dass die Subsidiarität immer weiter in die Defensive gedrängt werde zugunsten eines sich vielfach einmischenden Staates. Die Medien, so Weimer selbstkritisch, spielten hier bisweilen eine unrühmliche Rolle, weil sie sich daran beteiligen würden.

In einem vom Leiter des IZZ, Johannes Clausen, moderierten „Round table“-Gespräch diskutierten Weimer und der IZZ Verwaltungsratsvorsitzende, Dr. Udo Lenke sowie die stellvertretende IZZ-Verwaltungsratsvorsitzende und Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, Dr. Ute Maier, dann über Solidarität und Subsidiarität im bundesdeutschen Gesundheitssystem. Besonders die von den Oppositionsparteien ins Spiel gebrachte Bürgerversicherung wurde hierbei einer kritischen Prüfung unterzogen. Die Diskutanten waren sich einig, dass diese Form der Einheits-Krankenversicherung untauglich ist für ein nachhaltig agierendes Gesundheitssystem.



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