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01.12.15 / 00:03
Heft 23/2015 Gesellschaft
Zahnärztliche Versorgung in Afghanistan

Keine Zeit für den Goldstandard

Oralchirurg Marcus Stoetzer war drei Monate im Feldlager von Marzar e Sharif, dem größten der Bundeswehr außerhalb Deutschlands. Er beschreibt die Arbeitsbedingungen in der Sanitätseinrichtung bei der Versorgung der multinationalen Einsatztruppe. Doch wenn der Patient im Einsatz ist, muss die Therapie warten – oder provisorisch bleiben.




Die Bundeswehr beschäftigt zurzeit etwa 410 Zahnärzte im Sanitätsoffiziersdienst, davon 36 Fachzahnärzte für Oralchirurgie. Diese sind überwiegend in sogenannten regionalen Sanitätseinrichtungen und Bundeswehrkrankenhäusern sowie gelegentlich in höheren Kommandobehörden tätig.

Mit der Erkenntnis, dass Verletzungen im Kiefer- und Gesichtsbereich im Rahmen von Auslandseinsätzen nicht wegzudenken sind, ist das Fachgebiet der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) vermehrt in den Fokus der sanitätsdienstlichen Führung gerückt. Recht schnell musste eine Lösung gefunden werden, wie man die Versorgung von Soldaten mit Mund-, Kiefer- und Gesichtsverletzungen – zumindest die primäre Stabilisierung – gewährleisten konnte. So kam es zur Implementierung der Fachzahnärzte für Oralchirurgie in den Sanitätsdienst der Bundeswehr.

Diese konnten zudem schneller als Kieferchirurgen ausgebildet werden, da keine Doppelapprobation notwendig und die Facharztausbildung kürzer ist. Auf dieser Grundlage hat die Bundeswehr neben dem „normalen“ Sanitätsoffizier Zahnarzt zusätzlich die Gruppe der Oralchirurgen als festen Bestandteil des zahnärztlichen Dienstes installiert. Diese werden vor allem dann eingesetzt, wenn mit einem erhöhten Versorgungsbedarf an MKG-Patientengut zu rechnen ist, in der Regel in der aktiven Phase des Einsatzes.

Sie erledigen dann neben dem Alltagsgeschäft eines Zahnarztes die speziellen Aufgaben im Hinblick auf die Versorgung von Patienten mit Verletzungen aus dem Bereich der MKG. Dabei arbeitet der Oralchirurg eng mit den anderen chirurgischen Disziplinen zusammen und sichert die Herstellung der Transportfähigkeit (Repatriierung) der Soldaten. Im Heimatland übernehmen Oralchirurgen Aufgaben, die denen der zivilen Kollegen vergleichbar sind.



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