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16.02.03 / 00:13
Heft 04/2003 Politik
Neujahrsempfang von BZÄK und KZBV in Berlin

Klares Votum für einen Kurswechsel

So zahlreich waren sie noch nie erschienen: Rund 450 Gäste aus Politik, Ministerien, Verbänden, ärztlichen, zahnärztlichen und weiteren Organisationen kamen in die Parlamentarische Gesellschaft am Reichstag, um einen konstruktiven Dialog miteinander zu führen. Die klare Meinung: Ein Kurswechsel im Gesundheitswesen ist unausweichlich.




Mit dem diesjährigen Neujahrsempfang am 28. Januar in Berlin konnten die Gastgeber, der federführende Organisator und BZÄK-Präsident Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, und der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Rolf-Jürgen Löffler, wieder einmal einen vollen Erfolg verbuchen: Die Anwesenheit zahlreicher prominenter Gäste dokumentierte, dass die Veranstaltung der Zahnärzte als Kommunikationsplattform geschätzt und genutzt wird. Gerade im Vorfeld der beiden anstehenden Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen war das Thema Gesundheitspolitik besonders spannend.

„Wir möchten mit diesem Abend den Dialog erleichtern“, führte Dr. Dr. Weitkamp in die Gespräche ein. Er unterstrich die Notwendigkeit, das Gesundheitswesen mehr zu gestalten statt zu steuern. „Die Zahnärzteschaft sieht sich bei einer Neugestaltung in einer starken Position.“ Hohes Ansehen bei den Patienten und eine große Fachkompetenz zeichne den Berufsstand aus. Bestrebungen hinsichtlich einer Zwangsfortbildung erteilte er eine klare Absage. Und: „Der jetzigen Systematik fehlt es an innerer Logik, an klarer Struktur und damit auch an vielen Stellen an einer wirklich sozialen Basis.“ Die zahnärztlichen zukunftsweisenden Reformvorstellungen seien von exzellenten Fachleuten und unabhängigen Wissenschaftlern begleitet.

Dr. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, trug aus Sicht der Regierung vor, welche Ziele hinsichtlich der anstehenden Reform im Gesundheitswesen als vorrangig betrachtet werden: Das solidarische Gesundheitswesen müsse auch in Zukunft bestehen, die Qualität im System müsse erhöht werden und das Solidaritätsprinzip auch für die Zahnheilkunde erhalten bleiben, betonte er. In seiner engagierten Rede bekannte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion Horst Seehofer ganz offen, dass es in 25 Jahren des staatslenkenden Eingreifens in das Gesundheitswesen nicht gelungen sei, das herrschende System tatsächlich gangbar zu machen. Er forderte, mit der Planwirtschaft endlich Schluss zu machen, mehr Eigenverantwortung und Selbstbeteiligung einzuführen und eine Reform aus einem Guss zu schaffen. Die Opposition sei zur Kooperation bereit. „Wir wollen motivierte Freiberufler“, betonte er.

Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt sprach sich mit deutlichen Worten gegen die aktuelle Regierungspolitik aus und gab eigene Fehler in der Vergangenheit zu. „Die Bundesregierung muss eine Kurskorrektur vornehmen“. Wettbewerb, Selbstverantwortung und Wahlmöglichkeiten seien die Schlüsselbegriffe. Die Budgetierung und Reglementierung freier Berufe müsse ein Ende haben. Der KZBV-Vorsitzende Dr. Löffler griff den Faden auf und betonte den Aspekt des Freiheitlichen. „Wir wünschen uns den Patienten als Mensch, der Eigenverantwortung hat“, sagte er an die Politik gerichtet. Er unterstrich die Bedeutung eines intakten und auf Vertrauen basierenden Zahnarzt-Patienten-Verhältnisses, das nur in einem System ohne Zwang und Reglementierung gedeihen könne. „Wir Zahnärzte bieten an, mitzuhelfen, diese Freiheiten für den Berufsstand wie auch für alle Bürger umzusetzen“.

Seitens der Zahnärztekammer Berlin hieß Kammerpräsident Dr. Christian Bolstorff die Gäste willkommen. Mit Stolz berichtete er über die Erfolge der Obdachlosenpraxis in der Stadt und forderte die Dentalfamilie auf, sich hier weiter zu engagieren. Politisch hoffe er auf schnelle Reformen speziell auch für die Belange der Zahnmedizin.

Der Abend klang aus mit viel informellem Austausch und mit Hintergrundgesprächen – das Forum der Zahnärzte für Meinungsmacher in Politik und Verbänden wurde intensiv genutzt.



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