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16.12.08 / 00:13
Heft 24/2008 Politik
Brandenburgischer Zahnärztetag

Klartext und Keramik in Cottbus

Mit deutlichen Worten zur GOZ haben Dipl.-Stom. Jürgen Herbert, Präsident der Landeszahnärztekammer Brandenburg (LZÄKB), und Dr. Gerhard Bundschuh, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Land Brandenburg (KZVLB), den diesjährigen Zahnärztetag in Cottbus eröffnet. Das Thema „Vollkeramik – schon Standard für die zahnärztliche Praxis?“ lockte über 1 000 Fachbesucher an die „Kante von Deutschland“.




„Ich hätte gerne eine gescheite und schlanke Gebührenordnung“, sagte LZÄKB-Präsident Jürgen Herbert bei der festlichen Eröffnung des 18. Brandenburgischen Zahnärztetages in Cottbus. Den vorliegenden Referentenentwurf der GOZ wertete er als „Affront gegen die Zahnärzteschaft“ und sprach von einer „schier endlosen Bematisierung und Bürokratisierung“. Er hoffe jedoch, dass der Entwurf noch angepasst werde, betonte Herbert. Zudem appellierte er an die anwesenden Kollegen: „Nur gemeinsam sind wir stark.“

Einigkeit forderte auch KZVLB-Vorstand Dr. Gerhard Bundschuh: „Wir brauchen endlich eine Angleichung der Honorare der jungen und der alten Länder.“ Dies jedoch dürfe nicht zulasten der Westkollegen gehen. „Der gesamte zahnärztliche Berufsstand ist an die Grenze seiner Belastbarkeit gestoßen“, erklärte er. Die Politik erinnere er an „die Leistungen in Millionenhöhe, die die Zahnärzte umsonst erbringen“.

Von Gesundheitssystem über demografischen Wandel und Familienpolitik bis hin zu Entbürokratisierung und Arbeitsmarktpolitik benannte der Mainzer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Falter in seinem Festvortrag insgesamt zehn Baustellen, die die Große Koalition zu ihrem Start im Jahr 2005 objektiv auf der Agenda gehabt habe. „Das Fazit ist gemischt“, analysierte Falter. Die Leistungen der Großen Koalition seien besser gewesen als von vielen erwartet – wie zuletzt in der Finanzkrise. Weniger positiv fiel sein Urteil zu den Reformen im Gesundheitswesen aus. Der Fonds habe unendlich viele Nachteile, sagte er.

Erfolge und Misserfolge

Neben den neuen Strukturen im Gesundheitssystem thematisierte Winfried Alber, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg, die Bedeutung der zahnmedizinischen Versorgung für die Bevölkerung. „Die Zahnmedizin ist ein Paradebeispiel für erfolgreiche Prävention“, lobte er das Engagement des Berufsstandes. Er freue sich über die feste und bewährte Zusammenarbeit mit seinem Ministerium. Zudem dankte Alber der Zahnärzteschaft dafür, dass sie die Fortbildung sehr ernst nimmt. Davon zeuge auch der Erfolg der traditionsreichen Tagung, betonte er.

In diesem Jahr sprachen am 14. und 15. November Referenten aus Deutschland und der Schweiz über vollkeramische Restaurationen. Keramik sei nicht nur ästhetisch sinnvoll, sondern auch biokompatibel, betonte Tagungsleiter Prof. Dr. Peter Pospiech, Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde des Universitätsklinikums des Saarlandes. Außerdem diene sie dem Erhalt oraler Strukturen. Im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Kongresses standen daher Themen wie Werkstoffauswahl, Präparation und CAD/CAM. Darüber hinaus ging es um Tücken und Misserfolge sowie um Fragen wie „Ist Weiß gleich schön?“.

Neben Zahnärzten und Zahntechnikern aus Brandenburg und anderen Bundesländern besuchten laut Veranstalter rund 500 Zahnmedizinische Fachangestellte Vorträge, Seminare und die Dentalausstellung in der Cottbuser Messe.



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