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16.03.13 / 12:20
Heft 06/2013 Gesellschaft
Die Ethikuniversität für junge Erwachsene

Kompetentere Patienten



Praktische Demonstrationen am Rande der Ethikuniversität. Foto: Medizinische Hochschule Hannover

Die Medizinische Hochschule Hannover hat im letzten halben Jahr das Pilotprojekt „Ethikuniversität“ für Schüler aus dem Bereich der Sekundarstufe II angeboten. Diese konnten mit Wissenschaftlern Fragen zu Themen wie therapeutisches Klonieren, Gentherapie, Stammzellforschung und Gewebezüchtung diskutieren.

Die zunehmende Alterung der Gesellschaft und die Zunahme chronischer Erkrankungen führen dazu, dass immer mehr Menschen regelmäßigen Kontakt mit Krankenkassen, Krankenhäusern, Ärzten und anderen Berufsgruppen und Einrichtungen im Gesundheitswesen haben. In diesem Kontext müssen sich Patienten und deren Angehörige mit Themen wie finanzieller Eigenbeteiligung oder alternierenden Therapiewegen beschäftigen. Eine angemessene Gesundheitsbildung, Beratung und Schulung aller Bürger beziehungsweise Patienten unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Gegebenheiten gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.

Die Patientenuniversität der Medizinischen Hochschule Hannover reagierte auf diese Situation mit einem neuen, unabhängigen, akademisch orientierten Bildungsangebot. Dazu zählt die Ethikuniversität für junge Menschen. Ziel: Bei 200 Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein fundiertes Meinungsbild zu ethischen und sozialen Fragen der Regenerativen Medizin zu erzeugen.

Aus Sicht der Hochschule ist es für junge Menschen wichtig, dass sie sich mit relevanten gesellschaftlichen Fragen rund um Gesundheit und Krankheit beschäftigen und in diesem Zusammenhang lernen, ethische Aspekte kritisch zu reflektieren und Anregungen für die eigene Urteilsbildung zu bekommen. Am Beispiel der Regenerativen Medizin, die in den vergangenen Jahren durch die Erfolge der Grundlagenforschung in den Bereichen therapeutisches Klonieren, Gentherapie, Stammzellforschung und „Gewebezüchtung“ immer wieder für kontroverse Diskussionen gesorgt hat, soll die „ethische Kompetenz“ der Teilnehmer vertieft werden.

Antje Bütehorn ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Gegenüber den zm sagte sie: „Wir haben zwei Durchgänge der Ethik-Universität mit jeweils 100 Schülerinnen und Schülern durchgeführt. Diese kamen von Gymnasien und berufsbildenden Schulen beziehungsweise Krankenpflegeschulen.“ Themen der Veranstaltungsreihe waren unter anderem fachliche Grundlagen zu Praxis und Forschung der Regenerativen Medizin, ethische Aspekte in der Stammzell- und Embryonenforschung, gerechte Forschungsförderung bei begrenzten Ressourcen und Reparaturbetrieb Mensch.

Im Rahmen der Termine werden unterschiedliche Lernformate eingesetzt. Dazu zählen von Tutoren angeleitete Kleingruppen, problemorientiertes Lernen auf der Basis von Fallstudien, interaktive Lernstationen mit Modellen oder Experimenten, Kurzfilme sowie Podiumsdiskussionen mit Experten unterschiedlicher Fachrichtungen. Die Schüler trainieren dabei ihre Fähigkeiten der Argumentation und der Reflexion.

Alle Arbeitsergebnisse werden dokumentiert und im Rahmen eines Abschlusssymposiums interessierten Mitschülern und Lehrern sowie Vertretern aus Politik, Forschung, Medizin und Selbsthilfe vorgestellt. Die Ethik-Universität wird mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt.

Info

Als Patient im deutschen Gesundheitssystem

Das Gesundheitssystem ist gegenwärtig charakterisiert durch:

• die Zuweisung von neuen Rollen und Verantwortungsbereichen für die Patienten – Patienten als gleichberechtigte Partner, Patienten als Kunden

• die wachsende Selbstorganisation und -hilfe der Patienten, einer zunehmenden Marktorientierung im Gesundheitswesen und der Herausforderung, sich in diesem Markt angemessen zu bewegen

• die zunehmende Selbstbeteiligung an den Kosten der Gesundheitsversorgung

• eine Informationsflut über Gesundheitsthemen mit gleichzeitig mangelnder Qualitätssicherung der Informationen

• die Möglichkeit, über Patientenorganisationen an Entscheidungen im Gesundheitswesen beteiligt zu werden

Quelle: Patientenuniversität an der
Medizinischen Hochschule Hannover



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