mn
16.03.05 / 00:11
Heft 06/2005 Politik
19. Berliner Zahnärztetag

Kompetenz für Medizin und Seele

„ZahnMedizin“ wieder einmal groß geschrieben: Als Novum gab es ein gut besuchtes Patientenseminar zum Thema „Seele und Zähne“ am Abend vorher, als Kür der Fortbildung den aktuellen Stand in Sachen Funktionsdiagnostik und -therapie. Der 19. Berliner Zahnärztetag am 11. und 12. Februar verdeutlichte erneut die Bedeutung des Fachs als medizinische Disziplin.




„Wenn Angst dazu führt, dass Druck zu groß wird, Menschen nicht mehr ‘funktionieren’ können“, leiden oft auch „Seele und Zähne“. Berlins Kammerpräsident Dr. Wolfgang Schmiedel verwies auf der Eröffnungsveranstaltung des Zahnärztetages auf die zunehmende Zahl von Patienten mit Myoarthropathien. Die Kammer habe gemeinsam mit den Psychotherapeuten in Berlin ein Konzept entwickelt, das die „enge interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Behandlung und Betreuung dieser Patienten gewährleisten soll“. Zum Auftakt wurde auf einem sehr gut besuchten Patientenseminar am Vorabend eine erste Informationsveranstaltung mit Vorträgen von Zahnärzten und Psychologen und der Möglichkeit weiterer Diskussion angeboten. Das Ergebnis ermutigte: Beide Kammern wollen eine gemeinsame Beratungsstelle für Patienten in Berlin einrichten.

Chance für die Hochschulen

Mit Blick auf die aktuellen Aussagen des Wissenschaftsrates zur Zahnmedizin an den Hochschulen bekräftigte der Berliner Kammerpräsident die Stellungnahmen der Präsidenten von Bundeszahnärztekammer und Deutscher Gesellschaft für Zahn-, Mundund Kieferheilkunde. Letztlich liege in der Kritik des Wissenschaftsrates durchaus die Chance, „die Effizienz von Forschung und Lehre an den nationalen Hochschulstandorten erheblich zu verbessern“. Stolz zeigte sich Schmiedel, dass die Kollegenschaft sich mit ihrer Entscheidung für das interdisziplinär wichtige Tagungsthema „Funktionsdiagnostik und -therapie“ entschieden habe.

Was die Finanzierung dieser interdisziplinären Therapien durch die gesetzlichen Krankenkassen angeht, zeigte Berlins KZVVorsitzender und Mitveranstalter Dr. Jörg- Peter Husemann weniger Zuversicht. Die Anzahl der Kiefergelenkpatienten nehme zu, die Diagnose erfordere Zeit, die wiederum für die Kassen zu hohe Kosten bedeute. Und die Kehrseite: Kiefergelenkerkrankungen als „ein lupenreines GOZThema“ seien bei vielen Zahnärzten und Patienten weniger populär.

DGZMK-Präsident Prof. Dr. Gerhard Meyer, der gemeinsam mit Prof. Dr. W. Freesmeyer die wissenschaftliche Leitung der Tagung übernommen hatte, war erfreut, dass sich über 50 Prozent der Berliner Berufskollegen in einer Umfrage für das Tagungsthema entschieden hätten: „Die Kollegen haben es verstanden, dass wir unseren Beruf interdisziplinär auffassen müssen.“ Unverständlich sei hingegen, so Meyer mit Blick auf die hochschulpolitische Lage, dass „bei der Ausbildung der Mediziner nach der neuen Approbationsverordnung nicht eine einzige Stunde Zahnmedizin mehr zur Ausbildung gehört“. Ein Vorgang, der „Angst“ mache, wo doch die Zahnmedizin sich interdisziplinär verstehe und auch verstärkt ansetze, so zu handeln.

Interdisziplinär

Nach Einführung in das Tagungsthema durch die wissenschaftlichen Leiter galt das Primat der Fortbildung: Eine interdisziplinäre Gruppe anerkannter Wissenschaftler, darunter Psychologen, Neurologen und Orthopäden, fokussierten aus ihrer jeweiligen fachlichen Sicht auf Aspekte des Generalthemas.

Berlins Zahnärzte nutzten das breit präsentierte Wissen wie gewohnt zur Fortbildung und intensiven Diskussion. Eine Einstellung, mit der sich weite Teile des Berufsstands laut DGZMK-Präsident Meyer von der Sachlage in der Medizin unterscheiden: „Der Fortbildungswillen in der Zahnmedizin auf eigene Kosten ist in der Medizin nicht so vorhanden.“



Mehr zum Thema


Anzeige