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01.09.03 / 00:13
Heft 17/2003 Medizin
Kompressionstrümpfe

Kompressionstherapie bei langem Stehen und Sitzen

Langes Sitzen und langes Stehen, wie es auch für den Zahnarztberuf typisch ist, fördert das Auftreten venöser und bei entsprechender Disposition auch lymphologischer Erkrankungen.



Die Fertigung der Strümpfe, egal ob als Standardware oder maßgefertigt, bleibt für die Hersteller eine Herausforderung. Foto: Jobst

Vor allem Venenerkrankungen, vom Besenreiser über Krampfadern, und die chronisch venöse Insuffizienz bis hin zum Ulkus cruris, dem „offenen Bein“, sind in der Bevölkerung weit verbreitet, wie bei einem „Tag der offenen Tür“ des Unternehmens Jobst in Emmerich dargestellt wurde: Rund jeder zweite Bundesbürger klagt demnach regelmäßig über schwere und müde Beine und rund 20 Prozent der Bevölkerung sollten den Schätzungen der Experten zufolge wegen einer manifesten Venenerkrankung einen Kompressionsstrumpf tragen.

Lymphgefäßerkrankungen sind ebenfalls weit verbreitet, und auch bei ihnen ist die Kompressionstherapie eine zentrale Säule der Behandlung. Immerhin zwei Prozent der Bevölkerung sind betroffen, bei rund 14 Prozent bestehen Hinweise auf eine beginnende Lymphabflussstörung. Sehr häufig handelt es sich um Patienten nach einer Krebsoperation und vorwiegend um Frauen nach einer Brustkrebsbehandlung. „Wir brauchen aber noch deutlich mehr Aufklärung zu den Lymphödemen wie auch zu den Lipödemen, ihrer Erkennung und ihrer Therapie, und hier insbesondere zur Bedeutung der Kompressionsbestrumpfung“, erklärte Eva Bimler als Bundesvorsitzende der „Lymphselbsthilfe“ in Emmerich.

Wirkung der Kompressionsstrümpfe

Denn obwohl das Tragen von Kompressionsstrümpfen Grundlage bei der medizinischen Behandlung phlebologischer und lymphologischer Erkrankungen ist, gibt es im Alltag doch immer wieder Schwierigkeiten. „Das liegt in erster Linie daran, dass diese Therapie von den Patienten oft nicht akzeptiert wird“, berichtete Thomas Terwey vom Unternehmen Jobst. Ursache hierfür sei nicht selten ein nicht optimal angepasster Kompressionsstrumpf, ein unzureichender Tragekomfort oder eine für den Patienten optisch nicht vertretbare Qualität. „Die Kompressionsstrümpfe müssen medizinisch hochwertig sein, passgenau und sie müssen einen hohem Tragekomfort und modische Eleganz aufweisen, damit diese Behandlungsform die notwendige Akzeptanz findet“, erklärte Terwey. Eine optimale Versorgung ist nach seinen Worten nur zu gewährleisten, wenn die Kompressionstrümpfe in einem Sanitätshaus mit entsprechender Expertise angepasst werden. Auch die Fertigung der Strümpfe, egal ob als Standardware oder maßgefertigt, bleibt für die Hersteller eine Herausforderung.

Es wird dabei ein breites Sortiment an Kompressionsstrümpfen angeboten, vom Kniestrumpf bis hin zum Spezialstrumpf, zum Beispiel als Strumpfhose für Schwangere, und das in unterschiedlichsten Qualitäten entsprechend der individuellen Bedürfnisse. So gibt es eine spezielle Produktlinie für Männer, eine blickdichte Ware sowie eine Produktlinie mit besonders hohem Tragekomfort und einen innovativen Strumpf für die Versorgung von Patienten mit Ulkus cruris. Die meisten Strümpfe stehen zudem in verschiedenen Farben zur Verfügung und es gibt nach Terwey auch die Möglichkeit der Maßanfertigung, was insbesondere bei Patienten mit lymphologischer Erkrankung sowie solchen mit besonders schwerer Venenerkrankung genutzt wird. Wird der Strumpf optimal angepasst, so gewährleistet er nach Terwey einen optimalen Druckaufbau entlang des Beines und unterstützt zudem über eine Mikromassage durch das Gestrick den normalen Abfluss der Lymphe.

Wie bedeutsam eine Kompressionstherapie mit qualitativ hochwertigen und passgenauen Strümpfen ist, machte in Emmerich Dr. Etelka Földi von der Fachklinik für Lymphologie in Hinterzarten deutlich: „Die Kompressionstherapie ist schon seit dem Altertum bekannt und ist auch heutzutage noch von zentraler Bedeutung bei der Behandlung venöser und lymphatischer Erkrankungen. Sie wirkt dem Fortschreiten solcher Erkrankungen eindeutig entgegen“, so die Medizinerin. Der genaue Wirkmechanismus ist nach ihren Worten noch nicht bis in alle Einzelheiten bekannt. „Aber wir wissen sicher, dass die Kompressionstherapie mehr bewirkt als nur eine Entstauung“, so Dr. Földi. Vielmehr komme es zu mechano-biologischen Effekten im Gewebe, die jedoch wissenschaftlich noch nicht genau verstanden werden.

Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
50735 Köln



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