Roland Frankenberger
16.11.12 / 12:50
Heft 22/2012 Titel
Fortbildungsteil 2/2012

Korrektur zahnärztlicher Restaurationen



Minimal-Invasivität bedeutet nicht nur eine defektorientierte, schonende Präpa-ration, echte Minimal-Invasivität beginnt schon bei der schonenden Exkavation. Darüber hinaus sind neben der Präparation jedoch auch die Nachhaltigkeit der restaurativen Therapie und nicht zuletzt die Reparabilität entscheidend für das Gesamtbild. Andernfalls kostet die oft routinemäßige Kompletterneuerung farblich perfekt adaptierter Restaurationen viel zu viel gesunde Zahnhartsubstanz. Daher beschäftigt sich der vorliegende Beitrag mit der Reparatur/Korrektur zahnärztlicher Restaurationen.




Bei aller Begeisterung für die modernen Techniken zur indirekten und direkten Restauration mittels Adhäsivtechnik sind manchmal auch Misserfolge zu verzeichnen, die aber bei der Weiterentwicklung der restaurativen Verfahren helfen können.

Auch wenn der erfahrenste Behandler am Werk ist, selbst geringe Misserfolgsraten [Manhart et al., 2004] sind im Einzelfall unangenehm. Denn im Rahmen der Adhäsiven Zahnheilkunde ist eine komplette Neuanfertigung sowohl mit erhöhtem Zeitaufwand als auch mit einem erhöhten Risiko der Mitentfernung gesunder Zahnhartsubstanz verknüpft.

Minimal-Invasivität ist ein positiv belegter Terminus. Aber echte Minimal-Invasivität ist nur dann wirklich erreicht, wenn neben der schonenden Exkavation und der defektorientierten Präparation nachhaltig restauriert wird und im Versagensfall ernsthaft über eine Reparatur/Korrektur nachgedacht wird, anstatt einfach draufloszubohren und die zuvor geschonte, gesunde Zahnhartsubstanz zu entfernen.

Aber die Adhäsive Zahnmedizin wiederum erlaubt es, zahnärztliche Res-taurationen zu reparieren, ohne gleich eine substanzraubende Neuanfertigung durchführen zu müssen.

Hauptgrund für neue Restaurationen aller Art ist noch immer die insuffiziente präexistente Restauration und nicht die primäre kariöse Läsion [Mjör, 1997]. Daher ist nicht die minimal-invasive Primärversorgung, sondern die Wiederholungsfüllung das „tägliche Geschäft“ eines in der Zahnerhaltung tätigen Zahn-arztes [Mjör, 1997]. Die Bedeutung der sogenannten „Re-Dentistry“ (Füllungsaustausch) zeigt sich daran, dass im Leben eines Menschen dann die meisten Füllungen ausgetauscht werden, wenn er den Wohnort (und somit den Zahnarzt) wechselt, da fremde Füllungen eher als insuffizient betrachtet werden als die eigenen. Somit führt ein Wohnortwechsel öfter zum Austausch von Restaurationen (Abbildung 1).

Leider existieren zur Korrektur und Reparatur zahnärztlicher Restaurationen jedoch nicht viele Empfehlungen und schon gar keine Leitlinien. Noch immer wird die Auffassung vertreten „wenn die Restauration insuffizient ist, wird sie komplett entfernt“. Nicht zuletzt deswegen werden Füllungsreparaturen von vielen Kollegen als „Pfusch“ betrachtet. Natürlich ist bereits die Primärrestauration eine Reparatur (des kariösen Defekts) und die Reparatur einer Reparatur erscheint unlogisch oder mit dem Qualitätsbewusstsein mancher Zahnärzte nicht vereinbar.

Zu diesem Problem sind jedoch zwei wich-tige Aspekte anzumerken:

• Bei der Erneuerung einer Füllung wird stets ein erhebliches Maß an gesunder Zahnhartsubstanz geopfert, besonders bei zahnfarbenen Restaurationen wie Kompositfüllungen oder Keramikinlays/-onlays/Kronen (Abbildung 2). Ein aktiver Umgang mit der Indikationsstellung in Richtung komplette Neuanfertigung führt somit exakt zum Gegenteil dessen, was die minimal-invasive Zahn-medizin eigentlich erreichen will: nämlich den maximalen Erhalt der Zahnhartsubstanzen.

• Der Hang, sich vorschnell zu einer kompletten Neuanfertigung zu entschließen, ist auf übertriebenen Lebensdauerannahmen zahnärztlicher Restaurationen begründet („meine Füllungen halten länger“) [Krämer et al., 2005]. Lebensdaueranalysen zeigen heute jährliche Verlustquoten zwischen einem Prozent (Vollgusskrone) bis drei Prozent (Amalgam- oder Kompositfüllung) als Qualitätskrite- rium auf [Manhart et al., 2004].



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