sg
16.10.13 / 00:01
Heft 20/2013 Praxis
Investieren in Wasser

Kostbares Nass

Die Versorgung mit Wasser ist ein weltweites Problem. Knappe Ressourcen und eine stetig wachsende Bevölkerung verlangen nach Lösungen. Große Investitionen in Aufbereitung, effiziente Technologien und Versorgungssysteme bergen Chancen auch für Anleger, die Wert auf ein gutes Gewissen legen.




Die UN hat das Jahr 2013 zum Jahr des Wassers erklärt. Zusätzlich ist der 13. März in jedem Jahr weltweit dem Thema Wasser gewidmet. So hat es die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1993 in Rio de Janeiro beschlossen. 2013 heißt das Thema „Wasser und Zusammenarbeit“. Anlass ist die Tatsache, dass es weltweit 276 grenzüberschreitende Flüsse gibt, in deren Einzugsgebiet mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt. Für die Hälfte der Flüsse gibt es keine internationalen Vereinbarungen zur Bewirtschaftung. Das heißt, die Anrainer bedienen sich ohne Rücksicht auf diejenigen, die am Unterlauf des Flusses leben. Wichtige Flüsse wie der Colorado in den USA, der Gelbe Fluss in China oder der Rio Grande in Mexiko erreichen das Meer oft nur als Rinnsal. Auch die 273 grenzüberschreitenden Grundwasserspeicher werden in den meisten Fällen ohne Absprachen von den Anwohnern genutzt.

Doch jeder Mensch hat ein Recht auf Zugang zum Wasser, denn ohne Wasser gibt es kein Leben. Das grundsätzliche Problem ist es, allen Menschen diesen Zugang zu erschwinglichen Preisen zu ermöglichen. Das sagt auch Roland Bernecker, Generalsekretär der deutschen Unesco-Kommission:

„Wasser gibt es weltweit genug. Es ist jedoch ungleich verteilt. Oft wird Wasser auch gedankenlos verschwendet, weil es vielerorts nur wenig kostet.“

So können sich zum Beispiel die Österreicher wie im Paradies fühlen, denn bei 50 Prozent von ihnen fließt reines Quellwasser aus dem häuslichen Wasserhahn. Dagegen haben immer noch rund 800 Millionen Menschen weltweit überhaupt keinen Zugang zu frischem Wasser und 2,5 Milliarden Menschen verfügen nicht über annehmbare sanitäre Einrichtungen.

Kein Geld für die Infrastruktur

Global gesehen leidet die Wasserinfrastruktur darunter, dass zu wenig in sie investiert wird. Das gilt bei Weitem nicht nur für die Trockenzonen Afrikas, die Slums in Kalkutta oder die weiten Landstriche Chinas. Auch in Deutschland gibt es trockene Gebiete, in denen Wassermangel herrschen würde, gäbe es keine Versorgungssysteme. So beziehen Stuttgart und weite Teile der schwäbischen Alb, in deren Kalkgestein sich das Wasser nicht ablagern kann, seit mehr als 50 Jahren über ein 1 700 Kilometer langes Leitungssystem Wasser aus dem Bodensee.

Hochentwickelte Länder wie die USA oder Großbritannien weisen starke Mängel bei der Infrastruktur der Wasserversorgung auf. So gehen dort bis zu 50 Prozent des Trinkwassers in maroden Leitungen verloren, bevor es den Wasserhahn erreicht. Allein im Großraum London versickern pro Tag circa 900 Millionen Liter Wasser. In New York beispielsweise rauscht das kostbare Nass teilweise noch durch 100 Jahre alte Holzrohre. „Allein in den USA besteht ein Investitionsbedarf von 1 000 Milliarden Dollar in den nächsten 25 Jahren. Das sind pro Jahr 40 Milliarden Dollar“, weiß Felix Schnella, Fondsmanager des Ökoworld Wasserfonds Water for Life.

Bereits von einer Wasserkrise sprechen Experten in China. Verseuchtes Wasser und Wassermangel sind dort die Probleme. Das rasante Wirtschaftswachstum hat dem Land nicht nur großen Reichtum, sondern auch massive Umweltprobleme gebracht. Zu Beginn des Jahres der Wasserschlange hat die chinesische Regierung eine Reihe von Richtlinien zur Wassernutzung und zum Schutz der Ressourcen erlassen. So soll zum Beispiel in der am stärksten industrialisierten Provinz Jiangsu der Wasserverbrauch in den nächsten fünf Jahren um durchschnittlich 1,8 Prozent pro Jahr reduziert werden. Junwei Hafner-Cai, Analystin beim schweizerischen Wasserfonds RobecoSAM Sustainable Water, folgert: „Deshalb bedarf es geeigneter unternehmerischer Lösungen für einen effizienten Wassereinsatz.“ Das heißt, vor allem Unternehmen, die sich mit der Aufbereitung von Wasser und dem sparsamen Umgang mit Wasser auskennen, dürfen auf Aufträge hoffen. Den Vorzug bekommen natürlich die Firmen vor Ort.

Tote durch unzureichende Hygiene

Ein weiterer Bereich mit hohem Investitionsbedarf ist die sanitäre Versorgung. Jeden Tag sterben weltweit 6 000 Kinder an Erkrankungen, die auf eine unzureichende sanitäre Versorgung, mangelhafte Hygiene und verschmutztes Wasser zurückzuführen sind. Ein Millennium-Entwicklungsziel sieht vor, die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu einer sanitären Grundversorgung haben, bis 2015 zu halbieren. Das reicht bei Weitem nicht. So haben zum Beispiel in Brasilien 82 Prozent der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser, aber nur 51 Prozent sind an die Abwassersysteme angebunden, im Norden des Landes sind es sogar nur 20 Prozent. Auch in den Städten kann die Versorgung mit dem Bevölkerungswachstum nicht mithalten. Für den Schutz der menschlichen Gesundheit aber ist der Ausbau der Abwassersysteme unerlässlich. Dazu Hafner-Cai: „Entsprechend vielversprechend sind die Aussichten für Anbieter von Abwasserbehandlungstechnik.“

Schnella vom Water-for-Life-Fonds geht davon aus, dass „es vor allem auch in den Schwellenländern zu einem rasant steigenden Wasserverbrauch kommt. Denn mit steigendem Einkommen wachsen auch die Ansprüche an die Wasserqualität“. Die öffentliche Hand ist in diesen Ländern mindestens so überfordert wie hierzulande. Deshalb hängt es an den privaten Unter-nehmen, wie schnell die Wasser- und die Abwasserversorgung weiträumig installiert werden. Schnella setzt dabei unter anderen auf Unternehmen in Thailand, auf den Philippinen oder in Brasilien.

Zu seinen Favoriten gehören die Wasserversorger Beijing Enterprise Water (China) oder Sabesp (Brasilien). Letzterer versorgt mehr als 24 Millionen Menschen mit Trinkwasser und managt das Abwasser von über 21 Millionen Menschen. Ziel des Unternehmens ist es, weiterhin allen Menschen in seinem Einzugsgebiet Zugang zu Wasser zu ermöglichen. In den vergangenen zehn Jahren konnte das Unternehmen die Wasserverluste um über acht Prozent auf fast 25 Prozent reduzieren. Neben der weiteren Reduktion der Verluste fokussieren sich die Investitionen der nächsten Jahre auf die Kanalisation. Bis 2020 soll das Abwasser von mindestens 95 Prozent der Kunden aufbereitet werden. Heute sind es nur 80 Prozent. Europas führender Sanitärtechniker ist die schweizerische Firma Gerberit. Sie hat sich ganz besonders den zurückhaltenden Umgang mit der Ressource Wasser auf die Fahnen geschrieben. Das gilt für die Technologie sowie für die Produktionsverfahren.

Die Wichtigkeit von Entsalzungsanlagen

Ein besonderer Wachstumsmarkt ist die Entsalzung. Beträgt doch der Anteil von Süßwasser an den gesamten Wasservorräten der Erde gerade mal 2,5 Prozent. Besonders Regionen mit hoher Trockenheit und geringem Grundwasservorkommen können ohne diese Technik kaum überleben. Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Emirate hätten ohne Entsalzungsanlagen ihren wirtschaftlichen Aufschwung nicht geschafft.

In diesen Gebieten werden in den nächsten Jahren gigantische Investitionen in diese Technik erfolgen, gefolgt von China und Australien. In Singapur kommen schon jetzt 30 Prozent des Trinkwassers aus dem Meer. Der Anteil soll auf 50 Prozent wachsen. Der Wert einer Anlage liegt zwischen 75 und 500 Millionen Dollar. Zu den größten Produzenten gehören die französischen Versorger Veolia und Suez Environnement, der koreanische Baukonzern Doosan und der US-Gigant General Electric.

Zu einem weiter gefassten Verständnis vom schonenden Umgang mit der endlichen Ressource Wasser gehört das Thema Landwirtschaft. Die häufig von den Bauern eingesetzten Pestizide etwa gefährden das Grundwasser. Das bedingt eine besonders aufwendige Aufbereitung. So gehören nach Meinung von Schnella die Hersteller von Biolebensmitteln in einen Wasserfonds. Auch der Umgang mit Rohstoffen wirkt sich auf die Nutzung des blauen Golds aus. So wird beim Recycling von Kunststoffen weniger Wasser verbraucht als bei der Neuproduktion.

Die Ratingagentur Scope sah das vor Kurzem durchaus kritisch. Sie bemängelte bei den auf Wasser spezialisierten Fonds: „Das Problem ist, dass es kaum Unternehmen gibt, deren Geschäftsbereich einzig und allein beim Wasser liegt. Somit besteht die Gefahr der Verwässerung des eigentlichen Investments.“ Viele dieser Themenfonds – dazu gehören der Ökoworld Water for Life, der Pictet Water Fonds und der RobecoSAM Sustainable Water – haben die Portfolios nachhaltig ausgerichtet. Sie wählen je nach dem, wie streng die selbst auferlegten Kriterien sind, nur nachhaltig arbeitende Firmen aus.

Tabu sind zum Beispiel solche, die im Bereich Kernkraft arbeiten. Alle Aktien durchlaufen eine aufwendige Prüfung, bevor das Fondsmanagement sie ins Portfolio nehmen darf.

Pictet arbeitet in diesem Punkt mit der Schweizer Anlagestiftung Ethos zusammen. Ökoworld hat seine Management- und Nachhaltigkeitsbereiche getrennt: Die Fonds residieren in Luxemburg, die Nachhaltigkeitsprüfung findet in Hilden statt. Hinter RobecoSAM verbirgt sich der ehemalige Schweizer Vermögensverwalter für nachhaltige Geldanlagen Sam. Er wurde vom niederländischen Finanzdienstleister Robeco übernommen. Sie alle sorgen dafür, dass möglichst keine Unternehmen Zugang ins Portfolio finden, die Kinderarbeit dulden oder deren Arbeitsstandard unbefriedigend ist.

Bei der Auswahl der Aktien setzt Pictet auf Unternehmen, die sich ausschließlich mit dem Thema Wasser beschäftigen, Ökoworld fasst den Investitionsbereich größer und RobecoSAM richtet seine Investitionen ebenfalls entlang der gesamten Wertschöpfungskette Wasser aus.

Ebenfalls der Nachhaltigkeit bei der Auswahl der Aktien haben sich die Wasserfonds von Swisscanto, der belgische KBC Eco Fund Water und der Tareno Waterfunds vom schweizerischen Vermögensverwalter Tareno AG verschrieben. Die beste Performance lieferten in der Vergangenheit der Tareno und der KBC Eco FundWater ab. Ein gemeinsames Problem der Fonds liegt darin, dass die infrage kommenden Unternehmen meistens nur von kleiner oder mittlerer Größe sind.

Das heißt, es handelt sich um sogenannte Small- und Mid-Caps, von denen es naturgemäß nicht so viele Aktien gibt. Die Liquidität ist eingeschränkt und die Konzentration auf ein Thema erhöht automatisch die Risiken. Die Einseitigkeit sorgt auch dafür, dass die Kurse der Fonds nicht unbedingt dem rasanten Anstieg des Dax gefolgt sind.

Wasserfonds als Mix-Element fürs Depot

Das Thema Wasser sollte man unabhängig von der allgemeinen Börsenentwicklung betrachten. Dafür sind die Ausschläge nach unten aber auch nicht so stark. Aufgrund dieser Einschränkungen gehören die Fonds in die zweithöchste Risikoklasse. Sie eignen sich deswegen auch nur als Beimischung fürs Depot.

Felix Schnella ist sich dessen bewusst, weist aber darauf hin, dass „es sich beim Thema Wasser nicht um einen Hype wie bei Wind- und besonders bei der Solarenergie handelt“. Seiner Meinung nach wird sich dieser Anlagebereich eher langsam, aber stetig entwickeln. Zumindest bleibt es angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung ein Dauerthema.

Marlene Endruweit
Fachjournalistin für Wirtschaft
m.endruweit@netcologne.de



Mehr zum Thema


Anzeige
Werblicher Inhalt