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01.12.03 / 00:13
Heft 23/2003 Praxis
Fonds-Management

Kosten über Gebühr

Als Instrument der Risikominimierung ist der Fonds die zweitbeste Erfindung nach dem Geld. Doch wenn Investoren ihr Geld in Fonds anlegen, sollten sie wissen, dass die Kosten hochgeschraubt werden können. Und wenn sie über Gebühr abkassiert werden, sollten sie auch konsequent wieder aussteigen.



Wenn die Fonds-Manager an der Kostenschraube drehen, steckt das angelegte Geld in der Klemme. otos: CC

Hinter den Kulissen des Fonds- Managements spielt sich derzeit in den USA ein kleiner Skandal ab. Unter den Stichworten „Late Trading“ und „Market Timing“ hat der zuständige Staatsanwalt Eliot Spitzer folgende Missstände angeprangert, die zu Lasten der Kleinanleger gehen: Beim Late Trading erlaubt eine Fondsgesellschaft beispielsweise großen Banken, noch nach Handelsschluss Fondsanteile zum alten Preis zu kaufen. Die kundigen Großspekulanten greifen vor allem dann zu, wenn sie wissen, dass neue, entscheidende und positive Marktdaten, etwa über das aktuelle Wirtschaftswachstum, die Aktienkurse am folgenden Börsentag nach oben treiben werden. Das neue Geld liegt dann über Nacht gleichsam risikolos im Kassenbestand der Fondsgesellschaft. Wenn dann am nächsten Tag dank höherer Aktienkurse auch der (errechnete) Fondskurs steigt, kassieren die Late Trader risikolos zu diesem Kurs ab, ohne wirklich investiert zu haben. Sie partizipieren damit an einem Gewinn, der eigentlich den angestammten Fondsinvestoren allein zusteht. Betrügerisches Market Timing funktioniert ähnlich. Hierbei nutzen die Großspekulanten die globale Zeitverschiebung aus. So wissen die Amerikaner zu ihrer aktiven Handelszeit, wie die Märkte in Asien oder in Europa gelaufen sind. Stehen durch steigende Aktienkurse höhere Fondskurse in Aussicht, schöpfen sie durch Schnell- und Kurzinvestments Gewinne ab, die eigentlich allein den Langzeitinvestoren zustehen. Mit anderen Worten, die Zugewinne der etablierten Anleger werden an guten Börsentagen durch Market Timer „verwässert“. Als schwarze Schafe unter den US-Fondsgesellschaften wurden entlarvt: Alger, Janus und Putnam jeweils mit Fonds, die auch in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Bei Invesco und Fidelity wird noch geprüft.

Mit derart aggressiven Tricks ist in der deutschen Fonds-Branche (noch) nicht zu rechnen. Die Möglichkeit bestünde zwar, doch es fehlen die Raffinesse, die Chuzpe wie auch die Kaltschnäuzigkeit der Akteure, sich hinter den Kulissen auf Kundenkosten zu bereichern. Hier zu Lande wendet das Fondsgewerbe simplere Tricks an: So wird über Gebühr bei den Fondskunden abkassiert. In die Prospekte – juristisch relevant dafür, was ein Fonds darf und was nicht – lässt der Fondsaufleger eintragen, die Fondsverwaltungsgebühren könnten bei Bedarf „angepasst“ werden. Und das geschieht dann auch bei Bedarf.

Geldgenerator

Die Fondsverwaltungsgebühren sind in der Tat der maßgebliche, vom Fondserfolg nahezu unabhängige Geldgenerator der Fondsgesellschaften. Und die müssen ihre Nettogewinne an ihre Muttergesellschaften, meist große deutsche Geldinstitute, weitgehend abführen. Als sich während der letzten drei grausamen Baissejahre das Aktienfondsvermögen in Deutschland von ehedem 216 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf rund 123 Milliarden Euro nahezu halbierte, mussten die Fondsgesellschaften und ihre Mütter bei einem durchschnittlichen Gebührensatz von 1,5 Prozent vom Fondsvermögen auf immerhin rund 1,4 Milliarden Euro pro Jahr an Gebühreneinnahmen verzichten. Die fälligen Gebühren werden hinter den Kulissen direkt dem Fondsvermögen entnommen. Der Fondsinvestor merkt dies in der Regel gar nicht.

Für die Gebührenverluste mussten die treuen und beharrlichen Altkunden dann büßen. Denn die Fondsgesellschaften erhöhten ganz einfach ihre Verwaltungsgebühren, ohne in Sachen Fondsmanagement mehr zu leisten. So kassiert jetzt die Fonds-Marktführerin DWS (eine Tochter der Deutschen Bank) laut einer Kostenanalyse von Fitzrovia aktuell im Schnitt pro Jahr 1,43 Prozent vom Kundenvermögen; im Jahr 2001 lag der Durchschnitt noch bei 0,83 Prozent. Ein Anstieg um happige 72 Prozent. Bei der Deka, Fondsgesellschaft der deutschen Sparkassen, lag die Kostenbelastung bei Aktienfonds vor drei Jahren noch bei 1,1 Prozent. Mittlerweile sind es 1,39 Prozent im Durchschnitt. Bei Union Investment stiegen im Vergleichszeitraum die Verwaltungsgebühren noch recht mäßig, um 0,18 Prozentpunkte am Kundenvermögen. Bei Activest (Mutter: HypoVereinsbank) summiert sich der Kostenanstieg auf 0,29 Prozent. Wissen sollte man: Um die Kostenprozente, die in die Kassen der Fondsgesellschaften fließen, reduziert sich für den Fondsinvestor die am Markt verdiente Rendite.

Miese Leistung

Die Leistung, die den Kunden deutscher Fondsgesellschaften für relativ viel Geld geboten wird, ist nicht gerade berauschend. Nur wenige Fondsmanager haben hier zu Lande den Status eines Stars. Und nur Fonds-Stars genießen halbwegs die Freiheit, sich über die im Team erarbeiteten so genannten „Masterlisten“, die teilweise sogar von der Mutterbank vorgegeben werden, hinwegzusetzen. Die Stars unter den Fondsmanagern können sich durchsetzen und Titel kaufen, die gerade nicht in Mode, womöglich aber renditeträchtig sind. Ansonsten fällt den Analyse- und Entscheidungsteams zumeist nicht viel mehr ein, als den für den Fonds maßgeblichen Index zu kaufen, etwa den DAX oder den EuroStoxx 50. Sie sehen es dann als Meisterleistung an, wenn sie in der Gewinnentwicklung mit dem Index gleichgezogen sind. Ging es mit dem Index abwärts, kommt zur Entschuldigung: Man war immerhin genau so gut wie der Markt. Als sei der Index ein Schicksal, das ein Fondsmanagement nur teilen, dem es aber nicht entrinnen könne.

So halten nach einer Untersuchung der Fonds-Rating-Agentur Morningstar 61 unter den deutschen Aktienfonds, die auf Europa ausgerichtet sind und ein Anlagevolumen von 250 Millionen Euro überschreiten, nennenswerte Anteile an folgenden Titeln: 90 Prozent sind stark mit Siemens und Deutsche Telekom bestückt. 75 Prozent führen die Allianz, 69 Prozent die Deutsche Bank, E.On und BASF zu Großportionen im Portfolio. 64 Prozent sind maßgeblich bei Total und Nokia engagiert. 62 Prozent relativ hochprozentig Daimler-Chrysler und 57 Prozent Royal Dutch gelistet.

Eine kreative und hochwertige Analyseleistung kann man diese Stupidität nicht nennen. Und hinter dieser Kulisse verbirgt sich sogar für den Investor ein beträchtliches Risiko: Was die Fondsmanager unisono kaufen, werden sie womöglich auch unisono verkaufen und damit zum Schaden der Fondsinvestoren selber die Fondskurse nach unten treiben.

INFO

Schwache Dachfonds

Ein Dachfonds bietet auf dem Papier eine doppelte Risikostreuung. Er investiert nämlich in bestehende Fonds, die bereits „an der Quelle“ das Risiko gestreut haben. Doppelte Risikostreuung bedeutet außerordentlichen Schutz vor Kapitalverlust in Baissezeiten, so wird dem Anleger in der Beratung vorgebetet. Viele glaubten dies, so dass seit 1999 rund 25 Milliarden Euro in Dachfonds flossen. Und bei so viel Risikostreuung, so tönen vor allem die Bankberater, könne man die zweifache Kostenbelastung durch die Zielfonds und noch einmal durch den Dachfonds durchaus in Kauf nehmen. Ein Irrtum, wie die renommierte Fonds-Analyse-Agentur Feri Trust in Bad Homburg aktuell nachweisen kann.

Das Gros der Dachfonds (134 nennenswerte Titel, die etwa 70 Prozent des gesamten Dachfondsvermögens repräsentieren), so lautet das Feri-Trust-Resultat, schnitt seit Beginn der Börsenbaisse im Jahr 2000 weder besser noch schlechter ab als vergleichbare Einzelfonds. Dachfonds reduzierten in keiner Anlagekategorie die Baisse- Verluste signifikant stärker als direkt investierende Fonds. Im Gegenteil: In der Kategorie Aktien Global bieten die beiden großen Bankenfonds mit Dachcharakter, der DekaStruktur2:Chance Plus der Sparkassen (733 Millionen Euro Fondsvolumen) wie auch der DWS Best Select Global der Deutschen Bank, bestückt mit 140 Millionen Euro, auf Sicht von drei Baissejahren jeweils ein Minus von 24,0 respektive 16,6 Prozent. Der maßgebliche MSCI World Index schloss mit 17 Prozent im Minus.

Der international investierende Fondsklassiker Templeton Growth Fund hingegen, immerhin rund 13 Milliarden Euro schwer, schloss die drei zurückliegenden Baissejahre auf Euro-Basis mit einem Minus von nur 10,5 Prozent ab. Dieses Minus besteht aber aus Währungsverlusten, die der Fondsmanager Murdo Murchison nicht steuern kann. In der Fondswährung US-Dollar steht sogar ein Plus von 8,8 Prozent. (Stichtag für alle Angaben: 31. Juli 2003). Fazit: Nicht die Konstruktion eines Fonds ist entscheidend, sondern die im Prospekt definierte und somit verlässliche Analagestrategie wie auch die Qualität des Fonds-Managements. jk

Der langjährige Autor unserer Rubrik „Finanzen“ ist gerne bereit, unter der Telefon-Nr. 089/64 28 91 50 Fragen zu seinen Berichten zu beantworten.
Dr. Joachim Kirchmann
Harthauser Straße 25
81545 München



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