sg
28.11.14 / 12:00
Heft 23/2014 Praxis

Kostenfalle Überziehung

Praxisinhaber, die von ihrer Bank eine Weile nichts hören, sollten nicht immer davon ausgehen, dass alles zum Besten steht. Ein Fallbeispiel.



Rudie - Fotolia

Ein ominöses Orientierungsgespräch

Es begann eigentlich recht harmlos: Johannes D. wurde von dem für ihn zuständigen Kundenberater seiner Hausbank telefonisch zu einem „Orientierungsgespräch“ bezüglich seiner Kreditverbindlichkeiten ins Bankgebäude gebeten. Weitere Einzelheiten dieses bevorstehenden Gesprächs waren dem Bankmitarbeiter trotz hartnäckiger Nachfrage von D. nicht zu entlocken.

D. ging demnach davon aus, dass es sich um ein Routinegespräch handelt, wie es in der Vergangenheit in unregelmäßigen Abständen bereits mehrfach stattgefunden hatte. Umso überraschter war D., als er sich beim Bank- gespräch drei Personen gegenübersah: Neben seinem Kundenberater waren dessen Teamleiter und ein Mitarbeiter des sogenannten Kreditmanagements der Bank anwesend. Begründung seines Kundenberaters für diese ungewöhnliche Runde: Das Gesamtkreditengagement übersteige mittlerweile seine Kompetenzen, so dass er seinen Vorgesetzten und den Kollegen dazu gebeten habe, der sich vor allem „mit den wirtschaftlichen Hintergründen von Kreditnehmern“ befasse.

D. machte zwar deutlich, dass er es gern gesehen hätte, vorher über die Zusammensetzung der Runde und vor allem über den Gesprächsinhalt, bei dem es ja offenbar um seine finanzielle Lage gehen sollte, informiert worden zu sein. Da er an der Situation aber nichts mehr ändern konnte, stellte er sich den Fragen der Bankmitarbeiter.

Ohne den Steuerberater aufgeschmissen

Im Verlauf des Gesprächs wurde D. jedoch schnell deutlich, dass er ohne seinen Steuerberater, der ihn auch in wirtschaftlichen Fragen berät, kaum Substanzielles zu den sehr detaillierten Fragen beitragen kann. Dies galt vor allem bei den Bemerkungen des Teamleiters, der in D. offenbar den Hauptverantwortlichen für die in der Tat besorgniserregende Entwicklung des Kontokorrentkredits auf dessen Geschäftskonto sah. Der wesentliche Grund: D. finanzierte im Verlauf des vergangenen Jahres Renovierungsmaßnahmen seines Mehrfamilienhauses mithilfe dieses Kontokorrentkredits, so dass sich der Saldo von der nach wie vor geltenden Kreditlinie von 20.000 Euro auf nunmehr fast 70.000 Euro erhöht hatte.

Sowohl D. als auch sein Kundenberater versicherten zwar während dieses Zeitraums von einem Jahr mehrmals gegenseitig, dass sie „kurzfristig“ eine Umschuldung in ein Darlehen vornehmen wollten. Geschehen ist dies bis heute aber eben noch nicht. D. führte diese Zurückhaltung seiner Bank vor allem auf die für das Kreditinstitut offenbar gern zusätzlich kassierten Überziehungszinsen zurück. Da er seinerseits durch die komplikationslose Abwicklung seiner Renovierungsarbeiten durch die Kontoüberziehungen auch nicht auf eine schnelle Umschuldung drängte, gab es diesbezüglich eben keine Änderung.



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