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01.11.15 / 00:02
Heft 21/2015 Zahnmedizin
Regenerative PA-Therapie

Lange Zähne - was hilft?

Die gesteuerte Geweberegeneration (GTR) und die gesteuerte Knochenregeneration (GBR) versprechen einen echten Wiedergewinn verloren gegangener parodontaler Strukturen mit Neubildung von Wurzelzement, Desmodont und Alveolarknochen. Wo liegen die Möglichkeiten, wo die Grenzen?




Das ist typisch: Der PA-Patient hat seine Krankheit nach endlosen Recalls endlich im Griff, doch das Ergebnis erschreckt: Die Zähne erscheinen nach der nichtchirurgischen PA-Therapie extrem lang. Was lief falsch? „Nichts“, antwortet PD Dr. Stefan Fickl, Würzburg, „auch nach der konservativen PA-Behandlung, also nach der nichtchirurgischen Therapie, müssen Patienten durchaus Gewebsrezessionen von bis zu 1 mm, selbst im interproximalen Bereich in Kauf nehmen. Und das sollte der Zahnarzt im Beratungsgespräch klipp und klar ankündigen.“ Der Rückgang der Entzündung sorge nun mal dafür, dass Gewebe schrumpft, je schwerer die Ausprägung der Parodontitis, desto größer die Gewebsrezession.

Das Ergebnis der PA-Therapie erschreckt:Was lief falsch? Nichts.

Die nichtchirurgische PA-Therapie bietet nur bis zu bestimmten Sondierungstiefen Vorteile. Der „Cut-off“ liege bei Sondierungstiefen ab 5,5 mm, sagt Stefano Tugulu, Experte für regenerative Produkte bei Straumann, Basel. Bei „noch tieferen Taschen“ plädiert er für chirurgische Maßnahmen. Doch dann drohen natürlich „die gefürchteten langen Zähne“.

Dazu Fickl: „Bei parodontitisbedingtem Attachmentverlust handelt es sich um vertikale Gewebsschrumpfungen, die sich auf chirurgischem Weg nicht korrigieren lassen“, auch nicht mit regenerativen Maßnahmen. Ziel der modernen Parodontaltherapie müsse deshalb ein sehr genaues Abwägen von offener und geschlossener PA-Therapie sein. Das gelte insbesondere für die Oberkieferfront.

Ziel: ein sehr genaues Abwägen von offener und geschlossener PA-Therapie

Denn selbst bei feinstem mikrochirurgischem Vorgehen sei mit circa 0,7 mm an postoperativer Schrumpfung zu rechnen - und das zusätzlich zur oben genannten Schrumpfung nach nichtchirurgischer Therapie. Regenerative Maßnahmen ergeben aber Sinn, „wenn schwerwiegende Defekte des Zahnhalteapparats erkennbar sind, und der Patient neben der antiinfektiösen Therapie den ästhetischen und funktionellen Aspekt des künftigen Behandlungsergebnisses berücksichtigt wissen möchte“. Darauf weist Dr. Frank Bröseler hin.

In seiner Aachener Praxis hat die regenerative PA-Therapie, sehr häufig auch das Applizieren von Schmelzmatrixproteinen (Emdogain), einen hohen Stellenwert. Für die Hauptindikationen – die intraossären Defekte und die Rezessionsdeckung – ist die Wirkung durch publizierte Zehnjahresdaten belegt [Heden G et al., 2006; Sculean A et al., 2004 2006]. Abhängig von der klinischen Situation ist auch eine Kombination mit anderen Materialien, zum Beispiel Knochenersatzmaterial oder Kollagenmatrices, zur Weichgewebsunterstützung beziehungsweise -verdickung, möglich, wie Tugulu betont.



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