zm-online
01.01.05 / 00:14
Heft 01/2005 Zahnmedizin
9th International Congress on Laser in Dentistry

Laser weltweit ein Forschungsthema

Der 9. Internationale Kongress „Laser in Dentistry“ wurde in São Paulo, Brasilien, von der ISLD (International Society for Laser in Dentistry) zusammen mit der APCD (São Paulo Dental Association) Ende Juli 2004 ausgerichtet. Die Veranstaltung wurde von mehr als 1 000 Teilnehmern aus über 25 Ländern besucht. Die Tagung, die im Turnus von zwei Jahren stattfindet, bietet ein wissenschaftliches Forum zur Vorstellung und Diskussion neuer Laseranwendungen in der Zahnheilkunde.




Darüber hinaus wird Kollegen aus der Praxis die Möglichkeit gegeben, über ihre Laseranwendung im Rahmen von Fallpräsentationen oder Praxisstudien zu berichten. Keynote-Lectures und eine Reihe von Workshops boten auch Einsteigern Möglichkeiten zur Fortbildung. Die Tagung wurde von Professor Aldo Brugnera und Professor Antonio Pinheiro aus São Paulo geleitet. Neben neuen Erkenntnissen aus dem Bereich der Grundlagenforschung und Lasertechnologie wurden Themen aus allen zahnmedizinischen Fachdisziplinen diskutiert. Hierzu zählten unter anderem kariespräventive Effekte bei Laseranwendungen, diagnostische Möglichkeiten im Rahmen der Laserfluoreszenz-Technik, Indikationen im Bereich der Endodontie und Parodontologie, sowie Anwendungen im Bereich der antimikrobiellen photodynamischen Therapie. Ein breites Feld nahm auch die Anwendung von Lasertechnologien zum Bleichen von Zähnen und im Rahmen der Kunststoffadhäsivtechniken ein. Darüber hinaus wurden Lasereffekte in Bezug auf die Wundheilung auf der Ebene der Zellkultur sowie im Tierexperiment, aber auch in klinischen Studien untersucht.

Bleaching im Laserlicht

Aus europäischer Sicht hatten im Rahmen dieser Veranstaltung neue „Bleichtechnologien“ einen überproportionalen Stellenwert. In grundlegenden Studien konnte gezeigt werden, dass durch die Anwendung von Lasern unterschiedlicher Wellenlänge der Bleicheffekt beschleunigt werden kann. Auch die Effizienz der Aufhellung konnte teilweise gesteigert werden. Materialtechnische Untersuchungen an der Schmelzoberfläche zeigten keine signifikanten Unterschiede zu konventionellen Bleichverfahren. Die Daten der In-vitro-Forschung konnten durch einige Fallbeispiele beziehungsweise Patientenstudien untermauert werden. Bei der kritischen Diskussion vieler Beiträge zeigte sich jedoch, dass die grundlegenden Wirkungsmechanismen der Laseranwendung im Rahmen des Bleichens noch nicht bekannt sind. Die Frage, ob durch die Laserenergie lediglich das Bleichgel aktiviert wird, oder ob durch Transmission der Strahlung bis in tiefere Schmelzschichten auch hier Lasereffekte wirksam werden, blieb ungeklärt. Da mit konventionellen Techniken eine adäquate Aufhellung von Zähnen mit nachgewiesenermaßen geringem Gefährdungspotential möglich ist, muss der Einsatz der Lasertechnologie in diesem Zusammenhang noch mit Zurückhaltung betrachtet werden.

Laserfluoreszenzdiagnostik

Beiträge zur Anwendung der Laserfluoreszenzdiagnostik konnten den Stellenwert dieser Technik für die Kariesprävention und -therapie untermauern. In neueren Entwicklungen zeichnen sich auch Anwendungen im Rahmen der Parodontitsdiagnostik ab. Hier konnten grundlegende Studien zeigen, dass zum Beispiel mithilfe des Diagnodent ®-Systems eine zuverlässige Detektion von Konkrementen möglich ist.

Die Grundlagen der antimikrobiellen photodynamischen Therapie sind schon seit längerem bekannt. Durch Zugabe entsprechender „Photosensitizer“ können Mikroorganismen bei Bestrahlung mit Laserlicht niedriger Energie abgetötet werden. Das grundsätzliche Problem dieser Laserapplikation besteht darin, dass spezifische Photosensitizer zur Verfügung stehen müssen, die bei ausreichender Effektivität nicht zu lokalen oder generalisierten Nebenwirkungen führen. Die Entwicklung solcher Photosensitizer-Systeme ist zurzeit noch in vollem Gange. Trotzdem wird versucht, auf der Basis der vorhandenen Möglichkeiten diese Technik klinisch im Bereich der Endodontie, Parodontologie und Peri-Implantitisbehandlung nutzbar zu machen. Neben grundlegenden Studien wurden bereits einige klinische Anwendungen, zum Beispiel in der Endodontie, vorgestellt.

Laser und Adhäsivtechnik

In einer Vielzahl von Studien wurde die Auswirkung von Laseranwendungen auf die Adhäsivtechnik im Rahmen der Versorgung von Kavitäten mit Kompositmaterialien untersucht. Für die Kariesentfernung beziehungsweise Präparation von Kavitäten werden in der Regel Lasersysteme, die im nahen Infrarotbereich strahlen (wie Er:YAGoder Er,Cr:YSGG-Laser) verwendet. Als allgemeiner Tenor bei vielen Studien, die sich mit dem Verbundverhalten auseinandersetzen, ist festzustellen, dass die laserbearbeiteten Oberflächen keine Vorzüge gegenüber konventionell konditioniertem Schmelz und Dentin aufweisen. Die SäureÄtz- Technik in Kombination mit dem Dentinbonding bleibt bis heute der Goldstandard für die Anwendung von Kompositrestaurationsmaterialien.

Laser und Parodont

Viele Studien setzten sich mit parodontologischen Laseranwendungen auseinander. Stand in früherer Zeit die bis heute umstrittene Dekontamination von Zahnfleischtaschen im Vordergrund, so wurde im Rahmen dieser wissenschaftlichen Tagung im Wesentlichen über die Anwendung des Er:YAG-Lasers zur Konkremententfernung und Dekontamination der Wurzeloberfläche berichtet. In In-vitro- und tierexperimentellen Untersuchungen wurden antimikrobielle Effekte und die Wundheilung untersucht. Strukturbiologische Untersuchungen setzten sich mit Oberflächeneffekten nach Laserbestrahlung auseinander. In klinischen Studien wurden die Effekte der nichtchirurgischen Parodontitstherapie mithilfe des Er:YAG-Lasers untersucht. Die Ergebnisse einschließlich der nun auch vorliegenden ersten klinischen Daten zeigen eine Erfolg versprechende Entwicklung. Neben Anwendungen im Rahmen des so genannten Laser-Scalings wurden auch chirurgische Anwendungen für den Er:YAG-Laser an gingivalen Geweben vorgestellt. Hierzu zählt unter anderem die Entfernung von metallischen Tatoos und die Depigmentierung der Gingiva. Darüber hinaus wurde in verschiedenen klinischen Studien über Laseranwendungen im Bereich der Peri-Implantitis-Therapie berichtet, die eine überlegene Perspektive zu konventionellen Möglichkeiten der Dekontamination von infizierten Implantatoberflächen darstellen.

Fazit

Als Resümee ist festzuhalten, dass in den letzten Jahren Laserapplikationen für die Praxis an Bedeutung gewonnen haben. Die große Anzahl von Präsentationen lateinamerikanischer Autoren zeigt, dass das Interesse an medizinischer Laserforschung nicht nur in den westlichen Industrieländern besteht, sondern dass man sich auch in so genannten „Schwellenländern“ mit diesen Technologien intensiv auseinandersetzt. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Qualität dieser Forschungsprojekte sich in vielen Fällen nicht deutlich von europäischen oder US-amerikanischen Standards unterscheidet.

Termin

Die nächste Tagung der International Society for Lasers in Dentistry (ISLD) wird in zwei Jahren in Berlin stattfinden (18.5. bis 21.5.2006). Diese Tagung wird zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Laserzahnheilkunde (DGL) ausgerichtet werden. Die nächste Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Laserzahnheilkunde findet vom 14. bis 16.01.2005 in München statt. Informationen zu diesen Veranstaltungen sind bereits unter der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Laserzahnheilkunde (http://www.dgl-online.de) abrufbar.

Professor Dr. Matthias Frentzen
Zentrum für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde Bonn
Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung
und Präventive Zahnheilkunde
Welschnonnenstraße 17
53111 Bonn



Mehr zum Thema


Anzeige