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30.03.15 / 00:02
Heft 07/2015 Zahnmedizin
S3-Leitlinie Prothetik verabschiedet

Leitlinie Kronen und Brücken aus Vollkeramik

Bei der AWMF ist seit dem 19. Februar erstmals eine S3-Leitlinie zu vollkeramischen Kronen und Brücken abrufbar. In einem über zweijährigen Prozess wurde federführend durch die DGPro und die DGZMK in Zusammenarbeit mit zwölf weiteren beteiligten Fachgesellschaften und Institutionen die vorhandene wissenschaftliche Evidenz zur Langzeitbewährung vollkeramischer Kronen (Vollkronen) und Brücken (3-gliedrige Brücken) ausgewertet.




Alle Leitlinien-Empfehlungen basieren auf klinischen Studien mit einem mindestens fünfjährigen Beobachtungszeitraum. Die komplette Leitlinie sowie der Leitlinienreport sind bei der AWMF verfügbar. Im Folgenden wird eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und Empfehlungen gegeben.

Vollkeramik-Einzelkronen im Frontzahnbereich

Silikatkeramiken (leuzitverstärkt) lieferten über einen Beobachtungszeitraum von fünf beziehungsweise elf Jahren im Frontzahnbereich (FZB) eine Überlebensrate von 100 beziehungsweise 98,9 Prozent [Fradeani und Redemagni, 2002; Wolleb et al., 2012]. Verblendete Lithiumdisilkatkeramiken (Abbildung 1) zeigten bei einer Beobachtungsdauer von fünf, acht oder zehn Jahren Überlebensraten zwischen 93,8 und 96,8 Prozent [Gehrt et al., 2013; Steeger, 2010; Valenti und Valenti, 2009]. Verblendete Aluminiumoxidkeramiken ohne Glasphase kamen bei Beobachtungszeiträumen von fünf bis zehn Jahren auf eine Überlebens- rate zwischen 96,7 und 100 Prozent [Kokubo et al., 2009; Fradeani et al., 2005; Odén et al., 1998; Odman und Andersson, 2001; Sorrentino et al., 2012; Walter et al., 2006; Zitzmann et al., 2007].

Aluminiumoxidkeramiken mit Glasphase lieferten ähnliche Ergebnisse [Steeger, 2010; Kokubo et al., 2011; Rinke et al., 2011; Segal, 2001]. Diese Keramiken sollten im FZB ihre Verwendung finden. Verblendete Zirkonoxidkeramiken hatten eine Überlebensrate zwischen 88,3 und 99,4 Prozent nach fünf Jahren Beobachtungsdauer [Monaco et al., 2013; Örtorp et al., 2012; Kerschbaum et al., 2009]. Da monolithische Lithiumdisilikatkeramik höhere Festigkeiten aufweist als verblendete Lithiumdisilikatkeramik und erfolgreich für Frontzahnbrücken verwendet wurde, wurde ein starker Expertenkonsens für ihre Empfehlung ausgesprochen. Die Überlebensraten vollkeramischer Frontzahnkronen sind vergleichbar mit denen aus Metallkeramik [Walton, 1999; Kerschbaum, 2004; Walton, 2013].

Vollkeramik-Einzelkronen im Seitenzahnbereich

Monolithische leuzitverstärkte Silikatkeramiken lieferten nach elf Jahren Beobachtungszeit eine Überlebensrate von 84,4 Prozent [Fradeani und Redemagni, 2002; Wolleb et al., 2012]. Verblendete Lithiumdisilkat-keramiken kamen in einem Zeitraum nach zehn Jahren auf eine Überlebensrate von 95,8 Prozent [Marquardt und Strub, 2006; Valenti und Valenti, 2009; Steeger, 2010; Gehrt et al., 2013].

Verblendete Aluminiumoxidkeramiken ohne Glasphase wiesen nach fünf bis zehn Jahren studienabhängig Überlebensraten von über 97 Prozent auf [Odman und Andersson, 2001; Zitzmann et al., 2007; Sorrentino et al., 2012]. Verblendete Aluminiumoxidkeramiken mit Glasphase lieferten nach fünf Jahren ähnlich hohe Überlebensraten [Segal, 2001; Steeger,2010]. Diese Keramiken sollten im Seitenzahnbereich (SZB) ihre Anwendung finden.

Für verblendete Zirkonoxidkeramiken kann aufgrund der Datenlage nur eine offene Empfehlung ausgesprochen werden. Die Überlebensraten nach fünf Jahren variieren stark zwischen 79 und 98 Prozent [Vigolo und Mutinelli, 2012; Kerschbaum et al., 2009]. Diese Keramik kann im SZB zur Anwendung kommen. Da monolithische Lithiumdisilikatkeramik höhere Festigkeiten aufweist als verblendete Lithiumdisilikatkeramik, und erfolgreich für Seitenzahnbrücken verwendet wurde, wurde ein Expertenkonsens für ihre Empfehlung als Krone für den SZB ausgesprochen. Die Überlebensraten der genannten vollkeramischen Seitenzahnkronen sind vergleichbar mit denen von Seitenzahnkronen aus Metallkeramik [Walton, 1999; Walton, 2013; Kerschbaum, 2004].



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