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16.03.07 / 00:15
Heft 06/2007 Praxis
Glanzlichter in der Praxis

Leuchtende Pluspunkte

Endlich, mit dem Frühling werden die Tage heller, das Licht freundlicher. Auch in der Praxis. Und die nächste dunkle Jahreszeit kommt bestimmt. Jetzt ist der optimale Zeitpunkt für den Lampencheck in den eigenen Räumen: Machen die Leuchten was her oder gehören sie längst auf den Müll?




Eine freundliche und als angenehm empfundene Lichtstimmung wirkt auf das Unterbewusstsein und kann vorhandene Ängste vermindern – gerade im Winter positiv. Also jetzt die letzten kurzen Tage für den Lampencheck nutzen und die Änderungen in spe angehen.

Ein angenehmes Entree empfängt auch jene Patienten freundlich, die noch eher verzagt statt zuversichtlich zur Behandlung kommen. Mit wenigen, gezielten Kniffen lässt sich das Praxisambiente so gestalten, dass die Eintretenden sich gut aufgehoben fühlen. Ein oft unterschätztes Gestaltungselement: die professionelle Kunstlichtplanung mit guten Leuchten. Sie lässt die Praxisräume vor allem während der dunklen Jahreszeit in angenehmem Licht erscheinen.

Daher jetzt ran an die Bestandsaufnahme, dann in Ruhe den Markt sondieren, Möglichkeiten und Kosten abwägen und umsetzen – ehe die helle Jahreszeit vorüber ist und es wieder düster wird. Damit kann die Praxis durchaus Pluspunkte sammeln. Denn über die mittlerweile fast selbstverständlich vorausgesetzte hohe fachliche Qualifikation hinaus wünschen sich die Patienten zunehmend ein angenehmes und entspannendes Praxisambiente, das ihnen signalisiert: „Hier sind Sie bestens aufgehoben“.

Signal mit Wirkung

Eine gute Beleuchtung beginnt schon im Außenbereich. Oft weist lediglich ein kleines Schild auf die Praxis hin. Mehr Aufmerksamkeit erzielt eine beleuchtete Tafel oder, kombiniert mit einem eindeutigen Signet, eine Lampe in Zahnform, so dass der Betrachter die Information sofort zuordnen kann. Treppenhaus oder Hausflur sollten unbedingt gut ausgeleuchtet sein, damit sich die Patienten leicht orientieren können und sicher ans Ziel gelangen.

Ganz wichtig für das Erleben der Patienten und die Außendarstellung der Praxis ist eine harmonische und einladende Gestaltung des Empfangsbereiches. Die Beleuchtung sollte in diesem Bereich ein freundliches und angenehmes Ambiente schaffen, das von Anfang an Vertrauen schafft.

Funktion in Topform

Eine gelungene Lösung zeigt die Zahnarztpraxis von Dr. Mittag & Partner in Bremen-Schwachhausen. Bei der Planung der Innenarchitektur setzten Dr. Inge Mittag und Dr. Thomas Busch gemeinsam mit der Gruppe für Gestaltung GfG auf ein mutiges Zusammenspiel aus leuchtenden Farben und glänzenden Oberflächen.

„Das schafft eine entspannte und gleichzeitig ansprechende Atmosphäre und signalisiert auf Anhieb Professionalität und Modernität“, erläutert Mittag. Das Beleuchtungssystem gliedert sich in Funktionalität aus dezenten Deckeneinbauleuchten und Design für Wartezimmer und Empfang als Akzentbeleuchtung.

Zentraler Anlaufpunkt der Praxis ist der nach einer Idee von Zahnärztin Mittag entwickelte oval-förmige Empfangscounter. Direkt darüber integrierten „Die Lichtplaner“ aus Limburg frei schwenkbare und gestalterisch an das moderne Ambiente angepasste Halogenstrahler. Die Designerleuchten schaffen nicht nur einen dynamischen Blickfang vor einer Trennwand aus Glas, sondern ermöglichen auch ein angenehmes Licht für eine entspannte und vertrauensvolle Gesprächssituation zwischen Patient und Helferin.

Himmlischer Anblick

Eine andere hochwertige Lösung im Empfangsbereich zeigt die Zahnarztpraxis von Dr. Daniel Förster-Marenbach und Dr. Maike Anna Marenbach in Köln-Porz. Die in enger Zusammenarbeit mit dem Büro „brandherm + krumrey Innenarchitektur“ geplanten Räumlichkeiten zeigen eine offene, klare Formensprache mit einem zentralen Mittelblock als Behandlungsraum und einem weiteren Block als Wartezone. „Ganz bewusst wollten wir eine offene und einladende Wohlfühlatmosphäre sowohl für uns als auch für unsere Patienten schaffen, die nicht sofort an eine Zahnarztpraxis, sondern eher an das Ambiente einer Agentur erinnert“, beschreibt die Kölner Zahnärztin ihre Intention.

Ein wichtiger Aspekt sei die Betonung sämtlicher Raumstrukturen durch eine individuelle, auf die Architektur abgestimmte Lichtplanung. Im Zentrum steht dabei der durch eine abgependelte Lichtdecke von oben illuminierte Empfangsbereich. Dieser „Himmel“ betont den eleganten und materialbetonten Charakter der Praxiseinrichtung und schafft einen angenehmen Anlaufpunkt für die Patienten, an dem sie ihre Ansprechpartner ebenso gut wie blendfrei sehen. Per Dimmer lässt sich stufenlos je nach Bedarf die Helligkeiten regulieren – „je nachdem, ob die Beleuchtung gerade für die Bildschirmarbeit benötigt wird oder ein Patientengespräch stattfindet“, wie Marenbach erklärt. Eine in den Empfangstresen eingelassene horizontale Lichtfuge, die den oberen schwarzen Bereich des Möbels vom unteren weißen Abschnitt trennt, setzte weitere Akzente am Empfang. Eine zweite Lichtfuge am Sockel des Tresens suggeriert, letzterer schwebe im Raum.

Ergänzend erhellen lang gestreckte Decken-Lichtbänder den Übergangsbereich zu Behandlungsräumen und Wartezimmer. Ihre zentrale Aufgabe ist die Leitfunktion: Wer sich leicht orientieren kann, fühlt sich sicherer.

Zum Verweilen schön

Warten ist unangenehm, kostet Zeit. Sinnig also, Patienten sogar für kurze Aufenthalte eine angenehme Atmosphäre zu bieten. Ein wichtiger Faktor dazu ist eine freundliche, ausgleichende und beruhigende Atmosphäre mit warmem und blendfreiem Licht. Ideal ist indirektes, das über die Wände reflektiert wird. Dabei gilt: Je wärmer die Farben der Wände, desto besser kann der Lichtplaner anschließend diese Nuancen unterstützen, um eine angenehme Stimmung zu schaffen.

Das Wartezimmer der Praxis Dr. Wolfgang Lang & Dr. Guido Petrin in Stuttgart etwa fällt durch seine gelungene Illumination auf. Architekt Wolfgang Müh und Lichtplaner Kim Funk-Fritsch konzipierten mit Niedervolt-Halogenglühlampen blendfreie, plan in die Decke eingelassene „Downlights“. Das von Wänden und Decke in den Raum zurückgeworfene Licht erzeugt eine dezente Lichtatmosphäre, die den warmen Charakter der teilweise orange-gelb gestrichenen Wände noch betont.

Pilzförmige Tischleuchten mit sichtbarem Licht als dekorative Leuchten liefern bei Bedarf direktes Licht zum Lesen. Schließlich soll der Patient hier entspannen, eventuelle Ängste ganz ablegen. Konsequent unterstützen entspannende Musik und gezielte beruhigende Bildverläufe auf sechs nebeneinander platzierten Flachbildschirmen die Harmonie. „Abwechselnd sind hier Aquarienlandschaften, Strände, Wellenatmosphären oder andere beruhigende DVD-Impressionen zu sehen“, so Wolfgang Lang: „Und für Kinder gibt es auch Mickey-Maus-Filme.“

Spielraum am Stuhl

Zur Beleuchtung von Untersuchungsund Behandlungsräumen ist zunächst eine funktionale Arbeitsbeleuchtung nötig. Vorgabe für die Allgemeinbeleuchtung sind 500 Lux. Im Bereich des Behandlungsstuhls müssen 1 000 Lux Beleuchtungsstärke herrschen, fürs Arbeiten in der Mundhöhle des Patienten sind 5000 Lux vorgeschrieben. Sie gehören zur Standardausrüstung jeder Zahnarztpraxis. Wichtig dabei bleibt, dass die Patienten nicht geblendet werden. Die Deckenleuchten werden ergo idealerweise außerhalb eines Feldes 2,5 Meter x 2,5 Meter um den Stuhl herum angebracht.

Über diese funktionale Beleuchtung hinaus hat der Zahnarzt jedoch Spielraum für eine individuelle und entspannende Beleuchtung seiner Behandlungsräume. Dr. Sibylle Hardt in Berlin hat sich für ein phantasievolles Ablenkungsmanöver entschieden: Wer bei ihr im Behandlungsstuhl liegt, blickt auf eine Licht- und Schatteninstallation mit einer Sternzeichen-Lampe des Berliner Künstlers Christian Andres. Die kunstvolle Beleuchtung lenke Patienten aller Altersstufen herrlich von der Behandlung ab, berichtet die Zahnärztin.

Farbiges Licht beziehungsweise dynamische Wechsel von einer zur anderen Farbe nutzen bereits viele Wellness-Einrichtungen. Die positiven Effekte können auch Zahnärzte in ihren Praxen nutzen, wie Inge Mittag in Bremen. Im Behandlungszimmer ist eine runde Lichtdecke integriert, bei der die Patienten während der Behandlungspausen über eine Steuerung ihre Wunsch-Farben und -Dimmungsgrade einstellen können.

Wonach der Sinn steht

Kieferorthopäde Dr. Thomas Cawi nutzt in seiner Nürnberger Praxis ein ähnliches Prinzip: In Untersuchungs- und Behandlungsräumen lassen sich nicht nur die gewünschten Farben, sondern sogar die bevorzugten Farbfolgen einstellen. Dazu hat er in Rot, Grün, Blau, kurz in den RGB-Farben, Leuchtstofflampen in die Möbel integriert. Mischen (einschließlich Weiß) je nach individueller Stimmungslage der Patienten ist angesagt. Erlaubt ist, was entspannt und gleichzeitig optimale Sehund Arbeitsbedingungen für den behandelnden Zahnarzt ermöglicht.

Robert Uhde
Grenadierweg 39
26129 Oldenburg



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