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01.12.16 / 00:01
Heft 23/2016 Politik
HKP-Auktion auf 2te-ZahnarztMeinung.de

Licitor ERGO sum

Von Einzelfällen kann längst nicht mehr die Rede sein: Immer mehr Praxen berichten uns von Patienten, die nicht wussten, dass ihr HKP im Netz versteigert wird. Aber es kommt noch besser: Anscheinend ist auch den Zahnärzten nicht immer klar, dass sie gerade die Behandlungskosten eines Kollegen unterboten haben.



© Ruhrgebiet – Fotolia.com

Zehn Prozent Provision zog die 2te-ZahnarztMeinung dem Zahnarzt bisher von der Versteigerungssumme ab. Damit wir uns richtig verstehen: Diese zehn Prozent entfielen auf alles – auf das zahnärztliche Honorar genauso wie auf die Laborkosten. Setzt man für das Labor die üblichen zwei Drittel und für das Zahnarzthonorar entsprechend ein Drittel an, erhöht sich der reale Kommissionsbetrag schnell auf 25 bis 30 Prozent.

Nun arbeitet das Auktionsportal seit 2016 mit umsatzabhängigen Provisionen – verlangt werden bis zu 40 Prozent. Wie rechnen sich solche Geschäfte für den Zahnarzt? Was bleibt unterm Strich noch für ihn übrig?

Was 2te-ZahnarztMeinung von Ebay unterscheidet

Das Dilemma von 2te-ZahnarztMeinung.de speist sich schon aus der Geschäftsidee: Der HKP trudelt über Umwege bei einem zweiten Kollegen ein, der sich in der Folge mit einem Therapiekonzept auseinanderandersetzen muss, das er so vielleicht nie entworfen hätte. Und der jetzt unter Umständen eine Behandlung zu Preisen übernehmen soll, die er auf diesem niedrigen Niveau gar nicht kalkulieren kann. Für den Zahnarzt eine heikle Sache – als Heilberufler wie als Unternehmer gleichermaßen.

Aber der Reihe nach: Bei Ebay, myhammer.de oder auch bei auto-roll stellt der Bieter online sein Angebot ein und das Feilschen auf dem virtuellen Markt beginnt.

Wie die Auktionen ins Netz kommen

Anders bei 2te-ZahnarztMeinung.de. Bei dieser Versteigerung sind in vielen Fällen weder der Patient noch der Zahnarzt aktive Player. Wie auch, wenn der Patient in der Regel nicht einmal weiß, dass sein HKP unter den Hammer kommt. Doch auch der bietende Zahnarzt bestimmt vielfach nicht sein Gebot. Nein, wie es aussieht, taxiert an seiner Stelle die 2te-ZahnarztMeinung den Wert der Versorgung und stellt die Offerte im Namen der Praxis ein. Heißt das, die Plattform ist Bieter und Käufer in einem – und die sogenannte Auktion in Wahrheit nur ein gut inszeniertes Fake?

„Normalerweise ruft ein Mitarbeiter der 2ten-ZahnarztMeinung in der Praxis an und schlägt dem Zahnarzt vor, dass das Portal künftig den Bieterpreis bei der Auktionssumme festsetzt. So war es zumindest bei uns“, erklärt uns ein Zahnarzt das Procedere. „Bewegte sich ’unser’ Gebot dann unterhalb des Machbaren, wurden wir zwar im Zweifelsfall nicht darauf festgenagelt, trotzdem wurde das Gebot in unserem Namen durch die 2te-ZahnarztMeinung einfach online gestellt. Das heißt, der Patient hätte mit dem HKP vor unserer Tür stehen können – ohne dass wir über ’unsere’ Auktion informiert gewesen wären.“

Nicht alle Zahnärzte bei 2te-ZahnarztMeinung.de lassen sich das Zepter beim Bieten aus der Hand nehmen. Doch versuchen geschulte Mitarbeiter der 2ten-ZahnarztMeinung wohl sehr geschickt, die Praxen davon zu überzeugen, dass sie sich einer Last entledigen, wenn sich die Plattform darum kümmert. Unabhängig davon gilt: Entscheidet sich der Patient für ein teueres Angebot, steigt die Gebühr für das Portal.



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