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29.03.15 / 00:01
Heft 07/2015 Titel
Myofunktionstherapie als Prophylaxe

Logopädie in der Praxis

Sprachheilpädagogin Karla Passon arbeitet seit fast 20 Jahren interdisziplinär in der Myofunktionstherapie. Hier erklärt sie, wie das funktioniert und wie Zahnarzt, Kieferorthopäde und Logopäde am besten zusammen arbeiten.




Ein orofaziales Ungleichgewicht, eine sogenannte Myofunktionsstörung, egal welcher Genese, sollte von den unterschiedlichen Fachdisziplinen, von Hauszahnärzten, Kinderärzten, Kieferorthopäden, HNO-Ärzten und letztlich auch von Hausärzten möglichst früh erkannt und zur genauen Funktionsdiagnostik an einen qualifizierten Myofunktionstherapeuten überwiesen werden.

Eine unbehandelte Funktionsstörung, die auch durch ein Habit verursacht werden kann, wächst sich nicht aus, sondern manifestiert Probleme der Fehlfunktionen in erheblichem Ausmaß, was vom Kleinkindalter bis zum Erwachsenenalter zu schweren Folgen in Form von okklusalen Störungen und zu deren Verschlechterung führt. So kann es zu Beeinträchtigungen der Aussprache oder zu morphologischen Veränderungen insbesondere in der Wachstumsphase des Schädels kommen.

Ein Gesichtsstudium, eine kurze Anamnese, ein bewusstes Checken des Schluckablaufs und der daran beteiligten Muskelstrukturen und -funktionen beim Patienten geben einem verantwortungsvoll und ganzheitlich arbeitenden Mediziner Aufschluss darüber, ob unphysiologische Abläufe im orofazialen System bestehen und ob damit eine Diagnostik und gegebenenfalls eine myofunktionelle Therapie indiziert sind, um mögliche Folgeschäden abzuwenden. Durch die Herstellung physiologischer Funktionsabläufe erfahren geplante oder laufende KFO-Therapien deutliche Unterstützung in ihrem Verlauf.

Zahnerhalt bis ins hohe Alter sichern

Beginnende Störungen im Milchgebiss wie im bleibenden Gebiss und damit verbundene morphologische Strukturveränderungen können abgewendet werden. Letztlich dient ein störungsfreies orofaziales System dem langjährigen Zahnerhalt bis ins hohe Alter. Demnach bewerten Fachleute, wie der Hamburger Zahnarzt Dr. Herbert Michel, die Myofunktionstherapie als „fünfte Säule in der Prophylaxe“. Eine Funktionsstörung ist sehr einfach zu erkennen. Oftmals ist es der bloße Gesichtsausdruck von Patienten, der Anlass zu weiteren Überprüfungen geben sollte. Klassische Merkmale sind die allgemeine Hypotonie der Gesichtsmuskulatur, oftmals verbunden mit der Mundatmung und der Schwerfälligkeit der Zunge beim Artikulieren.

Häufig wirkt der Gesichtsausdruck müde und schläfrig, matt, uninteressiert, beim Schlucken drückt sich die Zunge unphysiologisch in die Okklusion. Der überweisende Arzt sollte mit Myofunktionstherapeuten interdisziplinär kooperieren und stark vernetzt arbeiten, gegebenenfalls noch andere Fachdisziplinen einschalten, damit der Patient das Gefühl eines umfassenden Konzepts erfährt – mit dem Gesamtziel der Herstellung von harmonischen Funktionsabläufen einer für den Patienten normalen interdentalen Beziehung sowie von einem harmonischen Gesichtsausdruck. Zusätzlich zu Zahnärzten, Kinderärzten, Kieferorthopäden und Myofunktionstherapeuten sollten gegebenenfalls HNO-Ärzte, Orthopäden,  Physiotherapeuten und Osteopathen hinzugezogen werden.



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