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01.04.06 / 00:12
Heft 07/2006 Politik
Zahnärztetag Westfalen-Lippe in Gütersloh

Magnet für Fortbildungshungrige

Als Magnet für Fortbildungshungrige erwies sich einmal mehr der Zahnärztetag Westfalen-Lippe: er zog über 2000 Praxischefs mit Helferinnen an, die von kompetenten Referenten unterrichtet und von routinierten Gastrednern in der Gütersloher Festhalle unterhalten wurden.




So mancher Teilnehmer versicherte, die Zeit vom 8. bis 11. März habe er bereits vor Monaten geblockt um neues Wissen zu dem Themenschwerpunkt: „Ästhetik und Implantologie – Therapie oder Luxus“ aufzusaugen. Tagungspräsident Prof. Heiner Weber, Tübingen, lobte die enorme Resonanz auf das Fortbildungsprogramm, vom Grundkurs bis hin zum Stelltenwert der Ästhetik in der chirurgischen Wiederherstellung des Gesichtes, in der Kieferchirurgie, Parodontologie, Prothetik und Zahnerhaltung.

Entsprechend freute sich auch Gastgeber Dr. Walter Dieckhoff den diesjährigen Festredner Prof. Norbert Walter vor über 1000 Teilnehmern zu begrüßen. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Gruppe, Deutsche Bank Research, überraschte die Zuhörer mit seiner eloquenten Rede „Gesundheit – ein Wachstumsmarkt“. „In der Pharmabranche und der Pflegeindustrie muss Innovation ermöglicht und gefördert werden, damit der deutsche Wissensvorsprung als erfolgreiches Modell weltweit vermarktet werden kann“ sowohl bei Organisationsformen als auch bei Geräten, erläuterte der Ökonom die Zukunftsperspektiven für das Gesundheitswesen. Doch auch hier würden viele Unternehmer die Ressource Nachwuchs verkennen. Hier bestehe in den gebildeten Schichten bereits ein Mangel, der in den nächsten 22 Jahren auch nicht aufzuholen sei. Daher appellierte Walter, jetzt angehenden Medizinern und Zahnmedizinern unter die Arme zu greifen: „Wir brauchen Unternehmer, die sich Gedanken machen um ihre Mitarbeiter und deren Familien.“ Der Staat dagegen solle seine Rolle reduzieren – und zwar deutlich, forderte er.

Schon am Abend zuvor hatte ein Gastredner mit Blick auf die Zusammenhänge zwischen Nachwuchsmanko und Konjunktur die Zahnärzte in seinen Bann geschlagen: Als KZV-Chef Dr. Dietmar Gorski auf dem sozialpolitischen Abend dem „Politiker, Unternehmer, Theoretiker und Praktiker, Innovator und Moderator“ Prof. Lothar Späth das Wort erteilt hatte, hörten mehrere hundert Zahnärzte gebannt zu. „Wirtschaftspolitik und Wohlfahrtsstaat“ – inwieweit beide kompatibel seien, bleibe zu hinterfragen: Was kann unsere Gesellschaft überhaupt leisten. In der Wirtschaftpolitik habe die Tendenz zum Welthandel den einst geschlossenen Binnenmarkt abgelöst. Deshalb lasse sich auch nicht die Binnennachfrage gesondert ankurbeln. Späth plädierte für Benchmarking: „Wir können unsere Dinge nur verkaufen, wenn wir im internationalen Markt wettbewerbsfähig sind!“ Stagnation auf dem Arbeitsmarkt? „Beileibe nicht!“, widersprach Späth der gängigen Einschätzung: „Wir haben wieder eine 40-Stunden-Woche – um dasselbe zu verdienen wie zuvor – und es hat nur kaum einer gemerkt. Doch diese Bewegung zu drei Minijobs nebeneinander ist nicht die Lösung!“ Er forderte unter anderem für den Gesundheitsmarkt mehr Entscheidungsfreiheit für die Patienten, wie sie über eine obligatorische Grundabsicherung hinaus in ihre Gesundheit investieren wollen, statt in eine Zwangskasse zahlen zu müssen: „Sie würden sich wundern, wieviel Geld ins System käme, wenn die Leute das entscheiden dürften. Da habe ich keine Sorge um die freien Berufe!“ Letzlich gelte es, eine Balance zu finden, zwischen Leistung, berechtigtem Anspruch und Solidarität.

Auch in anderen Disziplinen leistete die Kammer den Praxischefs und -teams wieder Schützenhilfe. Externe Fachkräfte referierten wie Praxisinhaber günstige Fördermittel zur Existenzgründung nutzen oder Krisen umschiffen können.

Kommunikationstrainerin Nadine Meyden öffnete in einem der fünf Seminare für ZahnMedizinische Assistenz- und Verwaltungsberufe mit sichtbarem Erfolg Ohren und Köpfe der Helferinnen für die Nöte der Patienten – damit ihnen ein „lockerer Umgang mit ,schwierigen‘ Patienten“ künftig leicht fällt; denn die „Schwierigkeit“ bei diesem Umgang entsteht nur allzu leicht im eigenen Kopf, erkannten die rund 60 Teilnehmerinnen.

Kurz: Der Zahnärztetag Westfalen-Lippe lieferte viel Wissenswertes für alle Bereiche der Praxis.



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