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13.05.15 / 10:50
Heft 10/2015 Zahnmedizin
Behindertenzahnheilkunde III

Menschen mit Behinderung: So geht das Zähneputzen!

Prophylaxe für Menschen mit geistiger und/oder mehrfacher Behinderung: Welche Zahnbürste, -pasta und sonstigen Hilfsmittel eignen sich für den Umgang mit dieser Patientengruppe? Wir zeigen es Ihnen.




Menschen mit geistiger Behinderung zeigen eine höhere Karieserfahrung, einen niedrigeren Sanierungsgrad und deutlich mehr fehlende Zähne als Menschen ohne Behinderung [Nitschke et al., 2012]. Daher sind alle Möglichkeiten eines modernen Präventionsmanagements zu nutzen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Menschen mit geistiger Behinderung inzwischen eine nahezu gleich hohe Lebenserwartung besitzen wie die Allgemeinbevölkerung.

Zähneputzen: am besten im Sitzen

Zum Zähneputzen benötigen die meisten erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung Unterstützung. Daher sind neben der Instruktion der Patienten auch die Unterweisung und die Motivation der betreuenden Mitarbeiter auf den Wohngruppen und der Angehörigen zu Hause wichtig [Kaschke, 2008]. Bei Erwachsenen hat es sich bewährt, dass dieser vor dem Waschtisch auf einem Hocker sitzt.

Die sitzende Position hat den Vorteil, dass der Klient nicht wegläuft und auch kleine Betreuende gut an den Mund herankommen. Der Putzer steht hinter dem Klienten und umfasst dessen Kopf mit dem linken Arm. Der Kopf wird so durch Arm und Oberkörper des Putzers gestützt und mit der linken Hand können Lippe und Wange abgehalten werden [Elsäßer, 2005]. Mit der rechten Hand wird die Zahnpflege durchgeführt. Die Putzbewegungen sind bei dieser Haltetechnik identisch mit denen, die man bei sich selbst durchführt.

Es muss also nicht „umgedacht“ werden. In behindertenbeziehungsweise altengerechten Bädern kann der Badspiegel geneigt werden, so dass die Zahnpflege im Spiegel beobachtet werden kann. Geputzt wird immer nach dem gleichen Schema. Am einfachsten ist es, wenn mit der Reinigung der Vestibulärflächen begonnen wird, da diese auch bei geschlossenen Zahnreihen geputzt werden können. Es werden nur kleine Bewegungen, kreisend oder rüttelnd, auf der Stelle mit anschließendem Auswischen, durchgeführt oder es wird eine elektrische Zahnbürste benutzt.

Als erstes werden die Zahnaußenflächen der oberen linken Kieferhälfte, danach die der unteren linken Kieferhälfte, die Außenflächen der unteren Frontzähne und dann die Zahnaußenflächen der rechten unteren Kieferhälfte gereinigt. Am Schluss werden die Außenflächen der oberen rechten Kieferhälfte und der Oberkieferfrontzähne geputzt. Nun folgen die Innenflächen. Diese sind am schwierigsten zu reinigen. Auch hier sollte die oben beschriebene Reihenfolge links oben – links unten – Front unten – rechts unten – rechts oben – Front oben eingehalten werden. Zuletzt werden die Kauflächen mit dieser Systematik gereinigt. Keinesfalls sollte von vorn, sich gegenüberstehend, in der Mundhöhle stochernd geputzt werden.

Info

Häusliche Prophylaxe

In der Literatur wird häufig zwischen Selbstputzern, Putzern mit Unterstützung und Fremdgeputzten unterschieden [Lange, Hörschelmann, 1985]:

  • Selbstputzer: Legt man strenge Kriterien an, so sind nur wenige Menschen mit geistiger Behinderung in der Lage, eine ausreichende Zahn- und Zahnersatzpflege selbst und eigenverantwortlich durchzuführen. Mit Plaquefärbemitteln können die individuellen Fähigkeiten überprüft werden. Bei Selbstputzern haben sich zur Motivation Belohnungssysteme bewährt. Wurden die Zähne jeden Tag ordentlich geputzt, so gibt es am Wochenende eine kleine Belohnung.
  • Selbstputzer mit Unterstützung: Die größte Gruppe bei Menschen mit geistiger Behinderung sind die Putzer mit Unterstützung. Die Unterstützung kann von der richtigen Dosierung der Zahnpaste, der Überwachung einer festgelegten Zahnputzsystematik, der Führung der Hand bis zur fast vollständigen Übernahme der Zahnpflege reichen.
  • Fremdgeputzte: Aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen oder mangelndem Verständnis übernehmen Betreuende die Zahnpflege vollständig.



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