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01.02.14 / 00:01
Heft 03/2014 Medizin
Hormonzyklen bei Frauen

Migräne in allen Lebensphasen

Tag für Tag kommt es in Deutschland zu schätzungsweise 350 000 Migräneattacken, so eine Angabe der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Frauen sind generell rund dreimal häufiger betroffen als Männer. Dabei zeigt die Migräne bei Frauen in den verschiedenen Lebensphasen ein ganz unterschiedliches Muster.



Frauen leiden weitaus häufiger unter einer Migräne als Männer. Foto: FOTEX

Vor allem Hormonschwankungen scheinen bei Frauen das Auftreten einer Migräne zu triggern. Das zeigt sich nicht zuletzt an der menstruellen Migräne. Mit diesem Begriff wird das Phänomen beschrieben, dass Migräneattacken bei Frauen zum Teil in direkter Assoziation zum Menstruationszyklus auftreten.

Menstruationsassoziierte Migräne

Zu differenzieren ist dabei zwischen einer direkten menstruellen und einer Menstruations-assoziierten Migräne. Erstere ist definiert als Migräneattacken ohne Aura, die in mindestens zwei von drei aufeinander folgenden Zyklen an den ersten Tagen der Periode auftreten. Von einer menstruationsassoziierten Migräne ist auszugehen, wenn die Attacken generell in zeitlichem Bezug zum Monatszyklus stehen.

Das Phänomen der menstruellen oder menstruationsassoziierten Migräne wird dabei häufig überschätzt, nur bei rund einer von 20 Frauen liegt nach Angaben der Schmerzklinik Kiel eine solche Migräneform vor. Auslösender Faktor ist üblicherweise ein Absinken des Östrogenspiegels, während die absolute Höhe des Östrogenspiegels offenbar keine Rolle spielt. Weitergehende Analysen der Hormonkonzentrationen ergaben, so die Kieler Wissenschaftler, bisher kein einheitliches Bild: Weder die Werte des follikelstimulierenden Hormons (FSH) noch des luteinisierenden Hormons (LH) unterscheiden sich demnach bei Patientinnen mit einer menstruell gebundenen Migräne von denen gesunder Kontrollgruppen.

Die menstruelle Migräne gilt generell als schwer behandelbare Migräneform. Trotz der bestehenden Assoziation zum Östrogenspiegel sind hormonelle Therapieverfahren wie etwa Hormonpflaster im Allgemeinen wirkungslos. Auch das Auftragen von Östrogenen als Gel auf die Haut oder die Einnahme als Tablette bringt keine zuverlässige Besserung. Die Behandlung der menstruellen Migräne folgt deshalb den allgemeinen Empfehlungen zur Migränetherapie der DMKG.

Besonderheiten gibt es jedoch bei der vorsorglichen Behandlung mit der Kurzzeitprophylaxe, bei der an den Tagen vor der erwarteten Menstruation vorsorglich beispielsweise Naproxen eingenommen werden kann.

Attacken in der Schwangerschaft

Kommt es zum Eintritt einer Schwangerschaft, so schwächt sich die Migräne meist ab oder tritt überhaupt nicht mehr auf. Rund 70 Prozent der ansonsten an Migräne leidenden Frauen berichten, während der Schwangerschaft kaum mehr Kopfschmerzen zu haben. Nach der Entbindung kommt es aber bei knapp der Hälfte der Patientinnen erneut zum Auftreten von Migräneattacken. Die Ursache der Besserung des Krankheitsbildes während der Schwangerschaft ist noch unklar. Diskutiert werden ebenfalls hormonelle Einflüsse wie erhöhte Konzentrationen an Östrogen und Progesteron. Auch Auswirkungen eines veränderten Serotoninstoffwechsels während der Schwangerschaft sowie eine erhöhte Konzentration endogener Opioide (Endorphine) kämen infrage.

Von entscheidender Bedeutung kann nach Meinung der Kieler Experten aber auch eine veränderte Lebensweise während der Schwangerschaft sein: So ernähren sich schwangere Frauen häufig bewusster, haben einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, vermeiden Alkohol und Nikotin, versuchen, stressfreier zu leben und sind im Arbeitsprozess weniger beansprucht.

Kommt es trotz Schwangerschaft zum Auftreten belastender Migräneattacken, ist deren Behandlung erschwert. Als vergleichsweise „sicheres Schmerzmittel“ gilt Paracetamol, allerdings gibt es Hinweise für ein erhöhten Risiko für die Entwicklung eines späteren Asthma bronchiale bei den Kindern. Bei Jungen wird außerdem ein signifikanter Zusammenhang zur Entwicklung einer Lageanomalie des Hodens (Kryptorchismus) berichtet mit einem erhöhten Risiko einer verminderten Zeugungsfähigkeit.

„Entgegen früheren Empfehlungen wird ¬daher bei möglicher oder bestehender Schwangerschaft von der Einnahme von Paracetamol in Mono- und insbesondere in Kombinationspräparaten abgeraten“, heißt es in einer Erklärung der Kieler Schmerzklinik.

Keinesfalls eingenommen werden dürfen Ergotamine wie Ergotamintartrat und Dihydroergotamin, die üblicherweise zum Kupieren von Migräneschmerzen Anwendung finden. Die Substanzen führen während der Schwangerschaft zu einer Verkrampfung der Gebärmutter. Zudem hat sich Ergotamin als embryoschädigend erwiesen. Für den Einsatz von Triptanen in der Schwangerschaft liegen derzeit noch keine ausreichenden Daten vor. Zwar gibt es Berichte über Graviditäten, die während einer Therapie mit Sumatriptan aufgetreten sind, bei denen sich keine Probleme gezeigt haben. Bis jedoch ausreichend Erfahrungen vorliegen, sollten Triptane während Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingesetzt werden.

Problematisch ist ferner eine Migräneprophylaxe, da auch Wirkstoffe wie Betarezeptorenblocker, Flunarizin und Serotoninantagonisten während der Schwangerschaft grundsätzlich nicht genommen werden sollten. Zur Vorbeugung von Migräneattacken empfehlen sich vielmehr allgemeine Verhaltensmaßnahmen wie Entspannungsübungen und das Meiden der auslösenden Faktoren. Bei extrem schwerem Migräneverlauf während der Schwangerschaft – insbesondere bei der Migräne mit Aura – raten die Kieler Experten zur Einnahme von Magnesium. Dessen Effekt war in klinischen Studien zwar nur marginal, in Einzelfällen kann jedoch eine deutliche Besserung resultieren.

Migräne und Wechseljahre

Weit verbreitet ist die Ansicht, die Migräne gehe auch in den Wechseljahren regelhaft zurück. Bei rund jeder zweiten betroffenen Frau zeigt sich Studien zufolge ein solches Phänomen jedoch nicht, die Migräne bleibt auch über das Nachlassen der Östrogen¬produktion hinaus bestehen. Nicht wenige Frauen erleben sogar in den Wechseljahren eine Verstärkung ihrer Migräne. Eine Hormontherapie ist analog der Situation bei der menstruellen Migräne nicht indiziert. Vielmehr sollte die Behandlung entsprechend den allgemeinen Empfehlungen der DMKG zur Behandlung der Migräne folgen.

Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
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info@christine-vetter.de



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