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16.05.10 / 12:00
Heft 10/2010 Leitartikel

Mission possible



Foto: KZBV

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

in der bemannten Raumfahrt ist „Houston“ – das wissen wir seit der Mission von Apollo 13 – erster Ansprechpartner, wenn es um die Lösung von Problemen geht. Mit dem Hilferuf „Houston, wir haben ein Problem“ konnten letztlich Mission und Menschenleben gerettet werden. Soviel zu den kalkulierten Wundern der bemannten Weltraumfahrt.

Im Gesundheitswesen – so hat es manchmal den Anschein – will das Bundesgesundheitsministerium die Rolle der Bodenkontrolle über-nehmen. Auch hier geht es bei den anstehenden Problemen um Menschenleben und (politische) Mission. Und wer Gesundheitsminister Philipp Rösler aufmerksam zuhört, staunt inzwischen ob der Fülle von Lösungsvorschlägen zu virulenten Problemen aller Art. Zugegeben: Die großen Fragen ruhen in den Händen der mit politischen „Hoch-karätern“ besetzten Reformkommission. Aber der Minister kennt den Problemkatalog seines Zuständigkeitsbereichs – nicht nur als politischer Ressortleiter, sondern auch in seiner Eigenschaft als Arzt. Er kann nicht warten, bis der avisierte „große Wurf“ dieser Regierungskoalition spruchreif ist.

Bis dahin spart der Minister nicht an Vorschlägen, Aufforderungen oder auch kurzfristigen Kurskorrekturen: Zu teure Arzneimittel? Da gibt es einen Weg, meint das BMG, und wird – gerade in diesen Zeiten – wählerwirksam aktiv. Beachtlich ist, dass nach Jahren des SPD-geführten Ministe-riums ein Liberaler kommen muss, um der pharmazeutischen Industrie so etwas wie Grenzen aufzuzeigen. Problem gelöst? Nicht vollständig, aber das System bleibt damit etwas länger manövrierfähig.

Aber das BMG wäre nicht Bodenkontrolle, wenn es nicht weitere Probleme entdeckte: Überversorgung in den Städten, Unterversorgung auf dem Land? Auch da hat Gesundheits-„Houston“ die Problemlage erkannt und sendet Ideen in den politischen Raum: Zum Beispiel der Tipp zur Praxisaufgabe in überversorgten Gebieten. Gute Idee? Vielleicht, aber wer zahlt dafür? Soll die Ärzteschaft die Abwrackprämie etwa selbst finanzieren? Einsatz von medizinisch ausgebildetem Personal zur Entlastung in unterversorgten ländlichen Gebieten? Wer darf denn da im Alltag was an wen delegieren?

Wird das die Bachelor/Master-Diskussion – die Absolventen will ja auch der BMG- Commander nicht als fertig ausgebildete Ärzte auf die Patienten loslassen – erneut entfachen und vorschnell ausgebildeten Billig-Ärzten den Weg ebnen? Was ist mit der Förderung von Praxisgründungen auf dem unterversorgten Land? Gut, aber woher kommt das Geld? Und muss man nicht auch dafür Strukturen haben, die eine zukunfts-sichere Praxisführung ermöglichen?

Deshalb unsere wenig überraschende Antwort an „Houston“: Zur Reparatur fehlen noch die erforderlichen richtigen Werk-zeuge! Es bedarf grundsätzlicher Vorkehrungen, Deutschlands qualitativ hochwertige medizinische und zahnmedizinische Versorgung aufrechtzuerhalten. Und dazu bedarf es grundsätzlicher Reformschritte. Auffällig ist, dass sich die Ideen aus dem BMG vor-rangig an der Ärzteschaft orientieren. Die zahnärztliche Problematik ist damit aber nur bedingt vergleichbar. Die Zahnmedizin muss ihren individuellen Kurs beibehalten können, an den angestammten Modellen weiter arbeiten, die sich an dieser spezifischen Lage orientieren. Es wäre höchst fatal, wollte die Politik diese existenziellen Probleme wieder auf die lange Bank schieben.

Die Zahnärzteschaft wird ihren Beitrag zum Gesamtpaket der Reformdiskussion leisten, ausgerichtet an dem Ziel, die Zahnarztpraxen weiterhin zu befähigen, ihre Arbeit möglichst eigenverantwortlich – auf freiberuflicher Grundlage – zu leisten. Das ist angesichts des angeschlagenen Systems die beste Garantie, gesellschaftlichen Havarien vorzubeugen.

Vor diesem Hintergrund deshalb hier unser Tipp an die BMG-Bodenkontrolle: „Houston“, klar haben auch wir Probleme! Aber beschränkt Euch bitte darauf, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Die richtigen Lösungen haben wir. Gebt uns die erforderlichen Werkzeuge. Reparieren können wir vor Ort viel besser selbst.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Dr. Jürgen Fedderwitz
Vorsitzender der KZBV



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