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01.12.16 / 00:03
Heft 23/2016 Gesellschaft
Mundgesundheitserziehung in der Kita

Mit Kroko in der Mäusegruppe

Immer mehr Kitas stellen das gemeinsame Zähneputzen ein. Häufig mit dem Argument: „Wir putzen aus hygienischen Gründen nicht mehr, weil die Kinder alles Mögliche mit den Zahnbürsten anstellen und wir unterbesetzt sind.“ In der Colbestraße in Berlin-Friedrichshain wird trotzdem geputzt. Regelmäßig kommen die Prophylaxekräfte der LAG Berlin zu Besuch. Eine davon ist Bianca Jüng.




„Lieber Kroko, lieber Kroko, schläfst du noch, schläfst Du noch? Hörst du nicht die Glocken, hörst du nicht die Glocken? Ding, dang, dong. Ding, dang, dong.“ Für einen Moment ist es ganz still. Aufgeregt schauen die Kinder auf die große schwarze Trage- tasche, die bei Bianca Jüng auf ihrem Schoß liegt. „Kroko, hast du das gehört? Die Kinder haben dir ein Lied gesungen“, flüstert sie in die Tasche. Behutsam zieht sie die grünen Füße des Plüschkrokodils heraus.

Mit dem fliegenden Teppich auf Jagd

An diesem Freitagmorgen im Oktober strahlen 18 Kinderaugen um die Wette. „Kroko, Kroko, komm heraus“, rufen die Kleinen. Erst kommt das Hinterteil, dann die Arme und zum Schluss der Kopf zum Vorschein. Jüng steckt ihre recht Hand in einen Schlitz am Rücken der extragroßen Handspielpuppe und spricht mit leicht erhöhter Stimme: „Hallo ihr lieben Kinder! Bin ich hier richtig in der Kita Colbestraße?“ Alle möchten dem grünen Maskottchen der LAG Berlin guten Tag sagen. „Nicht drängeln. Es kommt jeder dran. Und wenn ihr Kroko gestreichelt habt, setzt ihr euch bitte wieder in den Kreis zurück.“

Jüng ist eine temperamentvolle, herzliche Frau, die Erfahrung im Umgang mit Kindern hat. Seit fast 15 Jahren ist die gelernte ZFA als Prophylaxehelferin für die Landesarbeits- gemeinschaft Berlin zur Verhütung von Zahnerkrankungen tätig. Täglich besuchen sie und ihre 75 Kolleginnen Kindergärten und Schulen in der Hauptstadt, um den Kindern und Jugendlichen alles, was sie für ihre Mundgesundheit wissen müssen und tun können, zu vermitteln.

„Wir zeigen den Kindern, wie man die Zähne richtig putzt, welche Lebensmittel eine gesunde Ernährung ausmachen und wollen sie dazu bringen, die vielfältigen Zahnarztleistungen in Anspruch zu nehmen“, erklärt mir Jüng. Mithilfe von Gesprächstrainings und Schauspielschulungen hat sie gelernt, die Kita-Kinder mit der Handspielpuppe zu verzaubern.

Die Zwei- bis Dreijährigen aus der Froschgruppe entdecken heute ihre Zähne: Milchzähne, bleibende Zähne, Backenzähne, Eckzähne, Schneidezähne, Zahnfleisch und Gebiss. Alles ganz einfach: Jüng fragt, welche Zähne braucht man, um eine Möhre zu essen. Und Henry* ruft: „Ich weiß es! Eckzähne und die Backenzähne.“ Jüng nickt, dass man auch die Zunge benötigt, fügt sie hinzu. Josie* weiß auch warum: „Zum Schlucken brauchen wir die Zunge.“ Super, lobt die Prophylaxehelferin das Mädchen.

Naomi Hirsch arbeitet hier seit 2015 als Kitaleiterin und sitzt im Schneidersitz mit den Kindern im Kreis. Oscar* hat es sich auf ihrem rechten Oberschenkel gemütlich gemacht. Kroko kommt seit 2009 viermal jährlich zu Besuch in die Kita, erzählt sie. „Viele Kinder kennen Bianca und freuen sich immer auf ein Wiedersehen mit Kroko. Aber nicht nur für die Kinder ist Kroko ein Highlight – auch für uns Erzieher“, erzählt die Heilpädagogin. Das Zähneputzen ist fest in den Kitaalltag integriert: Bereits Einjährige werden an das tägliche Ritual herangeführt. „Trotzdem ist es eine Herausforderung die Kinder täglich aufs Neue für die Mundhygiene zu begeistern“, berichtet Hirsch.



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