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16.03.17 / 00:02
Heft 06/2017 Praxis
Volker Looman zur zwingend notwendigen Grundstruktur für die eigenen Finanzen

Mit dem Konten-Kleeblatt zum Glück



Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der BILD und in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. www.looman.de

Ordnung und Überblick sind das halbe Leben. Dazu gehört in besonderem Maß der Überblick über das liebe Geld. Ich blicke Woche für Woche in lange Gesichter, wenn ich Zahnärzte frage, wie hoch Umsatz, Gewinn und Steuern sind. Stecknadeln höre ich fallen, wenn ich die Frage gestellt habe, wie hoch die festen und die variablen Privatausgaben sind. Das veranlasst mich zu der Offerte, Ihnen zu zeigen, wie Sie mit wenigen Girokonten viel Licht ins Dunkel und noch mehr Ruhe in Ihren stressigen Alltag bringen. Das hat doch was, oder wie sehen Sie das?

Ich will mit einem simplen Beispiel anfangen. Sie sind eine charmante Zahnärztin, 28 Jahre jung, oder Sie sind ein dynamischer Zahnarzt, 29 Jahre alt, und Sie sind beide angestellt. Das monatliche Brutto-Gehalt beträgt 6.000 Euro. Die Liste der Abzüge beginnt mit der Arbeitslosenversicherung und einem Beitrag von 90 Euro. Die Krankenkasse zieht 365 Euro ab.

Die Pflegeversicherung schlägt mit 66 Euro zu Buche. In die Rentenversicherung oder das Versorgungswerk fließen 561 Euro. Der Fiskus hält zweimal die Hand auf. Die Lohnsteuer beträgt 1.441 Euro, und der Solidaritätszuschlag liegt bei 79 Euro. Das macht zusammen 2.602 Euro, so dass Ihnen monatlich 3.398 Euro ausbezahlt werden.

Nun kommt es, liebe Jung-Zahnärzte: Wie gehen Sie mit diesem Geld um, wie managen Sie die Finanzen, wie verwalten Sie den Zaster? In meinen Augen genügt in dieser Lebensphase ein Girokonto. Darauf gehen jeden Monat die 3.398 Euro des Arbeitgebers ein und davon werden jeden Monat bestimmte Beträge abgebucht. Das werden die Miete und ihre Nebenkosten sein. Genauso werden Sie das Handy und die Versicherung(en) bezahlen. Damit dürfte es sich freilich haben, weil ich hoffe, dass Sie keine Ratenkredite abstottern.

Bei diesen Rahmenbedingungen wird das Girokonto bei einer Direktbank für Sie die beste Lösung sein. Das Einzelkonto ohne Vollmacht(en) läuft auf Ihren guten Namen und kostet kein Geld. Mit Bankcard, Kreditkarte und Laptop können Sie rund um die Uhr auf die Kohle zugreifen. Da kann man in meinen Augen nicht viel falsch machen, und wenn Sie lieber eine Bank vor Ort haben wollen, dann gehen Sie eben zur blauen, gelben oder roten Konkurrenz und bezahlen die Grundgebühren.

Ich möchte Sie auf zwei Aspekte aufmerksam machen. Bitte verzichten Sie auf einen Kreditrahmen, weil Sie diesen „Unfug“ nicht brauchen. Viel wichtiger ist in meinen Augen, dass Sie auf dem Girokonto einen Dauerauftrag für sich selbst einrichten. Ich rate Ihnen zu einem Fünftel des Nettolohns. Das sind bei 3.398 Euro aufgerundet 700 Euro, die jeden Monat auf ein „Extrakonto“ überwiesen werden. Der frühe Aufbau des Vermögens wird Ihnen am Anfang weh tun, doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Irgendwann werden Sie die „Belastung“ nicht mehr spüren und sich über das Geld auf dem Extrakonto freuen.

In der eigenen Praxis reicht ein Girokonto natürlich nicht aus. Hier sind ein Praxiskonto, zwei Privatkonten und ein Steuerkonto nötig, und ich will Ihnen an einem Beispiel erläutern, warum dieses „Kleeblatt“ unverzichtbar ist. Sie haben jährliche Einnahmen von 500.000 Euro. Die halbe Million wird auf dem Praxiskonto eingehen. Die betrieblichen Ausgaben betragen 60 Prozent, so dass von diesem Konto rund 300.000 Euro wieder abfließen werden. Bei diesen Zahlen wird eine Kreditlinie von 100.000 Euro sinnvoll sein, weil die Einnahmen und Ausgaben in verschiedenen Perioden ablaufen.

Das finanzielle Privatleben spielt sich auf den beiden Privatkonten und dem Steuerkonto ab, bei denen auf Kreditlinien verzichtet wird. Über das erste Privatkonto werden die „festen“ Ausgaben abgewickelt. Das sind die Kreditraten, die Versicherungsprämien und die Zahlungen an das Versorgungswerk. 60.000 Euro sind keine Schande, aber wichtig ist, dass Sie die festen Ausgaben auf diesem Konto bündeln. Nur so kennen Sie deren Höhe, und nur mit diesem Wissen können Sie monatlich 5.000 Euro vom Praxiskonto auf das (erste) Privatkonto überweisen.

Genauso wichtig ist in meinen Augen das Steuerkonto. Umsätze von 500.000 Euro und Betriebskosten von 300.000 Euro ergeben Gewinne von 200.000 Euro. Sie führen bei ledigen Zahnärzten zu Abgaben von 86.000 Euro und bei verheirateten Zahnmedizinern zu Steuern von 77.000 Euro. Ich will Sie mit diesen Hinweisen nicht zum Heiraten animieren, da die Ehe unter Umständen das schlechtere Geschäft ist, doch ich will Sie vor dem Finanzamt warnen. Mit denen ist nicht gut Kirschen essen, so dass ich Ihnen vorschlage, auf dem Praxiskonto einen Dauerauftrag einzurichten und monatlich 7.000 Euro auf das Steuerkonto zu übertragen.

Nun kommen wir zum traurigen Rest: Praxiseinnahmen (500.000 Euro) abzüglich Betriebskosten (300.000 Euro) minus Festausgaben (60.000 Euro) weniger Steuern (77.000 Euro) ergeben 63.000 Euro. Das sind 5.250 Euro pro Monat und der Vorschlag, höchstens 5.000 Euro auszugeben. Mir ist bewusst, dass das für Sie harte Kost ist, doch es ist, wie es ist. Bitte richten Sie auf dem Betriebskonto einen Dauerauftrag mit 5.000 Euro für das zweite Privatkonto ein und verzichten Sie auf jede Kreditlinie.

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.




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