zm-online
16.02.07 / 00:15
Heft 04/2007 Medizin
Neuer Impfstoff

Mit einem kleinen Pieks dem Gebärmutterhalskrebs vorbeugen

Mit einer einfachen Impfung lassen sich Mädchen und junge Frauen ab sofort vor einem Zervixkarzinom schützen. Verschiedene Krankenkassen übernehmen inzwischen sogar die Kosten der neuartigen Impfung.



Foto: stockdisc

Etwa 6 000 Mal wird pro Jahr in Deutschland die Diagnose „Gebärmutterhalskrebs“ gestellt, 3 000 Frauen sterben jährlich hierzulande an diesem Tumor. „Das sind acht Todesfälle pro Tag, wovon bei konsequenter Impfung drei Viertel wohl zu vermeiden wären“, berichtete Dr. Michael Wojcinski aus Bielefeld bei einem Pressegespräch von Sanofi Pasteur MSD in München.

Denn seit kurzem ist mit Gardasil® ein neuer Impfstoff zugelassen, der Studien zufolge einen 100-prozentigen Schutz vor den humanen Papillomavirustypen (HPV) 6, 11, 16 und 18 bietet. HPV 16 und 18 sind für rund 75 Prozent aller Zervixkarzinome verantwortlich, während HPV 6 und 11 die ausgesprochen lästigen und langwierig zu behandelnden Kondylome verursachen.

Die Impfung schützt nicht nur vor dem Karzinom, sie verhindert auch zuverlässig dessen Vorstufen. Die machen vielen Frauen erhebliche Ängste, wenn beim Abstrich ein „unklarer Befund“ erhoben wird. Kontrolluntersuchung und angstvolles Warten sowie erhebliche Folgekosten durch die Zusatzuntersuchungen sind Folgen, die durch die Impfung ebenfalls zu vermeiden sind. Schon allein dieser Aspekt ist nach Wojcinski relevant. Denn jährlich werden in Deutschland im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung rund 18 Millionen Abstrichpräparate angefertigt. Das hat pro Jahr 0,5 bis 0,8 Millionen unklare zytologische Befunde zur Folge, wobei 150 000 therapiepflichtige Präkanzerosen festgestellt werden.

Schutzwirkung über das Zervixkarzinom hinaus

Die Schutzwirkung durch den neuen Impfstoff Gardasil® könnte zudem noch größer sein, als bisher bekannt. Denn es gibt erste Hinweise darauf, dass die Impfung möglicherweise auch eine Infektion mit anderen HPV-Typen, und zwar konkret mit HPV 31 und HPV 45, abwendet.

Beide Virustypen sind hinsichtlich ihrer genetischen Struktur HPV 16 und HPV 18 eng verwandt. Das bei der Impfung injizierte Kapsidprotein L1 bildet virus-ähnliche Partikel, welche für das Immunsystem nicht vom üblichen Virus zu unterscheiden sind. Es induzierte in Laboruntersuchungen auch die Bildung von Antikörpern, die mit den humanen Papillomavirustypen 31 und 45 kreuzreagieren. Sie zeigen sogar das Potenzial, diese zu neutralisieren, bevor es zu einer Zellinfektion kommt, ein Phänomen, das auch als Kreuzneutralisation bezeichnet wird. Damit steht zu vermuten, dass die HPV-Impfung auch eine Infektion mit HP-Virustypen verhindern kann, gegen die der Impfstoff nicht direkt gerichtet ist. HPV 31 und HPV 45 sind den bisherigen Erkenntnissen zufolge für rund acht bis neun Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Fälle verantwortlich. Klinische Studien sollen nun zeigen, ob sich die Kreuzneutralisation tatsächlich auch in einer Kreuzprotektion niederschlägt und somit durch die Impfung noch weit mehr Zervixkarzinome zu verhindern sind, als bislang angenommen.

Christine Vetter
Merkenicherstraße 224, 50735 Köln



Mehr zum Thema


Anzeige